Krätze wieder auf dem Vormarsch

Eine Infektionskrankheit, die bereits in der Antike beschrieben wurde, breitet sich in Deutschland erneut deutlich aus: Krätze – medizinisch Skabies – sorgt bundesweit für steigende Fallzahlen. Auch in Niedersachsen berichten Gesundheitsbehörden und Medien immer wieder von kleineren Ausbrüchen, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Heimen oder Unterkünften.

Verursacht wird die Erkrankung durch die winzige Skabies-Milbe, ein Spinnentier, das sich in die oberste Hautschicht eingräbt. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt, sind die Parasiten mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Symptome treten oft erst vier bis sechs Wochen nach der Ansteckung auf – ausgelöst durch die Immunreaktion auf Eier und Ausscheidungen der Milben.

Nächtlicher Juckreiz als Warnsignal

Typisch für Skabies sind brennende Haut, stark ausgeprägter Juckreiz – besonders in der Nacht – sowie kleine Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln. Befallen sind vor allem die Finger- und Zehenzwischenräume, Handgelenke, Knöchel, Achseln, Ellenbogen, Brustwarzen und der Genitalbereich. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Kopf und Gesicht betroffen sein.

Die Übertragung erfolgt in der Regel durch längeren, direkten Hautkontakt. Deshalb breitet sich die Krankheit besonders dort aus, wo Menschen eng zusammenleben – in Familien, Wohngruppen, Pflegeheimen oder Gemeinschaftsunterkünften.

Dramatischer Anstieg der Diagnosen

Da für Skabies keine umfassende Meldepflicht besteht, stützt sich die Datenauswertung auf Abrechnungszahlen gesetzlich Versicherter. Laut RKI wurden 2018 bundesweit über 380.000 Patientinnen und Patienten mit Skabies diagnostiziert. Das entspricht einer Inzidenz von 525 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Besonders alarmierend: Seit 2009 haben sich die Diagnosen etwa verneunfacht. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen war der Anstieg noch drastischer – hier wurde Skabies 2018 mehr als elfmal so häufig festgestellt wie noch neun Jahre zuvor.

Auch die Zahl der Krankenhausbehandlungen steigt. 2023 wurden bundesweit 7.094 Fälle mit Skabies als Hauptdiagnose stationär behandelt. Trotz Pandemie blieb das Niveau hoch. Ähnliche Entwicklungen werden auch aus anderen EU-Staaten gemeldet.

Gefährdete Gruppen: Heime, Familien, Pflege

Besonders betroffen sind enge Kontaktpersonen wie Familienmitglieder, Partner oder enge Freunde. In Gemeinschaftseinrichtungen können sich Betreuer und Pflegekräfte ebenfalls anstecken.

Eine zunehmend relevante Gruppe sind ältere Menschen – vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Mehrfacherkrankungen und geschwächte Immunabwehr begünstigen dort die Ausbreitung.

Behandlung erfordert Konsequenz

Die Therapie zielt darauf ab, Milben, Larven und Eier konsequent abzutöten. Dafür kommen spezielle Cremes oder Lotionen zum Einsatz, die auf die gesamte Haut aufgetragen werden. Zusätzlich werden Symptome wie starker Juckreiz behandelt. Wichtig ist zudem die Mitbehandlung enger Kontaktpersonen, um eine erneute Ansteckung zu verhindern.

Gesundheitsexperten mahnen zur Wachsamkeit: Krätze ist behandelbar, aber hochansteckend – und sie ist längst kein Relikt vergangener Jahrhunderte mehr.

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