Hunderte Touristen in Nepal vermisst

Eine schwere Sturzflut hat im Norden Nepals eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Entlang des Flusses Bhotekoshi wurden ganze Ortschaften von Wasser, Schlamm und Geröll getroffen. Mindestens neun Menschen kamen ums Leben, Hunderte weitere werden vermisst. Unter ihnen befinden sich auch zahlreiche ausländische Reisende. Besonders dramatisch ist die Lage für Reisende in der Grenzregion zu Tibet. Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde werden 384 Menschen vermisst, darunter 291 Ausländer. Unter den ausländischen Vermissten befinden sich unter anderem 105 indische Staatsangehörige. Auch acht Südkoreaner, die an einem Wasserkraftwerk arbeiteten, gelten als vermisst.

Die Behörden gehen davon aus, dass sich die Zahl der Opfer noch verändern könnte. Rettungskräfte suchen weiterhin nach Vermissten.

Dörfer von Wassermassen weggerissen

Die Flut traf insbesondere den nepalesischen Distrikt Rasuwa. Entlang des Bhotekoshi wurden Häuser, Fahrzeuge und Teile der Infrastruktur zerstört oder schwer beschädigt. Auch Straßen und Brücken sind betroffen, was die Rettungsarbeiten erheblich erschwert. Aufnahmen aus der Region zeigen gewaltige braune Wassermassen, die durch die Täler strömen. An einigen Stellen sind nur noch Teile von Gebäuden sichtbar, während Schlamm und Geröll große Flächen bedecken.

Ursache der Katastrophe noch nicht abschließend geklärt

Was die Sturzflut ausgelöst hat, ist noch Gegenstand der Untersuchungen. Fachleute halten unter anderem einen Eis- und Geröllabgang beziehungsweise einen Gletscherseeausbruch für möglich. Reuters berichtet zudem von einem möglichen Zusammenhang mit einem Erdrutsch nach einem Erdbeben. Die Gefahr ist damit noch nicht vollständig gebannt. Durch mögliche Blockaden von Flussläufen können sich weitere Wassermassen aufstauen und anschließend erneut schlagartig talwärts bewegen.

Armee und Sicherheitskräfte im Rettungseinsatz

Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte an. Die Behörden warnten zugleich die flussabwärts gelegenen Gebiete vor weiteren Gefahren. Die Rettungsarbeiten werden durch zerstörte Verkehrswege und die schwierigen Bedingungen im Hochgebirge erschwert. Auch zahlreiche Polizisten werden in den betroffenen Gebieten vermisst.

Auch Tibet schwer getroffen

Die Katastrophe beschränkt sich nicht auf Nepal. Auf der chinesischen Seite der Grenze wurden ebenfalls schwere Schäden gemeldet. Am Grenzübergang Gyirong führte ein Erdrutsch zu zahlreichen Opfern und Vermissten. China entsandte nach eigenen Angaben umfangreiche Rettungskräfte in die betroffene Region. Die Ereignisse zeigen das hohe Gefahrenpotenzial im Himalaya. In der abgelegenen Gebirgsregion können extreme Naturereignisse innerhalb kürzester Zeit ganze Täler von der Außenwelt abschneiden.

Suche nach Vermissten läuft

Während Einsatzkräfte weiterhin nach Verschütteten und Vermissten suchen, ist das gesamte Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Die Zahl der bestätigten Todesopfer könnte weiter steigen. Für Nepal stellt die Sturzflut eine massive Herausforderung dar. Neben der Suche nach Menschen müssen zerstörte Verkehrsverbindungen wiederhergestellt und weitere Überschwemmungen verhindert werden. Im Himalaya läuft damit ein Wettlauf gegen die Zeit – während weiterhin Hunderte Menschen vermisst werden.

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