Im US-Bundesstaat Washington hat sich die Waldbrandlage rund um die Stadt Spokane dramatisch zugespitzt. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, nachdem sich mehrere Feuer bei trockener Witterung und kräftigen Winden rasch ausgebreitet hatten. Nach aktuellen Angaben wurden rund 60.000 Menschen zur Evakuierung aufgefordert. Mindestens 600 Gebäude wurden bereits zerstört. Betroffen sind Wohnhäuser, Geschäfte und weitere Gebäude. Das tatsächliche Ausmaß der Schäden dürfte allerdings erst feststehen, wenn Einsatzkräfte die betroffenen Gebiete wieder gefahrlos betreten können. Verletzte oder Todesopfer wurden im Großraum Spokane bislang nicht gemeldet.
Gouverneur ruft den Notstand aus
Angesichts der eskalierenden Situation rief Washingtons Gouverneur Bob Ferguson den Notstand für den Bundesstaat aus. Damit soll die Bewältigung der Katastrophe beschleunigt und zusätzliche Unterstützung mobilisiert werden. Ferguson ersuchte zudem um Unterstützung durch die Bundesbehörden. Die Lage ist inzwischen so angespannt, dass Feuerwehren und Katastrophenschützer auf zusätzliche Kräfte und Ressourcen angewiesen sind. Auch aus Kalifornien wurden Einsatzkräfte zur Unterstützung in die Region entsandt. Für die Bevölkerung bedeutet die Notstandserklärung vor allem eines: Die Evakuierungsmaßnahmen werden mit hoher Priorität fortgesetzt, während die Einsatzleitungen versuchen, die Feuer von dicht besiedelten Gebieten fernzuhalten.
Drei Feuer bilden gefährlichen Brandkomplex
Besonders betroffen ist das Gebiet um Spokane. Dort kämpfen Einsatzkräfte gegen mehrere große Brände, die inzwischen gemeinsam als Spokane Area Fire beziehungsweise Spokane-Komplex betrachtet werden. Zu den wichtigsten Brandherden zählen das Old Trails Fire, das Fairview Fire und das Meadowview beziehungsweise Autumn Lane Fire. Zusammen haben die Feuer bereits eine Fläche von mehr als 21 Quadratkilometern erfasst. Die Flammen sind weiterhin nicht vollständig unter Kontrolle. Besonders problematisch ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Feuer unter ungünstigen Wetterbedingungen ausbreiten können. Trockene Vegetation liefert den Flammen reichlich Brennmaterial, während kräftige Winde die Glut und Funken über größere Entfernungen tragen können.
Wind macht die Brandbekämpfung zum Wettlauf gegen die Zeit
Für die Feuerwehr ist die Wetterentwicklung derzeit ein entscheidender Faktor. Meteorologen erwarten kräftige Windböen, die die Ausbreitung der Feuer weiter beschleunigen können. Der Nationale Wetterdienst warnte vor einer besonders gefährlichen Waldbrandsituation. Damit verschärft sich ein ohnehin schwieriger Einsatz. Die Feuerwehr muss nicht nur die eigentlichen Flammen bekämpfen, sondern gleichzeitig verhindern, dass neue Brandherde entstehen. Gerade durch vom Wind getragene Glut können Feuerwehren dabei weit vor der eigentlichen Feuerfront überrascht werden. Die Topografie der Region erschwert die Arbeiten zusätzlich. Einsatzkräfte müssen deshalb immer wieder ihre Taktik an die Entwicklung der Feuer anpassen.
Spokane wird zur Zuflucht für Evakuierte
Für die Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, wurden Notunterkünfte eingerichtet. Das Kongresszentrum von Spokane dient als zentrale Anlaufstelle für zahlreiche Betroffene. Dort wurden bereits Hunderte Menschen untergebracht. Die Evakuierungen betreffen dabei nicht nur Wohngebiete. Auch Einrichtungen des Gesundheitswesens sind betroffen. Nach Angaben der Associated Press mussten unter anderem Patienten eines Krankenhauses für Veteranen in Sicherheit gebracht werden. Parallel zu den Evakuierungen kämpfen die Behörden mit den Folgen von Stromausfällen. Rund 10.000 Kunden waren zeitweise ohne Elektrizität. Beschädigte Infrastruktur und die Gefahr weiterer Feuer erschweren die Wiederherstellung der Versorgung.
