Starkes Erdbeben erschüttert Atacama

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,8 hat am Montagabend den Norden Chiles erschüttert und weite Teile der Atacama-Region in Alarm versetzt. Das Beben ereignete sich nach internationalen Messdaten um 17:52 Uhr Ortszeit in der Region Antofagasta – einer der wichtigsten Bergbauzonen des Landes. Das Epizentrum lag nahe der Bergbaustadt Calama, etwa 25 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt und rund 212 Kilometer nordöstlich von Antofagasta. Das Hypozentrum befand sich in etwa 103 Kilometern Tiefe. Trotz der hohen Stärke blieben größere Zerstörungen offenbar aus. Experten führen das vor allem auf die außergewöhnlich große Tiefe des Bebens zurück.

Erschütterungen waren über Hunderte Kilometer spürbar

Zahlreiche Menschen berichteten von langen und deutlich wahrnehmbaren Erschütterungen. Besonders in Calama, aber auch in Antofagasta, Iquique und sogar in Teilen Nordargentiniens wurde das Beben gespürt. Augenzeugen beschrieben ein ungewöhnlich langes Rollen und wellenartige Bewegungen von Gebäuden und Möbeln. Viele Bewohner meldeten schwankende Häuser, klirrende Gegenstände und vibrierende Böden. Typisch für tiefe Erdbeben war dabei weniger ein harter Stoß als vielmehr ein lang anhaltendes Schwingen.

Strom- und Wasserausfälle nach dem Erdbeben

Auch wenn schwere Schäden bislang nicht bekannt wurden, kam es regional zu spürbaren Einschränkungen. Zeitweise fiel in einigen Gebieten die Strom- und Wasserversorgung aus. Mehrere Bergbauanlagen rund um Calama stoppten den Betrieb vorsorglich aus Sicherheitsgründen. Die Region gehört zu den wichtigsten Kupferabbaugebieten weltweit, weshalb selbst kurze Unterbrechungen wirtschaftliche Bedeutung haben. Da das Epizentrum im Landesinneren lag und das Beben sehr tief entstand, wurde kein Tsunami-Alarm ausgelöst.

Videos zeigen schwankende Gebäude und Chaos in Geschäften

In sozialen Netzwerken verbreiteten sich kurz nach dem Erdbeben zahlreiche Aufnahmen aus der Region. Videos zeigen deutlich schwankende Gebäude, zitternde Innenräume und aus Supermarktregalen gefallene Waren. Überwachungskameras zeichneten die teils minutenlangen Erschütterungen auf. Viele Nutzer beschrieben das Beben als ungewöhnlich intensiv und langanhaltend. Die Angst vor stärkeren Nachbeben sorgte vielerorts für Verunsicherung unter der Bevölkerung.

Auffällige Erdbebenserie beschäftigt Seismologen

Besonders aufmerksam beobachten Experten derzeit die seismische Aktivität in der Region. Bereits in den Tagen vor dem Hauptbeben registrierten Messstationen zahlreiche weitere Erdstöße in Tiefen zwischen 100 und 140 Kilometern. Nach dem Hauptbeben setzte zudem eine intensive Nachbebensequenz ein. Dutzende weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 2,5 und 4,8 wurden registriert. Auffällig ist dabei vor allem die große Tiefe der Beben. Klassische flache Nachbeben nahe der Erdoberfläche blieben bislang weitgehend aus. Solche tiefen Schwarmbeben gelten als eher ungewöhnlich.

Ursache liegt tief unter der Erdoberfläche

Tektonisch steht das Beben wahrscheinlich mit der sogenannten Subduktion der Nazca-Platte unter die südamerikanische Kontinentalplatte in Verbindung. Vor der Küste Chiles schiebt sich die ozeanische Nazca-Platte kontinuierlich unter Südamerika. Dabei entstehen enorme Spannungen im Untergrund, die regelmäßig starke Erdbeben verursachen. Das aktuelle Beben dürfte innerhalb der absinkenden Nazca-Platte selbst entstanden sein – tief im Erdinneren. Solche tiefen Erdbeben können riesige Gebiete erschüttern, verursachen an der Oberfläche aber häufig weniger Schäden als flachere Ereignisse gleicher Stärke.

Sorge um Vulkan Lascar wächst

Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt nun dem Vulkan Lascar, einem der aktivsten Vulkane Nordchiles. Der Vulkan liegt nur rund 110 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Bereits kurz vor dem Erdbeben wurde dort eine schwache thermische Anomalie registriert. Wissenschaftler beobachten deshalb genau, ob das starke Beben Auswirkungen auf die vulkanische Aktivität haben könnte. Besonders brisant: Der Lascar reagierte bereits Ende 2022 auf ein deutlich schwächeres Erdbeben mit einem Ausbruch. Ob das aktuelle Ereignis ebenfalls vulkanische Prozesse beeinflusst, ist derzeit noch unklar.

Chile bleibt eines der aktivsten Erdbebengebiete der Welt

Chile zählt aufgrund seiner geologischen Lage am Pazifischen Feuerring zu den erdbebenreichsten Regionen weltweit. Immer wieder kommt es dort zu schweren Erdstößen und vulkanischer Aktivität. Das aktuelle Beben zeigt erneut, wie dynamisch die tektonischen Prozesse entlang der südamerikanischen Westküste sind. Obwohl größere Schäden diesmal ausblieben, beobachten Experten die Region weiterhin mit großer Aufmerksamkeit. Vor allem die ungewöhnliche Kombination aus tiefen Schwarmbeben, starker Magnitude und möglicher vulkanischer Reaktion macht das Ereignis für Geologen besonders interessant.

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