Das schwere Unwetter, das vergangene Woche Teile Thüringens getroffen hat, war noch heftiger als zunächst angenommen: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat bestätigt, dass bei Ohrdruf im Landkreis Gotha ein Tornado aufgetreten ist. Nach vorläufigen Erkenntnissen erreichten die Windgeschwindigkeiten dabei zwischen 200 und 300 Kilometer pro Stunde. Das Unwetter vom 19. August hinterließ in mehreren Regionen Thüringens erhebliche Schäden. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt und Fahrzeuge sowie Gebäude beschädigt. Besonders betroffen waren Ohrdruf, Bad Liebenstein und Dermbach.
In Teilen der Region dauern die Aufräumarbeiten weiterhin an. In Bad Liebenstein blieb unter anderem der Altensteiner Schlosspark wegen umgestürzter Bäume und akuter Gefahrenstellen gesperrt. Auch an der Bundesstraße 285 bei Dermbach mussten zahlreiche Bäume beseitigt werden.
Tornado mindestens Stärke F2,5
Der DWD ordnet den Tornado nach der internationalen Fujita-Skala derzeit mindestens bei F2,5 ein. Das entspricht Windgeschwindigkeiten von etwa 200 bis 300 km/h. Die genaue Einstufung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Da Tornados meist nur auf einer kleinen Fläche auftreten, werden ihre Windgeschwindigkeiten von den regulären Wetterstationen häufig nicht direkt erfasst. Meteorologen bestimmen die Stärke deshalb anhand des entstandenen Schadensbildes.
Ein Todesopfer im Landkreis Gotha
Das Unwetter hatte auch tödliche Folgen. Im Landkreis Gotha kam ein Mensch durch herabstürzende Baumteile ums Leben. Die Wucht des Sturms sorgte zudem für zahlreiche weitere Gefahrenstellen und umfangreiche Einsätze von Feuerwehr, Bauhöfen und weiteren Helfern.
Noch nicht abschließend geklärt ist, ob es während der Unwetterlage weitere Tornados gegeben hat. Für den Raum Arnstadt im Ilm-Kreis war ebenfalls ein Tornado vermutet worden. Der DWD hat diesen Fall bislang jedoch nicht bestätigt.
Nach Einschätzung der Meteorologen sind angesichts der Wetterbedingungen am 19. August weitere, möglicherweise nur kurzlebige Tornados durchaus möglich. Gleichzeitig weisen die Experten darauf hin, dass schwere Schäden nicht automatisch auf einen Tornado hindeuten. Auch sogenannte Downbursts, also starke Gewitterfallböen, können massive Verwüstungen verursachen.
Aufräumarbeiten dauern an
Während die meteorologischen Untersuchungen weiterlaufen, sind die Folgen des Unwetters vielerorts noch sichtbar. Einsatzkräfte und kommunale Mitarbeiter beseitigen umgestürzte Bäume und sichern beschädigte Bereiche. Der bestätigte Tornado von Ohrdruf zeigt eindrucksvoll, welche zerstörerische Kraft schwere Gewitter in Thüringen entwickeln können. Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h hinterließen innerhalb kurzer Zeit massive Schäden – und die endgültige Bilanz der Unwetterlage ist noch nicht abgeschlossen.


