Deutschland erlebt derzeit eine außergewöhnliche Hitzewelle. In vielen Regionen steigen die Temperaturen auf deutlich über 35 Grad, lokal sind sogar bis zu 40 Grad möglich. Während Sonnenschein für viele nach Sommer klingt, birgt die anhaltende Hitze erhebliche Gesundheitsrisiken. Besonders betroffen sind Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Pflegebedürftige. Schon wenige Stunden in überhitzten Wohnungen können den Kreislauf stark belasten. Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Flüssigkeitsmangel oder sogar ein lebensbedrohlicher Hitzschlag sind mögliche Folgen.
Experten empfehlen deshalb, den Alltag konsequent an die hohen Temperaturen anzupassen. Wer einige einfache Regeln beachtet, kann die Belastung deutlich reduzieren.
Wohnung kühl halten: So bleibt die Hitze draußen
Eine der wichtigsten Maßnahmen beginnt bereits am frühen Morgen. Sobald die Außentemperaturen steigen, sollten Fenster, Balkon- und Terrassentüren geschlossen bleiben. Gleichzeitig helfen heruntergelassene Rollläden, Jalousien oder geschlossene Vorhänge dabei, direkte Sonneneinstrahlung abzuhalten. Vor allem Fenster auf der Süd- und Westseite heizen Räume innerhalb kurzer Zeit stark auf. Gelüftet werden sollte ausschließlich dann, wenn die Außenluft kühler ist als die Raumtemperatur. Ideal sind die Nachtstunden oder die frühen Morgenstunden zwischen etwa 4 und 8 Uhr. Elektrische Geräte wie Backofen, Wäschetrockner oder leistungsstarke Computer erzeugen zusätzliche Wärme und sollten möglichst nur in den kühleren Tageszeiten genutzt werden.

Richtig schlafen trotz tropischer Nächte
Für viele Menschen sind nicht die heißen Tage, sondern die warmen Nächte die größte Belastung. Erholsamer Schlaf fällt bei Temperaturen über 20 Grad oft schwer.
Das Schlafzimmer sollte tagsüber vollständig abgedunkelt werden. Vor dem Schlafengehen empfiehlt sich gründliches Querlüften. Leichte Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen sowie dünne Schlafkleidung sorgen für ein angenehmeres Schlafklima. Eine lauwarme Dusche vor dem Zubettgehen hilft dem Körper dabei, sich besser abzukühlen, ohne die Wärmeproduktion zusätzlich anzuregen. Ventilatoren können die Luftbewegung verbessern, sollten jedoch nicht dauerhaft direkt auf den Körper gerichtet sein. Wer in einer Dachgeschosswohnung lebt, kann während besonders heißer Nächte vorübergehend in einem kühleren Raum der Wohnung schlafen.
Viel trinken – aber richtig
Der Körper verliert bei Hitze deutlich mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Bereits ein geringer Flüssigkeitsmangel kann Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme verursachen.
Erwachsene sollten, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen, täglich mindestens zwei bis drei Liter trinken. Bei körperlicher Anstrengung oder starkem Schwitzen kann der Bedarf deutlich höher liegen. Besonders geeignet sind Wasser, Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees sowie verdünnte Fruchtsäfte. Alkohol, stark zuckerhaltige Getränke, größere Mengen koffeinhaltiger Getränke und Energydrinks sollten möglichst vermieden werden. Wichtig ist außerdem, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken und nicht erst dann, wenn Durst auftritt.

