Wochenlang hielt sich die Bundesregierung mit einer offiziellen Bewertung zurück. Jetzt ist die politische Entscheidung gefallen: Deutschland macht Russland für den versuchten Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verwies auf polizeiliche Ermittlungen, erkannte Tatmuster und Erkenntnisse deutscher sowie europäischer Nachrichtendienste. Der Vorfall vom 4. August erreicht damit eine neue politische Dimension. Berlin spricht von einem russischen hybriden Angriff und kündigt gleichzeitig konkrete Maßnahmen gegen Moskau an.
Sprengstoff-Drohne nahe ukrainischem Frachtflugzeug entdeckt
In der Nacht zum 5. August war auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne entdeckt worden. Das Fluggerät befand sich nach bisherigen Erkenntnissen in unmittelbarer Nähe eines ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugs. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass die Drohne gezielt gegen die Maschine eingesetzt werden sollte. Der Flughafen Leipzig/Halle besitzt eine besondere strategische Bedeutung, weil über ihn unter anderem Logistik im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine abgewickelt wird.
Ermittlungen führen laut Bundesregierung nach Russland
Für die Bundesregierung ergibt sich die russische Verantwortlichkeit aus mehreren voneinander unabhängigen Erkenntnissen. Dobrindt verwies insbesondere auf die verwendete Drohnenkonfiguration, bestimmte Bauteile sowie Sprengstoff und Zündtechnik. Diese Kombination sei den Sicherheitsbehörden bereits aus anderen russischen hybriden Operationen und aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bekannt. Auch die technische Ausführung und die Organisation des Vorhabens deuteten nach Einschätzung der Ermittler auf einen professionell geplanten Vorgang hin.
Weitere verdächtige Funde in Sachsen-Anhalt
Der Vorfall blieb offenbar nicht auf das Flughafengelände beschränkt. In den Tagen nach dem Fund wurden in der Umgebung weitere verdächtige Gegenstände entdeckt. Unter anderem wurden im nahe gelegenen Kabelsketal Teile einer weiteren Drohne gefunden, die ebenfalls Sprengstoff enthalten haben sollen. Zudem stießen Ermittler in Kursdorf auf eine technische Vorrichtung, die möglicherweise zur Übermittlung von Steuerungssignalen gedient haben könnte. Die Häufung solcher Funde verstärkte bei den Sicherheitsbehörden den Verdacht, dass hinter den Vorgängen eine koordinierte Operation stehen könnte.
DNA-Spur sorgt für zusätzliche Brisanz
Besonders brisant ist nach Angaben von news.de eine DNA-Spur, die an der Sprengstoff-Drohne gesichert worden sein soll. Demnach gibt es eine Übereinstimmung mit einer DNA-Probe aus den Ermittlungen zu einem Brandanschlag auf ein DHL-Logistikzentrum in Leipzig im Juli 2024. Bereits im Zusammenhang mit einer Serie von Paketbränden in Europa waren russische Sabotagenetzwerke als mögliche Drahtzieher ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Auch US-Geheimdienstinformationen sollen die deutsche Bewertung gestützt haben. Demnach weisen Bauweise und Sprengvorrichtung Merkmale auf, die mit Operationen des russischen Militärgeheimdienstes GRU in Verbindung gebracht werden.
Berlin reagiert mit einem Maßnahmenpaket
Die Bundesregierung will den Vorgang nicht ohne Konsequenzen lassen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte mehrere Maßnahmen an. Das russische Generalkonsulat in Bonn soll zum 18. September geschlossen werden. Außerdem wird der Vertrag über das Russische Haus in Berlin gekündigt. Die Einrichtung steht bereits seit längerer Zeit unter dem Verdacht, auch für nachrichtendienstliche Aktivitäten genutzt worden zu sein. Darüber hinaus will Deutschland weitere Personen auf EU-Sanktionslisten setzen lassen. Auch die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige sollen verschärft werden. Der Druck auf die sogenannte russische Schattenflotte soll ebenfalls steigen.
Deutschland verschärft Kurs gegenüber Moskau
Die Reaktion geht damit deutlich über eine rein diplomatische Protestnote hinaus. Deutschland will Russland mit politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Maßnahmen unter Druck setzen. Zudem kündigte die Bundesregierung weitere Schritte im nachrichtendienstlichen Bereich an. Der russische Botschafter wurde ins Auswärtige Amt einbestellt, um ihm die deutschen Maßnahmen offiziell mitzuteilen. Gleichzeitig betonte Außenminister Wadephul, dass Deutschland sich nicht im Krieg mit Russland befinde. Die Bundesregierung sieht Deutschland jedoch als mögliches Ziel weiterer russischer hybrider Operationen.
Moskau weist Vorwürfe zurück
Russland weist die deutschen Anschuldigungen entschieden zurück. Die russische Botschaft bezeichnete die Vorwürfe als unbegründete Provokation. Moskau kündigte seinerseits Konsequenzen für die deutschen Maßnahmen an. Damit verschärft sich der ohnehin angespannte Konflikt zwischen Berlin und Moskau weiter. Die Bundesregierung sieht den Drohnenvorfall als Teil einer größeren Bedrohung durch Spionage, Sabotage und andere hybride Aktivitäten.
Drohnenfund wird zum politischen Wendepunkt
Der Fall Leipzig/Halle ist damit weit mehr als ein ungewöhnlicher Sicherheitsvorfall auf einem deutschen Flughafengelände. Die Bundesregierung hat erstmals offiziell Russland für einen konkreten versuchten Anschlag auf deutschem Boden verantwortlich gemacht. Ob weitere Einzelheiten zu den mutmaßlichen Auftraggebern und den beteiligten Personen veröffentlicht werden, dürfte für die weitere Bewertung des Falls entscheidend sein. Klar ist bereits jetzt: Der Drohnenfund von Leipzig hat die deutsch-russischen Beziehungen weiter verschärft und wird zu einem neuen Schwerpunkt der deutschen Sicherheits- und Außenpolitik.


