Die militärische Eskalation in der Golfregion trifft zehntausende Urlauber mit voller Wucht. Nach Angaben des Deutscher Reiseverband (DRV) sind rund 30.000 Touristen deutscher Reiseveranstalter unmittelbar betroffen. Viele von ihnen sitzen auf Kreuzfahrtschiffen fest oder stranden an Flughäfen, nachdem Flüge gestrichen wurden. Wie viele Deutsche sich insgesamt aktuell im Nahen Osten und in der Golfregion aufhalten, ist unklar.
Lufträume gesperrt – keine Rückholoption
Das Auswärtiges Amt sieht derzeit keine Möglichkeit, gestrandete Reisende auszufliegen. Grund ist die weitgehende Sperrung der Lufträume für den zivilen Flugverkehr. Evakuierungsflüge seien unter diesen Bedingungen nicht durchführbar.
Auch die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emirate arbeiten im Krisenmodus. Laut der Generalbehörde für Zivilluftfahrt wurden bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben oder gestrichen werden mussten. Flughäfen und nationale Airlines stellten Unterkünfte, Mahlzeiten und Getränke bereit. Zudem kündigten die Emirate an, sämtliche Unterbringungs- und Verpflegungskosten für gestrandete Passagiere zu übernehmen.
Reiseveranstalter im Krisenmodus
Reiseunternehmen versuchen, ihre Kunden vor Ort zu stabilisieren. Der Veranstalter Dertour hat eine eigene Krisenhotline eingerichtet – sowohl für festsitzende Urlauber in Nahost als auch für von Flugausfällen betroffene Reisende weltweit. Man stehe im engen Austausch mit Behörden, Fluggesellschaften und lokalen Koordinierungsstellen, heißt es. Der DRV mahnt jedoch dringend zur Besonnenheit: Pauschalreisende sollten in ihren gebuchten Hotels bleiben und keinesfalls eigenständig versuchen, zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu gelangen.
Regierung dämpft Erwartungen
Bundesaußenminister Johann Wadephul machte in der ARD-Sendung Caren Miosga deutlich, dass sich die Lage nicht kurzfristig entspannen dürfte. Man müsse sich darauf einstellen, dass der Konflikt länger andauere. Eine baldige Beendigung der Kampfhandlungen sei nicht absehbar.
Zugleich betonte Wadephul, sein Ministerium habe bereits seit Wochen vor Reisen in die Region gewarnt. Eine offizielle Reisewarnung wurde allerdings erst am Tag des Angriffs auf den Iran ausgesprochen. Reisende trügen auch eine Eigenverantwortung für ihre Sicherheit, so der Minister. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuvor erklärt, eine staatliche Rückholaktion sei angesichts der Vielzahl Betroffener und der gesperrten Lufträume derzeit nicht realistisch.
Scharfe Kritik aus der Opposition
Die Kritik aus der Opposition lässt nicht lange auf sich warten. Der Grünen-Politiker Omid Nouripour wirft der Bundesregierung vor, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Es sei eine staatliche Aufgabe, deutschen Staatsbürgern in einer solchen Notlage zu helfen. Nouripour fordert, Ausreisen auf dem Landweg zu noch erreichbaren Flughäfen in der Region zu organisieren. Es könne nicht sein, dass deutsche Touristen eigenständig versuchen müssten, Mietwagen zu ergattern und mit unklaren Visa-Bedingungen durch mehrere Länder zu reisen.
Registrierung über „Elefand“
Das Auswärtige Amt ruft alle Betroffenen dazu auf, sich in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ einzutragen. Über dieses System können deutsche Auslandsvertretungen im Ernstfall Kontakt aufnehmen und wichtige Informationen weitergeben. Bis Sonntagabend haben sich nach Behördenangaben bereits mehrere zehntausend Deutsche in der Region registriert.
Wie lange der Ausnahmezustand anhält, ist völlig offen. Selbst US-Präsident Donald Trump rechnet mit einem mehrwöchigen Konflikt. Für zehntausende Urlauber bedeutet das vorerst: Warten, Hoffen – und Ungewissheit.