Keine Entwarnung trotz erster Fortschritte
Auch wenn einzelne Brandabschnitte zeitweise stabilisiert werden konnten, besteht nach Einschätzung der Einsatzleitungen weiterhin erhebliche Gefahr. Vor allem der weiterhin aktive Brandabschnitt kann bei auffrischendem Wind erneut stark an Fahrt aufnehmen. Eine Rückkehr in evakuierte Gebiete ist deshalb vielerorts noch nicht möglich. Einsatzkräfte müssen zunächst sicherstellen, dass Straßen passierbar sind, keine akute Brandgefahr mehr besteht und die Infrastruktur ausreichend überprüft werden kann. Die Behörden warnen zudem vor der schlechten Luftqualität. Der Rauch der großflächigen Brände belastet die Bevölkerung weit über die unmittelbaren Brandgebiete hinaus.
Waldbrände auch in Idaho und Oregon
Die Situation beschränkt sich nicht auf Washington. Auch in den benachbarten Bundesstaaten Idaho und Oregon kämpfen Feuerwehrleute gegen großflächige Vegetationsbrände. Dort hat ein weiterer Brand bereits eine Fläche von mehr als 1.360 Quadratkilometern Grasland erfasst. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind betroffen. Mehr als 600 Wohnhäuser und rund 800 weitere Gebäude sollen durch die Flammen bedroht sein. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte ein Blitzschlag den Brand ausgelöst haben. Die Einsatzkräfte kämpfen dort bereits seit mehreren Tagen gegen die Ausbreitung. Bulldozer und Hubschrauber werden eingesetzt, um Schneisen anzulegen und die Flammen aus der Luft zu bekämpfen.
Feuerwehrkräfte aus anderen Bundesstaaten im Einsatz
Die Dimension der Brände macht inzwischen Unterstützung über die Grenzen Washingtons hinaus notwendig. Einsatzkräfte aus Kalifornien wurden zur Verstärkung in die Region geschickt. Das zeigt, wie stark die Feuerwehren im Westen der USA derzeit gefordert sind. Dabei ist die Belastung der Einsatzkräfte erheblich. Die Bekämpfung großer Vegetationsbrände erstreckt sich häufig über Tage oder sogar Wochen. Gleichzeitig müssen die Behörden weitere Brände im gesamten Westen der Vereinigten Staaten im Blick behalten.
Stromversorgung und Infrastruktur unter Druck
Neben der unmittelbaren Gefahr für Menschen und Gebäude entwickeln sich die Brände zunehmend zu einem Infrastrukturproblem. Stromleitungen, Verkehrswege und andere Versorgungseinrichtungen liegen teilweise in den betroffenen Gebieten. Stromausfälle können dabei eine zusätzliche Belastung für Evakuierte und Rettungskräfte darstellen. Gleichzeitig müssen Versorgungsunternehmen beschädigte Leitungen reparieren, ohne ihre Mitarbeiter unnötig in gefährdete Gebiete zu schicken. Damit zeigt sich einmal mehr, dass großflächige Waldbrände längst nicht mehr ausschließlich ein Problem der Forst- und Feuerwehrbehörden sind. Sie können innerhalb weniger Stunden das öffentliche Leben einer ganzen Region beeinträchtigen.
Spokane erlebt eine Katastrophe historischen Ausmaßes
Für Spokane und die umliegenden Gemeinden hat der aktuelle Brandkomplex eine außergewöhnliche Dimension erreicht. Die Zahl der zerstörten Gebäude, die enorme Zahl der Evakuierten und die weiterhin unsichere Wetterentwicklung machen den Einsatz zu einer der schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre in der Region. Wie hoch die Schäden tatsächlich ausfallen werden, ist derzeit noch nicht absehbar. Sicher ist jedoch bereits jetzt: Für viele Menschen wird die Rückkehr nach der Evakuierung nicht einfach eine Rückkehr in den Alltag sein. Hunderte Familien haben möglicherweise ihr Zuhause verloren.
Entscheidend sind deshalb die kommenden Tage. Bleibt der Wind stark, könnte sich die Lage erneut verschärfen. Dreht das Wetter hingegen zugunsten der Einsatzkräfte, könnte es gelingen, die Brandfronten schrittweise einzudämmen.
Noch aber ist von Entwarnung keine Rede.


