Autofahrer in Deutschland mussten im April 2026 so tief in die Tasche greifen wie noch nie. Nach Angaben des ADAC lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Super E10 bei 2,109 Euro, während Diesel im Schnitt sogar 2,263 Euro kostete. Damit wurden gleich mehrere Rekorde gebrochen: Der Dieselpreis übertraf den bisherigen Höchstwert aus dem Vormonat deutlich, während Super E10 den bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2022 überstieg. Besonders drastisch fiel der Preisanstieg beim Diesel aus.
Einzelne Tage mit extremen Ausschlägen
Den bisherigen Höhepunkt erreichten die Preise Anfang April. Am 7. April kletterte Diesel auf einen historischen Spitzenwert von 2,446 Euro pro Liter. Bereits einen Tag zuvor lag auch Super E10 mit 2,191 Euro pro Liter nahezu auf Rekordniveau. Auffällig ist dabei, dass die Preisentwicklung nicht im Einklang mit klassischen Einflussfaktoren stand. Weder der Ölpreis noch der Wechselkurs lieferten ausreichende Erklärungen für den starken Anstieg.
Kritik am „Österreich-Modell“ wächst
Seit dem 1. April gilt in Deutschland ein neues Preismodell, das sich am sogenannten „Österreich-Modell“ orientiert. Dieses soll eigentlich für mehr Transparenz und Stabilität bei den Kraftstoffpreisen sorgen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Trotz vergleichsweise günstiger Rahmenbedingungen – etwa beim Brent-Ölpreis und beim Euro-Dollar-Kurs – zogen die Preise deutlich an. Kritiker sehen darin ein mögliches Indiz für mangelnden Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Tankrabatt sorgt für neue Kontroversen
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch den seit Mai geltenden Tankrabatt. Die Bundesregierung hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend um rund 17 Cent pro Liter gesenkt, um Verbraucher zu entlasten. Doch nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverband kommt diese Entlastung bislang nicht vollständig bei den Autofahrern an. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass ein Teil der Steuersenkung von den Mineralölkonzernen abgeschöpft wird.
Warnung vor „Konzernrabatt“
Ramona Pop, Vorständin des VZBV, äußerte deutliche Kritik. Sie warnte davor, dass sich der Tankrabatt faktisch in einen „Konzernrabatt“ verwandle. Pop fordert ein entschlossenes Eingreifen des Bundeskartellamt. Die Behörde müsse mögliche Preisabsprachen oder ungerechtfertigte Margen konsequent überprüfen und unterbinden.
Forderung nach alternativen Entlastungen
Aus Sicht der Verbraucherschützer ist der Tankrabatt grundsätzlich der falsche Ansatz. Statt indirekter Maßnahmen plädiert der VZBV für direkte finanzielle Unterstützung der Bürger. Solche Direktzahlungen würden gezielter wirken und insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen besser erreichen. Gleichzeitig müsse die Politik strukturelle Lösungen vorantreiben.
Weg von fossilen Abhängigkeiten
Langfristig sehen Experten die Lösung nicht in kurzfristigen Preismaßnahmen, sondern in einer grundlegenden Transformation des Verkehrssektors. Der Ausbau der Elektromobilität sowie ein attraktiver und bezahlbarer öffentlicher Nahverkehr gelten als zentrale Bausteine. Die aktuellen Rekordpreise zeigen deutlich, wie stark Deutschland weiterhin von fossilen Energieträgern abhängig ist – und wie anfällig Verbraucher für Preisschwankungen auf dem Weltmarkt bleiben.
Politischer Druck wächst
Die Debatte um Spritpreise und staatliche Entlastungen dürfte in den kommenden Wochen weiter an Dynamik gewinnen. Spätestens mit dem Auslaufen des Tankrabatts im Sommer steht die Bundesregierung vor der Frage, wie sie Autofahrer künftig unterstützen will – ohne dabei Marktmechanismen zu verzerren.


