Ein Stromausfall, ein schweres Unwetter, ein Cyberangriff oder eine andere großflächige Krise kann den Alltag innerhalb kürzester Zeit lahmlegen. Licht, Heizung, Mobilfunk, Internet und teilweise sogar die Wasserversorgung können ausfallen. Für die Bevölkerung bedeutet das: Gewohnte staatliche Hilfe ist nicht zwangsläufig sofort verfügbar. Experten plädieren deshalb dafür, dass sich Haushalte stärker auf Krisensituationen vorbereiten. Das Ziel ist nicht, zum klassischen „Prepper“ zu werden, sondern für eine begrenzte Zeit selbstständig handlungsfähig zu bleiben.
Zehn Tage ohne Hilfe überbrücken
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, dass Haushalte möglichst zehn Tage aus eigener Kraft überstehen können. Dazu gehören vor allem ausreichend Trinkwasser und haltbare Lebensmittel, aber auch Medikamente und Hygieneartikel. Für einen Stromausfall sollten außerdem Taschenlampen, Batterien beziehungsweise geladene Akkus, Powerbanks und ein batteriebetriebenes oder anderweitig unabhängiges Radio vorhanden sein. Auch wichtige Dokumente und Daten sollten gesichert werden. Beim Wasser rechnet das BBK mit zwei Litern pro Person und Tag. Für einen Vierpersonenhaushalt summiert sich das bereits auf 80 Liter für zehn Tage – eine Menge, die vielen Menschen erst bewusst macht, wie wenig vorbereitet sie tatsächlich sind.
Deutschland verlässt sich noch zu sehr auf den Staat
Ein zentrales Problem ist nach Einschätzung von Sicherheitsexperten die Erwartung, dass staatliche Stellen im Notfall unmittelbar helfen können. Doch Feuerwehr, Rettungsdienste, Polizei und Katastrophenschutz müssen bei einer größeren Krise zunächst dort eingreifen, wo Menschen unmittelbar in Lebensgefahr sind. Wer sich selbst mit Wasser, Lebensmitteln und grundlegenden Hilfsmitteln versorgen kann, verschafft den Einsatzkräften deshalb wertvolle Zeit. Eigene Vorsorge wird damit nicht nur zum persönlichen Schutz, sondern auch zu einem Beitrag für das gesamte Gemeinwesen.
Der nächste Stromausfall kommt vielleicht unerwartet
Wie verletzlich moderne Gesellschaften sind, haben verschiedene Ereignisse der vergangenen Jahre gezeigt. Hochwasser, großflächige Stromausfälle und andere Krisen können Infrastrukturen gleichzeitig treffen. Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Systeme gleichzeitig ausfallen. Ohne Strom funktionieren vielerorts weder Internet noch Mobilfunk zuverlässig. Supermärkte können ihre Kassen nicht betreiben, Tankstellen fallen aus und elektronische Bezahlsysteme funktionieren möglicherweise nicht mehr. Eine Krise muss deshalb nicht spektakulär beginnen. Es reicht unter Umständen, wenn die alltäglichen Systeme plötzlich nicht mehr verfügbar sind.
Krisenvorsorge ist keine Frage des Geldbeutels allein
Allerdings sind die Möglichkeiten zur Vorsorge ungleich verteilt. Wer genügend Platz, Geld und Ressourcen besitzt, kann leichter Vorräte anlegen und zusätzliche Ausrüstung beschaffen. Eine Untersuchung der TU Kaiserslautern-Landau zeigt zudem, dass sich ein großer Teil der Bevölkerung bislang überhaupt nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt. Rund 59 Prozent der Befragten gaben an, bisher schlicht noch nicht darüber nachgedacht zu haben. Gerade deshalb wird eine bessere Information der Bevölkerung als entscheidend angesehen.
Andere Länder sind weiter
Mit Blick auf die Krisenvorsorge gelten insbesondere nordische und baltische Staaten sowie Polen als weiter entwickelt. Dort werde stärker darauf gesetzt, Bevölkerung und Behörden gemeinsam auf Krisen vorzubereiten. Dazu gehören nicht nur Informationskampagnen, sondern auch praktische Übungen. Die Bevölkerung soll wissen, welche Aufgaben sie im Ernstfall übernehmen kann und wo Hilfe verfügbar ist.
Deutschland will beim Bevölkerungsschutz aufholen
Auch hierzulande soll der Bevölkerungsschutz künftig stärker ausgebaut werden. Bis 2029 sind im Rahmen des sogenannten „Pakts für den Bevölkerungsschutz“ rund zehn Milliarden Euro vorgesehen. Für BBK und THW sind im Bundeshaushalt 2026 rund 1,3 Milliarden Euro eingeplant. Gleichzeitig soll das Thema Krisenvorsorge stärker in der Gesellschaft verankert werden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat unter anderem vorgeschlagen, Zivil- und Krisenschutz als festen Bestandteil in den Schulunterricht aufzunehmen.
Gemeinsam vorbereitet statt allein im Keller
Krisenvorsorge muss dabei nicht bedeuten, einen Keller mit Konserven und Ausrüstung zu füllen. Ein wichtiger Bestandteil kann die Nachbarschaftshilfe sein. Wer ältere Menschen in der Nachbarschaft kennt, weiß, wer auf Medikamente angewiesen ist oder wer bei einem Stromausfall Unterstützung benötigt, schafft ein zusätzliches Sicherheitsnetz. Das Konzept des sogenannten „solidarischen Preppens“ setzt genau dort an: Vorsorge wird zur Gemeinschaftsaufgabe.
Der Ernstfall beginnt nicht erst im Katastrophengebiet
Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Krisenvorsorge ist keine Panikmache. Sie ist eine Form von Selbstschutz.
Ein paar Tage ohne Strom, Wasser aus dem Hahn, funktionierendes Internet oder offene Geschäfte können für moderne Haushalte bereits eine erhebliche Herausforderung darstellen. Wer vorher darüber nachdenkt, braucht im Ernstfall weniger improvisieren. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob eine Krise irgendwann eintreten kann – sondern wie gut man vorbereitet ist, wenn sie tatsächlich kommt.