Leicht essen statt schwerer Mahlzeiten
Auch beim Essen sollte der Körper möglichst wenig zusätzlich belastet werden. Empfehlenswert sind mehrere kleine Mahlzeiten mit einem hohen Wasseranteil. Obst und Gemüse wie Wassermelonen, Gurken, Tomaten, Erdbeeren und Blattsalate versorgen den Körper mit Flüssigkeit und wichtigen Mineralstoffen. Auch Joghurt, Quark, gedünstetes Gemüse oder Fisch gelten als leicht verdaulich. Schwere, fettige oder stark gewürzte Speisen erhöhen dagegen die Wärmeproduktion des Körpers und belasten zusätzlich den Kreislauf.
Kinder brauchen besonderen Schutz
Kinder reagieren deutlich empfindlicher auf hohe Temperaturen als Erwachsene, da ihr Körper Hitze noch nicht so gut regulieren kann. Säuglinge sollten niemals direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Kinder sollten regelmäßig trinken, auch wenn sie keinen Durst verspüren. Helle und leichte Kleidung, ein Sonnenhut sowie Sonnenschutz sind bei Aufenthalten im Freien unverzichtbar. Aktivitäten im Freien sollten möglichst auf die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Während der Mittagshitze zwischen 11 und 17 Uhr sind schattige Plätze die bessere Wahl.
Besondere Vorsicht gilt bei Fahrzeugen. Bereits nach wenigen Minuten können sich Autos lebensgefährlich aufheizen. Kinder dürfen deshalb niemals allein im Fahrzeug zurückgelassen werden.
Senioren gehören zur größten Risikogruppe
Mit zunehmendem Alter funktioniert die Temperaturregulation des Körpers schlechter. Gleichzeitig nimmt häufig das Durstgefühl ab. Dadurch steigt das Risiko einer Dehydrierung erheblich. Ältere Menschen sollten feste Trinkzeiten einhalten und auch ohne Durst regelmäßig Flüssigkeit aufnehmen. Körperliche Anstrengungen sollten vermieden und möglichst kühle Räume aufgesucht werden. Leichte Kleidung erleichtert dem Körper die Wärmeabgabe. Ebenso wichtig ist der regelmäßige Kontakt zu Angehörigen, Nachbarn oder Pflegekräften.
Warnzeichen wie Schwindel, Verwirrtheit, starke Müdigkeit oder trockene Haut sollten ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Seniorenheime müssen jetzt besonders aufmerksam sein
Pflegeeinrichtungen tragen während einer Hitzewelle eine besondere Verantwortung. Regelmäßige Trinkangebote und Trinkprotokolle helfen dabei, Flüssigkeitsmangel frühzeitig zu erkennen. Aufenthaltsräume sollten möglichst kühl gehalten und Aktivitäten in die kühleren Morgenstunden verlegt werden.
Pflegekräfte sollten Bewohner engmaschig beobachten und auf erste Anzeichen einer Überhitzung achten. Auch Medikamente sollten hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf den Flüssigkeitshaushalt überprüft werden. Angehörige sollten über die getroffenen Schutzmaßnahmen informiert werden.
Auch Haustiere leiden unter der Hitze
Nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere leiden unter den hohen Temperaturen. Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel können ihren Körper nur eingeschränkt abkühlen und sind deshalb besonders anfällig für Überhitzung. Haustiere sollten jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben. Die Wassernäpfe sollten regelmäßig kontrolliert und möglichst an einem schattigen Platz aufgestellt werden. Spaziergänge mit Hunden gehören während einer Hitzewelle in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Die Mittagshitze sollte unbedingt vermieden werden.
Besondere Vorsicht ist auf heißem Asphalt geboten. Bereits ab einer Lufttemperatur von etwa 25 Grad kann sich der Boden auf weit über 50 Grad aufheizen. Das kann innerhalb weniger Sekunden zu schmerzhaften Verbrennungen an den Pfoten führen. Im Zweifel hilft der Handtest: Ist der Asphalt für die Hand zu heiß, ist er auch für Hundepfoten ungeeignet.

Kaninchen, Meerschweinchen und andere Kleintiere sollten niemals in der prallen Sonne stehen. Ihre Gehege müssen ausreichend Schatten bieten und gut belüftet sein. Kühlakkus, die in ein Handtuch gewickelt werden, oder feuchte Tücher in der Nähe des Geheges können zusätzlich für Abkühlung sorgen.
Auch Wohnungskatzen benötigen kühle Rückzugsorte. Viele Tiere suchen sich während der Hitze selbst kühlere Plätze auf Fliesen oder im Schatten. Wer möchte, kann zusätzlich feuchte Handtücher oder Kühlmatten anbieten. Vögel freuen sich über flache Wasserschalen zum Trinken und Baden. Das Wasser sollte mehrmals täglich erneuert werden.
Besonders wichtig ist eine Regel, die jedes Jahr Leben retten kann: Haustiere dürfen niemals im Auto zurückgelassen werden. Selbst bei leicht geöffneten Fenstern steigt die Temperatur im Fahrzeuginneren innerhalb weniger Minuten auf lebensgefährliche Werte an. Bereits nach kurzer Zeit drohen Hitzschlag und Organversagen. Zeigt ein Tier starkes Hecheln, Apathie, Taumeln oder reagiert kaum noch, sollte es sofort an einen kühlen Ort gebracht und vorsichtig mit feuchten Tüchern gekühlt werden. Anschließend ist umgehend ein Tierarzt aufzusuchen.
Krankenhäuser bereiten sich auf mehr Notfälle vor
Auch Kliniken müssen sich während extremer Hitze auf eine steigende Zahl von Patienten einstellen. Kreislaufprobleme, Dehydrierung, Hitzeschläge und Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten bei hohen Temperaturen deutlich häufiger auf. Krankenhäuser achten deshalb verstärkt auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung gefährdeter Patienten, klimatisieren besonders sensible Bereiche und passen körperlich belastende Therapien an die Wetterlage an. Auch das medizinische Personal sollte auf regelmäßige Pausen und ausreichendes Trinken achten.
Warnzeichen eines Hitzschlags sofort erkennen
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall und kann lebensbedrohlich werden. Typische Anzeichen sind eine Körpertemperatur von über 40 Grad, Verwirrtheit, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, heiße und trockene Haut, ein schneller Puls sowie Atemnot. Betroffene sollten sofort an einen kühlen Ort gebracht werden. Die Kleidung sollte gelockert und der Körper vorsichtig gekühlt werden. Anschließend muss umgehend der Rettungsdienst verständigt werden.

Die Hitze wird zur Dauerbelastung
Meteorologen gehen davon aus, dass Hitzewellen in Deutschland künftig häufiger auftreten und länger andauern werden. Damit wird der richtige Umgang mit extremer Hitze immer wichtiger. Wer seine Wohnung kühl hält, ausreichend trinkt, leichte Mahlzeiten bevorzugt und besonders auf Kinder, ältere Menschen sowie chronisch Kranke achtet, kann das Risiko gesundheitlicher Folgen deutlich verringern.


