Die anhaltende Hitze in Deutschland hat inzwischen erhebliche Auswirkungen auf die Binnenschifffahrt. Die Wasserstände von Rhein und Donau sind vielerorts so niedrig, dass Transporte zunehmend erschwert werden. Die Deutsche Bahn will deshalb kurzfristig zusätzliche Güterwagen bereitstellen und damit einen Teil der Transporte von den Flüssen auf die Schiene verlagern. Die aktuelle Hitzewelle ist längst nicht mehr nur eine Belastung für Menschen und Natur. Sinkende Wasserstände entwickeln sich zunehmend zu einem Problem für Industrie, Handel und Logistik. Vor allem Rhein und Donau sind für den deutschen Güterverkehr von großer Bedeutung. Können Schiffe aufgrund des niedrigen Wasserstands weniger Ladung aufnehmen oder bestimmte Strecken nicht mehr wirtschaftlich befahren, geraten etablierte Lieferketten unter Druck. Noch gibt es nach Angaben der Verkehrsminister keine größeren Lieferengpässe. Die Politik will jedoch reagieren, bevor sich die Situation verschärft.
Bahn bietet kurzfristig zusätzliche Kapazitäten an
Die Deutsche Bahn hat deshalb Unterstützung angeboten. Über ihre Güterverkehrstochter DB Cargo könnten kurzfristig rund 400 zusätzliche Güterwagen mobilisiert werden. Damit sollen Transporte übernommen werden, die wegen des Niedrigwassers nicht oder nur eingeschränkt über die Wasserstraßen abgewickelt werden können. Nach Einschätzung der Bahn könnten Güterzüge kurzfristig die Transportleistung von bis zu 100 Binnenschiffen ersetzen. Für die kommenden Monate wird zudem über ein langfristiges Vorhaltekonzept mit bis zu 500 zusätzlichen Güterwagen gesprochen.
Auch Lastwagen sollen mehr transportieren
Neben der Schiene soll auch der Straßengüterverkehr kurzfristig zusätzliche Aufgaben übernehmen. Mehrere Länder haben deshalb das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen vorübergehend ausgesetzt. Ziel ist es, Transporte flexibler auf verschiedene Verkehrsträger zu verteilen und dadurch Produktionsausfälle oder Lieferprobleme zu verhindern. Nach Einschätzung der Verkehrsminister muss jetzt gehandelt werden, obwohl es derzeit noch keine flächendeckenden Versorgungsengpässe gibt.
Niedrigwasser zeigt Folgen der Extremhitze
Der aktuelle Fall macht deutlich, dass extreme Hitze mehrere Bereiche gleichzeitig treffen kann. Hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge führen zu trockenen Böden und niedrigen Flusspegeln. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. Für die Wirtschaft entsteht dadurch eine zusätzliche Belastung: Verkehrsrouten, die normalerweise große Mengen an Rohstoffen und Waren transportieren, stehen nur eingeschränkt zur Verfügung. Damit wird Niedrigwasser zu einer indirekten Krisenlage für kritische Lieferketten.
Streit über Ausbau der Wasserstraßen
Verkehrsminister Steffen Bilger sieht langfristig auch einen stärkeren Ausbau und eine Vertiefung bestimmter Wasserstraßen als Möglichkeit, die Binnenschifffahrt widerstandsfähiger gegen Niedrigwasser zu machen. Umweltminister Carsten Schneider widerspricht diesem Ansatz. Eine reine Vertiefung von Flüssen könne keine ausreichende Antwort sein. Stattdessen müsse stärker auf natürliche Flussläufe, Auen und Landschaften gesetzt werden, die Wasser besser speichern können. Damit ist eine grundsätzliche Debatte über die Anpassung der deutschen Infrastruktur an den Klimawandel entbrannt.
Kritische Infrastruktur wird anfälliger
Für den Bevölkerungsschutz ist die Entwicklung deshalb besonders relevant. Fällt ein wichtiger Transportweg aus oder wird stark eingeschränkt, müssen alternative Verkehrswege kurzfristig einspringen. Das Beispiel Niedrigwasser zeigt, wie Naturereignisse und wirtschaftliche Krisen miteinander verbunden sind. Eine langanhaltende Hitzeperiode kann zunächst Flüsse beeinträchtigen, anschließend Logistikunternehmen unter Druck setzen und schließlich Auswirkungen auf Industrie und Handel haben. Noch ist die Versorgungslage stabil. Sollte die Trockenheit jedoch weiter anhalten, könnte der Druck auf die Transportketten deutlich zunehmen.
Deutschland braucht widerstandsfähigere Verkehrswege
Die aktuelle Situation zeigt damit ein grundsätzliches Problem: Deutschlands Verkehrs- und Lieferinfrastruktur muss sich auf häufiger auftretende Extremwetterlagen einstellen. Schiene, Straße und Wasserstraße müssen dabei stärker als miteinander verbundene Systeme betrachtet werden. Fällt ein Verkehrsträger teilweise aus, müssen andere kurzfristig zusätzliche Kapazitäten übernehmen können. Das Niedrigwasser auf Rhein und Donau ist damit mehr als ein Verkehrsproblem. Es ist ein Warnsignal für die Krisenfestigkeit der deutschen Lieferketten.


