Der Eichenprozessionsspinner ist derzeit wieder vermehrt unterwegs und sorgt insbesondere während seiner Raupenphase für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen winzige Brennhaare, die mit feinen Widerhaken ausgestattet sind und das Eiweißgift Thaumetopoein enthalten. Bereits der Kontakt mit diesen Haaren kann bei Menschen und Tieren Hautreizungen, Atemwegsbeschwerden oder allergische Reaktionen hervorrufen. Besondere Vorsicht ist im Bereich der Gespinstnester geboten, da sich dort große Mengen der Brennhaare ansammeln. Die Nester sollten keinesfalls berührt werden. Da die feinen Haare zudem vom Wind über größere Entfernungen verbreitet werden können, ist es wichtig, stets ausreichend Abstand zu halten.
Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Nachtfalter, dessen Raupen zu den bekanntesten und zugleich problematischsten Insekten Mitteleuropas gehören. Die Art gehört zur Familie der Zahnspinner und trägt den wissenschaftlichen Namen Thaumetopoea processionea. Ursprünglich war sie vor allem in wärmeren Regionen Europas verbreitet, doch durch steigende Temperaturen und milde Winter hat sich ihr Verbreitungsgebiet in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ausgeweitet. Heute kommt der Eichenprozessionsspinner in weiten Teilen Deutschlands vor und besiedelt bevorzugt Eichenwälder, Parkanlagen, Alleen sowie einzelne Eichen in Siedlungsgebieten.
Vorsicht vor Kontakt mit Brennhaaren
Die Brennhaare stellen den wirksamsten Schutzmechanismus der Raupen dar. Bei Gefahr brechen sie leicht ab und werden durch Wind über weite Strecken verbreitet. Sie können sich auf Kleidung, Haut, Haaren oder Gegenständen ablagern und selbst Monate oder Jahre nach dem Verlassen eines Nestes noch ihre gesundheitsschädliche Wirkung entfalten. Beim Menschen führen sie häufig zu starkem Juckreiz, Hautausschlägen, Rötungen und Quaddeln. Gelangen die Haare in die Augen oder Atemwege, können Bindehautentzündungen, Husten, Atembeschwerden oder allergische Reaktionen auftreten. In seltenen Fällen sind schwere allergische Schocks möglich. Auch Hunde, Pferde und andere Tiere können durch die Brennhaare erhebliche gesundheitliche Probleme entwickeln.
Bei Kontakt reagiert die Haut häufig mit stark juckenden, roten Pusteln. Die winzigen Härchen bohren sich in die Haut und brechen dort ab – beispielsweise beim Waschen. Dadurch wird das Nesselgift freigesetzt, was zu starken allergischen Reaktionen führen kann. Werden die feinen Härchen eingeatmet, können zudem Atemwegsbeschwerden wie Asthma oder Bronchitis auftreten.
Das Regionalforstamt Soest-Sauerland empfiehlt nach einem möglichen Kontakt mit den Brennhaaren, die getragene Kleidung möglichst noch im Freien zu wechseln. Schuhe sollten gründlich mit Wasser gereinigt und die Kleidung anschließend bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Sichtbare Brennhaare lassen sich vorsichtig mit einem Klebestreifen von der Haut entfernen. Treten Hautreaktionen auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Atemnot ist umgehend der Rettungsdienst zu verständigen.
Brennhaare auch für Hunde gefährlich
Auch für Hunde stellen die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Bereits ein kurzer Kontakt kann schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Mögliche Anzeichen sind Hautrötungen, Bläschen, Reizungen im Maul- und Rachenraum, stark geschwollene Lefzen oder eine angeschwollene Zunge, vermehrter Speichelfluss, Atembeschwerden, Fieber, Mattigkeit, Schwindel sowie gereizte Augen. Besteht der Verdacht, dass ein Hund mit den Brennhaaren in Berührung gekommen ist, sollte er schnellstmöglich tierärztlich untersucht und behandelt werden.
Da der Eichenprozessionsspinner sowohl die Gesundheit von Menschen als auch die Vitalität von Eichen gefährden kann, werden befallene Bereiche häufig überwacht und bei Bedarf bekämpft. Je nach Situation kommen mechanische Verfahren wie das Absaugen der Gespinstnester oder biologische Bekämpfungsmittel zum Einsatz, die gezielt junge Raupenstadien treffen. Der Umgang mit den Nestern sollte grundsätzlich Fachbetrieben überlassen werden, da die Brennhaare auch nach dem Absterben der Raupen über lange Zeit gefährlich bleiben.


