In Indonesien eskaliert die Waldbrandsituation. Vor allem auf der Insel Borneo haben sich die Feuer großflächig ausgebreitet. Besonders betroffen ist die Region Kalimantan. Auch auf Sumatra brennen Flächen. Nach offiziellen Angaben sind inzwischen mehr als 200.000 Hektar Wald und Land den Flammen zum Opfer gefallen. Die Brände sind weiterhin nicht unter Kontrolle. Indonesische Einsatzkräfte werden bei der Bekämpfung der Feuer inzwischen auch von der Armee unterstützt.
Feuer frisst sich unterirdisch durch die Torfböden
Besonders problematisch sind die ausgedehnten Moor- und Torfgebiete. Dort spielt sich ein Teil der Katastrophe unter der Oberfläche ab. Die Flammen können tief in den trockenen Torfboden eindringen und sich dort weiter ausbreiten. Das erschwert die Löscharbeiten erheblich. Selbst wenn an der Oberfläche kaum noch Feuer zu sehen ist, können sich darunter weiterhin Glutnester befinden. Die Einsatzkräfte versuchen deshalb, das Feuer mit speziellen Methoden und Wasserleitungen auch unter der Erdoberfläche zu bekämpfen.
Brandrodung offenbar Auslöser der Feuer
Die Behörden vermuten als wesentliche Ursache außer Kontrolle geratene Brandrodungen. Feuer werden in Indonesien unter anderem eingesetzt, um Flächen für landwirtschaftliche Nutzung freizumachen. Dabei geht es auch um die Expansion von Palmölplantagen, die Papierindustrie und die Erschließung von Flächen für den Abbau beziehungsweise die Gewinnung strategisch wichtiger Rohstoffe. Unter trockenen Bedingungen können solche Feuer schnell außer Kontrolle geraten.
Trockenheit verschärft die Lage
Die Brände treffen auf eine ausgeprägte Trockenperiode. Allein im Juli sollen nach Angaben der indonesischen Regierung fast 95.000 Hektar Wald und Land in Kalimantan und auf Sumatra gebrannt haben. Die Kombination aus ausgetrockneten Böden, Vegetation und Torfschichten schafft ideale Bedingungen für eine weitere Ausbreitung der Feuer. Gleichzeitig werden die Löscharbeiten durch die enorme Ausdehnung der betroffenen Gebiete erschwert.
Lebensraum der Orang-Utans in Gefahr
Besonders dramatisch ist die Situation auf Borneo aus ökologischer Sicht. Die Insel gehört zu den letzten großen natürlichen Lebensräumen der Orang-Utans. Die Zerstörung von Waldflächen bedeutet für die Tiere nicht nur den Verlust einzelner Rückzugsorte. Mit jedem verbrannten Waldstück verschwinden Nahrungsquellen und zusammenhängende Lebensräume. Feuer und Rauch können zudem Tiere aus ihren angestammten Gebieten vertreiben. Damit trifft die aktuelle Brandkatastrophe eine Region, die bereits seit Jahren unter dem Verlust ihrer ursprünglichen Waldflächen leidet.
Regen aus der Luft soll Feuer eindämmen
Indonesien setzt inzwischen auch auf ungewöhnliche Maßnahmen. Einsatzkräfte versuchen, durch das Einbringen von Chemikalien in Wolken künstlichen Regen auszulösen. Dadurch soll zusätzlicher Niederschlag entstehen und die Brandbekämpfung unterstützt werden. Ob diese Maßnahmen angesichts der Größe und Vielzahl der Brandherde ausreichen, bleibt abzuwarten.
Ein wiederkehrendes Problem
Die aktuelle Situation zeigt erneut, wie verwundbar Indonesiens tropische Wald- und Moorlandschaften während längerer Trockenperioden sind. Wo Feuer zur Flächenräumung eingesetzt werden, kann aus einer kontrollierten Brandrodung binnen kurzer Zeit eine unkontrollierbare Katastrophe entstehen. Der außergewöhnlich starke El Niño in diesem Jahr verschärft die Ausgangslage zusätzlich. Das Klimaphänomen führt in Indonesien und anderen Teilen Südostasiens zu trockeneren Bedingungen und kann dadurch die Gefahr großflächiger Waldbrände erhöhen.
Borneo brennt – und die Folgen reichen weit
Noch ist nicht absehbar, wann die Feuer vollständig unter Kontrolle gebracht werden können. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass die Schäden erheblich sind. Mehr als 200.000 Hektar verbrannte Fläche, zerstörte Lebensräume und schwer kontrollierbare Torfbrände machen deutlich, dass Indonesien vor einer enormen Herausforderung steht. Besonders bitter: Ein Teil der Brände dürfte nicht allein eine Folge extremer Trockenheit sein, sondern steht nach Einschätzung der Behörden im Zusammenhang mit menschlichen Eingriffen in die Landschaft. Auf Borneo entscheidet sich damit derzeit nicht nur, wie viele Hektar Wald gerettet werden können. Es geht auch um einen der letzten großen Lebensräume des Orang-Utans.


