Island hat im Juli ein ungewöhnlich gegensätzliches Wetterbild erlebt. Während Reykjavík so viel Regen wie seit Jahrzehnten nicht mehr verzeichnete, blieben Teile des Nordostens und Ostens des Landes außergewöhnlich trocken. Die regionalen Unterschiede zeigen, wie stark sich Wetterlagen innerhalb Islands unterscheiden können. Der Juli 2026 war für Reykjavík ein außergewöhnlich regenreicher Monat. In der isländischen Hauptstadt fiel etwa doppelt so viel Niederschlag wie im langjährigen Vergleichszeitraum 1991 bis 2020. Damit war es der nasseste Juli in Reykjavík seit mehr als 40 Jahren. Noch größere Niederschlagsmengen wurden in der Hauptstadt seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen lediglich in vier Juli-Monaten registriert. Zuletzt war 1984 ein noch deutlich regenreicherer Juli gemessen worden.
Auch die Zahl der Regentage lag deutlich über dem Durchschnitt. An 16 Tagen fielen in Reykjavík mindestens ein Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das waren sechs Regentage mehr als im langjährigen Mittel.
Im Osten herrschte dagegen fast Dürre
Während der Westen und Südwesten Islands unter ungewöhnlich viel Regen litten, zeigte sich im Osten des Landes ein völlig anderes Bild. In Akureyri wurden im gesamten Juli lediglich 8,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter registriert. Das entspricht gerade einmal einem Viertel des üblichen Wertes. Einen noch trockeneren Juli hatte die Stadt zuletzt im Jahr 1929 erlebt. Noch extremer war die Situation in Dalatangi im Osten Islands. Dort kamen lediglich 5,3 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zusammen – nur rund fünf Prozent des langjährigen Durchschnitts. Für den Messstandort war dies der trockenste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen.
Extreme Unterschiede auf engem Raum
Besonders bemerkenswert ist der Gegensatz bei der Zahl der Regentage. Während Reykjavík an 16 Tagen mindestens einen Liter Niederschlag registrierte, waren es in Akureyri lediglich zwei Tage. In Dalatangi wurde diese Niederschlagsmenge sogar nur an einem einzigen Tag erreicht. Normalerweise kommt der Messstandort im Juli auf durchschnittlich zehn Tage mit mindestens einem Liter Niederschlag. Damit lagen im Juli 2026 auf derselben Insel zwei nahezu gegensätzliche Wetterwelten nebeneinander: außergewöhnlich viel Regen im Westen und teilweise extreme Trockenheit im Osten.
Keine flächendeckende Dürre in Island
Die Daten zeigen zugleich, warum die Bezeichnung einer landesweiten Dürre für Island nicht zutreffend wäre. Die Niederschlagsverteilung war vielmehr ausgesprochen ungleichmäßig. Während einzelne Regionen mit überdurchschnittlichen Regenmengen zu kämpfen hatten, blieben andere Gebiete weitgehend trocken. Für die Bewertung der Wetter- und Wasserlage ist deshalb ein Blick auf einzelne Regionen wesentlich aussagekräftiger als ein landesweiter Durchschnitt. Auch die aktuellen Prognosen des isländischen Wetterdienstes zeigen für den 4. August weiterhin regionale Unterschiede. Für Teile des Westens und des Landesinneren werden einzelne Regenschauer erwartet, während andere Landesteile überwiegend trocken bleiben sollen.
Auffälliges Wetterbild in einem ohnehin wechselhaften Land
Island ist aufgrund seiner Lage im Nordatlantik grundsätzlich für schnelle Wetterwechsel und deutliche regionale Unterschiede bekannt. Die aktuellen Juli-Daten stechen jedoch durch die Extreme hervor. Der Gegensatz zwischen Rekordregen in Reykjavík und außergewöhnlicher Trockenheit im Osten macht deutlich, dass selbst innerhalb eines relativ kleinen Landes völlig unterschiedliche Wetterlagen gleichzeitig auftreten können. Für die Landwirtschaft, Wasserversorgung und Natur können solche Unterschiede erhebliche Auswirkungen haben. Während starke Niederschläge lokal zu Problemen durch aufgeweichte Böden oder hohen Wasserabfluss führen können, verschärft anhaltende Trockenheit in anderen Regionen den Wasserstress.
Wetterextreme bleiben im Blick
Der Juli 2026 liefert damit ein ungewöhnliches Beispiel für die zunehmende Bedeutung regionaler Wetteranalysen. Ein landesweiter Durchschnitt kann extreme Unterschiede leicht verdecken.
Für Island gilt deshalb: Regenrekorde im Westen bedeuten nicht automatisch eine nasse Wetterlage im gesamten Land. Gleichzeitig kann außergewöhnliche Trockenheit in einzelnen Regionen bestehen, obwohl andere Landesteile deutlich mehr Niederschlag als üblich erhalten. Die aktuellen Messwerte sind damit weniger ein Beleg für eine einheitliche Wetterlage als vielmehr für die ungewöhnlich starke regionale Spannweite der Niederschläge.


