Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik vorgestellt – mit einer zunächst positiven Botschaft: Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ist im Jahr 2025 auf rund 5,5 Millionen gesunken, ein Minus von 5,6 Prozent. Allerdings relativiert sich dieser Rückgang bei genauerem Hinsehen deutlich. Ein wesentlicher Teil der Entwicklung ist auf gesetzliche Änderungen, insbesondere im Bereich der Drogenpolitik, zurückzuführen.
Schwere Gewalt nimmt weiter zu
Während die Gesamtzahlen sinken, steigt die Intensität der Gewalt. Besonders schwere Delikte entwickeln sich gegenläufig: Fälle von Mord und Totschlag nahmen um 6,5 Prozent zu. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei Vergewaltigungen und schweren sexuellen Übergriffen aus – hier registrierten die Behörden ein Plus von 8,5 Prozent. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern bleibt auf einem besorgniserregend hohen Niveau.
Messergewalt bleibt großes Problem
Ein zentrales Thema der Statistik sind Straftaten mit Messern. Insgesamt wurden rund 29.000 Fälle erfasst – rechnerisch etwa 80 pro Tag. Besonders auffällig ist die Rolle von Messern bei schweren Gewaltdelikten: Bei Tötungsdelikten kommen sie in etwa 40 Prozent der Fälle zum Einsatz. Damit sind sie eines der häufigsten Tatmittel bei schwerster Gewalt.
Nicht-deutsche Tatverdächtige deutlich überrepräsentiert
Ein besonders kontroverser Befund betrifft die Verteilung der Tatverdächtigen. Laut der Bundeskriminalamt eingeführten Tatverdächtigenbelastungszahl sind nicht-deutsche Staatsbürger deutlich häufiger tatverdächtig als deutsche. Auf 100.000 Einwohner gerechnet liegt der Wert bei ausländischen Staatsbürgern bei 4.788, während er bei Deutschen 1.813 beträgt. Das entspricht einem Faktor von 2,64.
Auch bei Gewaltkriminalität klare Unterschiede
Bei Gewaltdelikten liegt der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger bei 42,9 Prozent. Besonders hohe Werte zeigen sich bei bestimmten Herkunftsgruppen, die statistisch deutlich stärker vertreten sind. Gleichzeitig weist die Statistik darauf hin, dass soziale Faktoren und Prägungen eine wichtige Rolle spielen können – etwa Einstellungen, die Gewalt unter bestimmten Umständen legitimieren.
Auffällige Entwicklung bei Frauen und Jugendlichen
Bemerkenswert ist auch der Blick auf Geschlechter und Altersgruppen. Nicht-deutsche Frauen erreichen in der Statistik nahezu die Werte deutscher Männer. Gleichzeitig zeigt sich bei Jugendlichen ein besorgniserregender Trend: Zwar geht die Jugendkriminalität insgesamt zurück, doch die Täter werden im Durchschnitt jünger. Bei Kindern ist die Gewaltkriminalität sogar leicht gestiegen.
Soziale und psychologische Faktoren im Fokus
Experten sehen mögliche Ursachen unter anderem in gesellschaftlichen Belastungen. Studien verweisen auf wachsende Zukunftsängste bei jungen Menschen sowie auf Einflüsse durch soziale Medien. Ein direkter Zusammenhang ist jedoch noch nicht abschließend erforscht.
Tatorte: Straße und privates Umfeld dominieren
Die Statistik zeigt zudem, wo Straftaten besonders häufig stattfinden: Knapp ein Drittel ereignet sich im öffentlichen Raum, etwa auf Straßen oder Plätzen. Rund jede fünfte Tat geschieht im privaten Umfeld – etwa in Wohnungen.
Frauen deutlich häufiger Opfer sexueller Gewalt
Ein klarer Unterschied zeigt sich auch bei den Opfern: Mehr als jede zehnte Frau gab an, innerhalb eines Jahres sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Männer sind hingegen häufiger von körperlicher Gewalt betroffen.
Weniger Straftaten, aber größere Herausforderungen
Die aktuelle Kriminalstatistik zeigt ein komplexes Bild: Während die Gesamtzahlen sinken, nehmen besonders schwere und gesellschaftlich relevante Delikte zu. Gleichzeitig werfen einzelne Entwicklungen – etwa bei Messergewalt, jungen Tätern und der Zusammensetzung der Tatverdächtigen – neue Fragen für Politik und Sicherheitsbehörden auf.


