Ein Erdbeben der Stärke 3,5 hat am Donnerstagvormittag die Gewässer zwischen Teneriffa und Gran Canaria erschüttert. Nach Angaben des spanischen Nationalen Geographischen Instituts (IGN) ereignete sich das Beben um 11:13 Uhr in der Nähe des unterseeischen Vulkans Enmedio. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe zwischen 19 und 30 Kilometern. Trotz dieser vergleichsweise großen Tiefe war das Beben entlang der Küsten beider Inseln deutlich wahrnehmbar und sorgte bei vielen Bewohnern für Aufmerksamkeit.
Unterseeischer Vulkan als seismischer Hotspot
Der Vulkan Enmedio befindet sich zwischen den beiden Kanareninseln und liegt vollständig unter der Meeresoberfläche. Sein Gipfel befindet sich rund 1.625 Meter unter dem Meeresspiegel. Geologen stufen Enmedio als einen der aktivsten seismischen Bereiche des Archipels ein. Wiederkehrende Erdbeben in dieser Zone sind keine Seltenheit und werden kontinuierlich wissenschaftlich beobachtet.
Keine Verbindung zu Teide-Aktivität
Bereits im Februar wurde die Region von einem stärkeren Erdbeben der Magnitude 4,1 erschüttert. Nach Einschätzung des IGN stehen diese Ereignisse jedoch nicht im Zusammenhang mit den jüngsten Erdbebenschwärmen rund um den Teide auf Teneriffa. Die seismischen Prozesse in der Region verlaufen demnach unabhängig voneinander – ein Hinweis auf die komplexe geologische Struktur unter den Kanarischen Inseln.
Behörden beobachten Lage genau
Das IGN überwacht die vulkanische und seismische Aktivität auf den Kanaren rund um die Uhr. Auch das aktuelle Beben wird derzeit detailliert ausgewertet, um mögliche Veränderungen im Untergrund frühzeitig zu erkennen. Trotz der spürbaren Erschütterungen gibt es bislang keine Berichte über Schäden oder Verletzte. Die Behörden betonen, dass Beben dieser Stärke in der Regel keine ernsthafte Gefahr darstellen.
Aktiver Vulkanismus prägt die Inselgruppe
Die Kanarischen Inseln gehören zu den geologisch aktiven Regionen Europas. Der Archipel ist vulkanischen Ursprungs, und viele der Vulkane gelten weiterhin als aktiv. Dennoch sehen Experten aktuell keine Anzeichen für einen bevorstehenden Vulkanausbruch. Solche Einschätzungen basieren auf kontinuierlichen Messungen von Erdbeben, Bodenverformungen und Gasemissionen.
Erinnerung an die Katastrophe von La Palma
Die Ereignisse rufen Erinnerungen an den bislang schwersten Vulkanausbruch der jüngeren Vergangenheit wach. Im Jahr 2021 kam es auf La Palma zur Eruption des Vulkans Tajogaite. Der Ausbruch dauerte fast drei Monate – vom 19. September bis zum 13. Dezember – und verursachte massive Zerstörungen sowie Schäden in Millionenhöhe. Er gilt als folgenschwerster und längster dokumentierter Vulkanausbruch auf der Insel.
Zwischen Routine und Risiko
Das aktuelle Erdbeben zeigt einmal mehr die geologische Dynamik der Kanaren. Auch wenn solche Ereignisse meist harmlos verlaufen, bleiben sie ein wichtiger Indikator für Prozesse tief unter der Erdoberfläche. Für Wissenschaftler sind sie wertvolle Datenquellen – für die Bevölkerung ein spürbares Zeichen dafür, dass die Erde unter den Inseln ständig in Bewegung ist.


