Ein massiver Wintersturm hat weite Teile der USA fest im Griff und das öffentliche Leben in vielen Regionen nahezu lahmgelegt. Schneemassen, Eisregen und extreme Kälte sorgen von den Südstaaten über den Mittleren Westen bis zur Ostküste für Chaos. Nach Angaben des US-Wetterdienstes gelten für rund 90 Millionen Menschen weiterhin Warnungen vor lebensgefährlicher Kälte.
Die Folgen sind dramatisch: Mindestens elf bis 13 Menschen kamen seit dem Wochenende ums Leben, wie US-Medien unter Berufung auf Behörden berichten. Die genaue Zahl schwankt, da nicht in allen Fällen eindeutig geklärt ist, ob das Wetter direkt todesursächlich war. In New York wurden am Wochenende fünf Menschen tot im Freien gefunden. Bürgermeister Zohran Mamdani geht davon aus, dass sie erfroren sind, eine offizielle Todesursache steht jedoch noch aus. Weitere Todesfälle durch mutmaßliche Unterkühlung wurden aus Kansas, Michigan, Texas und Louisiana gemeldet.
Mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung ist von den Auswirkungen des Sturms betroffen. In zahlreichen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen, um schneller Hilfsmaßnahmen einleiten zu können. Behörden auf Bundes- und Landesebene appellieren eindringlich an die Bevölkerung, möglichst zu Hause zu bleiben.
Besonders hart trifft es die südlichen Bundesstaaten, die auf Schnee und Eis kaum vorbereitet sind. In Texas und Tennessee führten Glätte und Eisregen zu schweren Verkehrsunfällen und Massenkarambolagen auf Fernstraßen. Mindestens zwei Menschen kamen dabei ums Leben. Viele Straßen sind unpassierbar, der Verkehr kam zeitweise vollständig zum Erliegen.
Parallel dazu kämpft das Land mit massiven Stromausfällen. In der Nacht zum Montag waren laut dem Portal poweroutage.us noch mehr als 820.000 Haushalte im Süden und an der Ostküste ohne Elektrizität. Die Ursache: vereiste, meist oberirdische Stromleitungen und umstürzende Bäume. Meteorologen warnen zudem vor weiteren Schäden, da unzureichend beheizte Wasserleitungen in der Kälte platzen könnten.
Auch der Reiseverkehr ist stark beeinträchtigt. Tausende Flüge wurden bereits am Wochenende gestrichen. Flughäfen gleichen teils Geisterstädten – besonders eindrücklich zeigt sich das am Reagan National Airport in Washington. Geschlossene Schalter, parkende Flugzeuge und leere Terminals prägen das Bild in der US-Hauptstadt. Viele Schulen bleiben geschlossen, Bundesbehörden haben ihre Büros vorübergehend dichtgemacht.
Sogar der Profisport ist betroffen: Die NBA sagte mehrere Spiele ab, weil Mannschaften wetterbedingt nicht anreisen konnten.
Trotz der angespannten Lage blitzen vereinzelt auch Momente der Normalität und sogar der Freude auf. In Washington rodelten Kinder die verschneiten Hänge nahe des Kapitols hinunter, Passanten schnallten sich Skier an. In New York nutzten Menschen den ungewohnt freien Times Square für Spaziergänge, während der Central Park mit bis zu 30 Zentimetern Schnee zum Winterparadies wurde – so viel wie seit Beginn der Messungen nicht mehr.
Der Wintersturm erinnert vielerorts an die stillen Tage der Corona-Pandemie: leere Straßen, heruntergefahrenes öffentliches Leben, Menschen in ihren Wohnungen.
Entspannung ist jedoch nicht in Sicht. Der US-Wetterdienst warnt weiterhin vor neuem Schneefall, insbesondere im Nordosten. Der Sturm soll sich zwar langsam Richtung Atlantik verlagern, doch die Kälte bleibt.
Auch Kanada ist betroffen. In Toronto rechnet man mit weiteren Schneemengen von bis zu 60 Zentimetern. Schulen und Universitäten blieben vorsorglich geschlossen, die Stadt rief die Bevölkerung auf, das Haus nur im Notfall zu verlassen. Bereits am Wochenende waren am Flughafen Toronto über 60 Prozent der Flüge gestrichen worden.


