Die Geflügelpestwelle in Deutschland verschärft sich weiter. Im thüringischen Kyffhäuserkreis hat nach dem Nachweis des hochansteckenden Virus H5N1 die Tötung von 10.500 Puten begonnen. Es handelt sich um den bislang größten Ausbruch in Thüringen seit Beginn der aktuellen Welle im Herbst.
Das Virus wurde in einer Putenmast im Ort Günserode festgestellt. Das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte die Befunde des Thüringer Landesamtes für Verbraucherschutz. Wie das Virus in den Bestand gelangte, ist bislang unklar. Zuvor waren in dem Betrieb erhöhte Tierverluste aufgefallen.
Sperrzonen und Stallpflicht
Das zuständige Veterinäramt verhängte umgehend eine Betriebssperre. Zusätzlich wurden eine Schutzzone im Radius von drei Kilometern sowie eine Überwachungszone von zehn Kilometern eingerichtet. In den betroffenen Orten gilt ab Freitag eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel. Transporte von Geflügel und entsprechenden Produkten sind untersagt.
Seit Jahresbeginn wurde das Virus H5N1 in Thüringen bereits bei 21 Wildvögeln nachgewiesen – unter anderem in den Landkreisen Altenburger Land, Gotha, Sömmerda, Saale-Orla-Kreis und Unstrut-Hainich-Kreis sowie in den Städten Gera und Erfurt. Die Behörden warnen: Das Virus zirkuliert weiterhin in der Umwelt. Geflügelhalter sollen ihre Bestände strikt sichern und anmelden. Tote Wildvögel dürfen nicht angefasst werden.
Weitere Ausbrüche in mehreren Bundesländern
Auch außerhalb Thüringens häufen sich die Fälle: Im niedersächsischen Vogelpark Walsrode wurde das Virus bei mehreren Tieren nachgewiesen. Knapp 100 Vögel sind verendet oder mussten getötet werden. Die betroffene Anlage für Meeresvögel liegt separat, eine Restriktionszone wurde nicht eingerichtet – eine Ausnahme, die für zoologische Einrichtungen möglich ist.
Im Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein) wurde die Geflügelpest in einer Hobbyhaltung mit 29 Tieren bestätigt. Auch hier wurden alle Tiere getötet, eine Sperrzone war wegen der geringen Bestandsgröße nicht erforderlich.
In Bayreuth wurde das Virus bei einer toten Wildente am Röhrensee festgestellt. Behörden warnen vor einem erhöhten Eintragsrisiko in Hausgeflügelbestände. Hundehalter sollen Tiere in Gewässernähe anleinen.
Im nordrhein-westfälischen Beverungen besteht nach dem Fund zweier verendeter Schwäne an der Weser ebenfalls Geflügelpest-Verdacht. Das Kreisveterinäramt Höxter rät Geflügelhaltern zu besonderer Vorsicht und empfiehlt Stallhaltung in Gewässernähe.
Hohe Ansteckungsgefahr
Die Geflügelpest – umgangssprachlich Vogelgrippe – ist für viele Vogelarten hochansteckend und verläuft meist tödlich. Das zuständige Bundesforschungsinstitut stuft das Risiko einer Übertragung von Wildvögeln auf Nutzgeflügel weiterhin als hoch ein. Entsprechend entscheidend sei es, Kontakte zwischen Wild- und Hausgeflügel konsequent zu verhindern.
Die aktuellen Fälle zeigen: Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Für Geflügelhalter in ganz Deutschland bleibt die Situation angespannt.


