Zyklon „Gezani“ verwüstet Madagaskar

Ein verheerender Wirbelsturm hat die Inselnation Madagaskar im Indischen Ozean schwer getroffen. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde sind mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, nachdem Zyklon „Gezani“ am Dienstag auf Land traf. Besonders betroffen ist die Hafenstadt Toamasina, das wirtschaftliche Zentrum an der Ostküste des Landes.

Behörden sprechen von „totalem Chaos“ im Einschlagsgebiet. Zahlreiche Häuser stürzten ein, viele Opfer wurden unter den Trümmern gefunden. Stromleitungen rissen, ganze Stadtviertel versanken in Dunkelheit. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt oder vollständig weggerissen. Der Sturm erreichte Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde – eine der stärksten gemessenen Intensitäten in der Region seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen.

250.000 Menschen betroffen oder obdachlos

Umweltminister Max Fontaine Andonirina erklärte gegenüber der BBC, bis zu 250.000 Menschen seien direkt betroffen oder vertrieben worden. Die Infrastruktur des Landes ist schwer beschädigt: Wichtige Verkehrsachsen sind unpassierbar, Versorgungswege für Lebensmittel und Treibstoff unterbrochen, medizinische Einrichtungen teils nicht erreichbar.

Eine Anwohnerin schilderte der BBC dramatische Szenen: Sechs Stunden lang hätten sie und ihre Familie in ihrem Haus ausgeharrt, während Wind und Regen unaufhörlich gegen die Mauern peitschten. Schließlich seien Fenster zerborsten, Wasser sei in die Räume geströmt. „Es ist schlimmer, als es auf den Videos aussieht“, sagte sie. Trotz der Bemühungen der Behörden fürchte sie, dass Helfer nicht ausreichen könnten.

Zweiter Zyklon binnen zehn Tagen

„Gezani“ ist bereits der zweite schwere Sturm, der Madagaskar in diesem Jahr trifft. Erst vor zehn Tagen hatte der Tropensturm „Fytia“ nach Angaben des UN-Nothilfebüros 14 Menschen getötet und mehr als 31.000 in die Flucht getrieben. Die aktuelle Katastrophe verschärft die ohnehin angespannte Lage dramatisch.

Der Militärmachthaber des Landes, Oberst Michael Randrianirina, der im Oktober die Macht übernommen hatte, sprach von einer nationalen Tragödie. Rund 75 Prozent von Toamasina seien zerstört worden. „Diese Situation übersteigt die Möglichkeiten Madagaskars“, sagte er und bat die internationale Gemeinschaft eindringlich um Unterstützung.

Jahrzehntelanger Wiederaufbau droht

Hilfsorganisationen wie Action Against Hunger berichten, dass bis zu 90 Prozent der Dächer in Toamasina ganz oder teilweise zerstört wurden. Das Nationale Amt für Risiko- und Katastrophenmanagement hat Dutzende Verletzte sowie Hunderte Bewohner aus besonders gefährdeten Bezirken evakuiert.

Experten warnen vor langfristigen Folgen. Bereits in den vergangenen drei Jahren hatten mehrere schwere Zyklone Teile Madagaskars verwüstet – viele Regionen seien bis heute nicht vollständig wiederaufgebaut. Der Umweltminister sprach von einem Wiederaufbau, der „viele, viele Jahre“ dauern werde.

Sturm zieht Richtung Mosambik

Inzwischen wurde „Gezani“ zu einem Tropensturm herabgestuft und bewegt sich nordwestwärts durch den Mosambik-Kanal. Das meteorologische Institut von Mosambik erwartet zwar keinen direkten Landfall, warnt jedoch vor heftigen Regenfällen und starken Winden im Landesinneren. Mosambik kämpft bereits seit Monaten mit extremen Wetterereignissen, Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Hilfsorganisationen wie Oxfam warnen vor einer weiteren humanitären Verschärfung – ein „Desaster auf ein Desaster“.

Die Zyklonsaison im südwestlichen Indischen Ozean dauert üblicherweise von November bis April. Doch die Intensität und Häufung schwerer Stürme stellen das ohnehin fragile Land zunehmend vor existentielle Herausforderungen.

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