Eine Woche nach Beginn der militärischen Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran hat der Konflikt nichts von seiner Intensität verloren. Im Gegenteil: Beide Seiten erhöhen den Druck und bereiten offenbar eine weitere Phase der militärischen Auseinandersetzung vor. Während Washington und Jerusalem ihre Angriffe ausweiten, droht Teheran weiterhin mit Gegenschlägen – und setzt dabei nach israelischen Angaben sogar international geächtete Streumunition ein.
Schwerste Bombardements seit Kriegsbeginn
In der vergangenen Nacht erlebte die iranische Hauptstadt Teheran nach Berichten von Augenzeugen die bislang heftigsten Luftangriffe seit Beginn des Krieges. Über Stunden hinweg seien Kampfflugzeuge zu hören gewesen. Ziel der Angriffe soll unter anderem der internationale Flughafen Mehrabad gewesen sein. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, dass dort Explosionen registriert worden seien.
Bereits zuvor hatte der amerikanische Finanzminister Scott Bessent im US-Fernsehen angekündigt, dass die Vereinigten Staaten ihre bisher größten Luftangriffe vorbereiten. Die militärische Offensive richtet sich nach Angaben aus Washington und Jerusalem vor allem gegen strategische Infrastruktur und militärische Kapazitäten des Iran.
Israels Generalstabschef Ejal Zamir erklärte, die Operation trete nun in eine neue Phase ein. Ziel sei es, die militärischen Fähigkeiten des iranischen Regimes systematisch zu zerstören und dessen Handlungsfähigkeit nachhaltig zu schwächen.
Irans militärische Fähigkeiten unter Druck
Nach Angaben der US-Regierung zeigen die anhaltenden Angriffe bereits deutliche Wirkung. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte, dass die iranischen Raketenangriffe innerhalb einer Woche um rund 90 Prozent zurückgegangen seien.
Auch die iranische Marine habe schwere Verluste erlitten. Laut Washington seien etwa 30 Kriegsschiffe zerstört worden, wodurch die Marine derzeit praktisch kampfunfähig sei.
Unklar bleibt jedoch die tatsächliche Stärke der iranischen Drohnenflotte. Der deutsche Militärexperte Thomas Wiegold geht davon aus, dass Iran über ein enormes Arsenal sogenannter Kamikaze-Drohnen verfügt. Die Zahl könne zwischen 10.000 und mehreren Zehntausend liegen. Diese Waffen könnten im gesamten Nahen Osten erhebliche Schäden anrichten und stellen weiterhin ein großes Risiko dar.
Hinweise auf russische Unterstützung für Teheran
Parallel dazu verdichten sich Hinweise, dass Iran militärische Unterstützung aus Russland erhält. Mehrere US-Medien berichten unter Berufung auf Geheimdienstquellen, dass Moskau dem iranischen Militär Informationen über amerikanische Streitkräfte in der Region liefert.
Demnach sollen moderne russische Satellitenbilder genutzt werden, um Teheran mit Daten über Positionen und Bewegungen von US-Truppen, Kriegsschiffen und Militärflugzeugen zu versorgen. Die Informationen würden dem Iran helfen, mögliche Angriffsziele zu identifizieren oder eigene Operationen besser zu planen.
Militärführung im Iran geschwächt – aber handlungsfähig
Trotz der intensiven Angriffe gilt die iranische Führung nach Einschätzung britischer Regierungsstellen weiterhin als funktionsfähig. Zwar seien wichtige militärische Strukturen beschädigt worden, doch das politische System des Landes könne zumindest kurzfristig weiter operieren.
Damit bleibt unklar, wie schnell die Angriffe tatsächlich zu einer strategischen Schwächung des Regimes führen könnten.
Israel wirft Iran Einsatz von Streubomben vor
Israel beschuldigt Iran unterdessen, mehrfach Streubomben eingesetzt zu haben. Der israelische Armeesprecher Nadav Shoshani erklärte, diese Munition sei in mehreren Angriffen verwendet worden. Streubomben sind international stark umstritten, weil sie zahlreiche kleine Sprengkörper freisetzen, die große Flächen treffen und häufig auch lange nach einem Angriff gefährlich bleiben.
Ein Einsatz gegen zivile Ziele würde nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen gelten.
Das iranische Regime selbst verbreitete hingegen Meldungen, dass seine Streumunition „Zerstörung über ganz Israel“ bringe. Israelische Militärquellen widersprechen dieser Darstellung jedoch. Die einzelnen Sprengladungen seien relativ klein und hätten bislang nur begrenzte Schäden verursacht.
Weder Iran noch Israel haben allerdings die internationale Konvention über Streumunition unterzeichnet, die Einsatz, Produktion und Lagerung dieser Waffen verbietet.
Vorwürfe gegen USA wegen Angriff auf Schule
Gleichzeitig geraten auch die USA wegen möglicher ziviler Opfer zunehmend unter Druck. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk fordert eine unabhängige Untersuchung eines Luftangriffs im Süden des Iran. Dort soll am ersten Kriegstag eine Mädchenschule getroffen worden sein. Nach iranischen Angaben wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet. Der US-Außenminister Marco Rubio erklärte, das Pentagon prüfe derzeit den Vorfall.
Ein Bericht der New York Times legt nahe, dass der Angriff unbeabsichtigt erfolgt sein könnte. Demnach griffen US-Streitkräfte an diesem Tag einen nahegelegenen Marinestützpunkt der iranischen Revolutionsgarden an. Satellitenbilder und Videos deuten darauf hin, dass die Schule möglicherweise versehentlich getroffen wurde.
Washington definiert „bedingungslose Kapitulation“
Während die Kämpfe weitergehen, präzisierte das Weiße Haus auch die politische Zielsetzung des Krieges. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine „bedingungslose Kapitulation“ Irans gefordert.
Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte nun, diese Bedingung sei erfüllt, wenn der Präsident zu der Einschätzung komme, dass Iran keine Bedrohung mehr für die Vereinigten Staaten darstelle und alle militärischen Ziele der Mission erreicht seien.
Ob Teheran diese Kapitulation offiziell anerkenne, spiele dabei keine entscheidende Rolle. Entscheidend sei allein, dass die strategischen Ziele Washingtons vollständig umgesetzt würden.
Damit deutet sich an, dass der Konflikt noch länger andauern könnte – denn ein Ende der militärischen Operationen ist derzeit nicht in Sicht.


