Ein Cyberangriff auf die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen, Bönen und Bergkamen hat weitreichende Folgen für Zehntausende Kunden. Nach der Attacke wurden sämtliche internen IT-Systeme vorsorglich vom Netz genommen, um die Auswirkungen des Angriffs einzudämmen und die Infrastruktur zu schützen. Besonders betroffen ist der Kundenservice: Rund 60.000 Abschlagszahlungen für Strom und Wasser konnten zum Monatsbeginn nicht wie geplant eingezogen werden.
Da die automatischen Lastschrifteinzüge derzeit nicht möglich sind, ruft der Energieversorger seine Kundinnen und Kunden dazu auf, die fälligen Abschläge eigenständig zu überweisen. Benötigt werden dafür Name, Kundennummer und Rechnungseinheit, die auf der letzten Jahresabrechnung oder der Vertragsbestätigung zu finden sind.
Wer die Zahlung zunächst nicht selbst veranlasst, muss sich nach Angaben der GSW keine Sorgen machen. Die Abschläge sollen zu einem späteren Zeitpunkt automatisch eingezogen werden, sobald die technischen Systeme wieder vollständig funktionieren.
Versorgung mit Strom und Wasser bleibt stabil
Trotz des Cyberangriffs gibt der Versorger Entwarnung bei der Energieversorgung. Weder die Lieferung von Strom noch die Wasserversorgung sind von der Attacke betroffen. Auch der Störungsdienst steht den Kunden weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Die Einschränkungen betreffen vor allem die Verwaltungs- und Kommunikationssysteme. Das Online-Kundencenter, die Service-App sowie Teile der internen Netzwerke sind derzeit nicht erreichbar. Auch Telefon- und E-Mail-Kommunikation sind erheblich eingeschränkt.
Landeskriminalamt ermittelt gemeinsam mit IT-Experten
Nach Bekanntwerden des Angriffs wurde umgehend ein Krisenstab eingerichtet. Gemeinsam mit externen IT-Sicherheitsexperten und dem Landeskriminalamt arbeiten die Gemeinschaftsstadtwerke daran, die Ursache des Angriffs aufzuklären und die Systeme schrittweise wiederherzustellen. Bislang ist unklar, wer hinter der Cyberattacke steckt und ob möglicherweise Kundendaten betroffen sind. Zu den Hintergründen des Angriffs äußern sich die Ermittler derzeit nicht. Die Untersuchungen dauern an.
Weitere Einschränkungen im Alltag
Der Cyberangriff wirkt sich auch auf weitere Angebote der GSW aus. In den von den Stadtwerken betriebenen Schwimmbädern ist derzeit keine Kartenzahlung möglich. Besucher müssen ihren Eintritt sowie gastronomische Angebote bar bezahlen. Zudem sind einzelne Serviceleistungen vorübergehend nur eingeschränkt verfügbar. Die Kundencenter bleiben zwar geöffnet, können Anliegen derzeit jedoch lediglich aufnehmen. Eine Bearbeitung erfolgt erst, wenn die internen Systeme wieder vollständig einsatzbereit sind.
Wiederherstellung der Systeme hat höchste Priorität
Die Gemeinschaftsstadtwerke arbeiten nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, den Vorfall zu bewältigen und den Normalbetrieb schnellstmöglich wiederherzustellen. Bis dahin werden Kunden regelmäßig über den aktuellen Stand informiert. Der Vorfall zeigt erneut, wie verwundbar kritische Infrastrukturen gegenüber Cyberangriffen sein können. Auch wenn die Versorgung mit Strom und Wasser jederzeit gewährleistet blieb, führte der Angriff zu erheblichen Einschränkungen im Kundenservice und bei den internen Abläufen des Energieversorgers.


