ChatGPT unterdrückt das kritische Denken

Cambridge. Große Sprachmodelle wie ChatGPT stehen zunehmend in der Kritik – nun liefert eine neue Studie des MIT Media Lab alarmierende Hinweise darauf, dass ihre Nutzung die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. In einem wissenschaftlichen Versuch mit 54 Testpersonen untersuchten Neurowissenschaftler und KI-Fachleute, wie sich der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Schreiben auf das Gehirn auswirkt.

Weniger Hirnaktivität durch KI-Hilfe

Die Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt: Eine nutzte ChatGPT, eine zweite die Google-Suche, die dritte verließ sich ausschließlich auf das eigene Denkvermögen. Während des Schreibens wurden ihre Hirnströme per EEG gemessen. Die Aufgabe: ein 20-minütiger Aufsatz zum Thema Philanthropie. Das Ergebnis ist deutlich – sowohl die Auswertung der Hirnaktivität als auch die Qualität der Aufsätze zeigen einen klaren Trend.

Teilnehmer, die allein mit dem eigenen Wissen arbeiteten, zeigten die stärkste Aktivität in relevanten Hirnarealen und verfassten laut Bewertung auch die inhaltlich stärksten Texte. Die Google-Gruppe schnitt mittelmäßig ab, während bei der ChatGPT-Gruppe die geringste neuronale Konnektivität gemessen wurde.

Langzeitfolgen sichtbar

Besonders brisant: Einige Teilnehmer kehrten Monate später für eine zweite Runde zurück – diesmal mit vertauschten Rollen. Die früheren ChatGPT-Nutzer zeigten dabei deutlich schwächere Gedächtnisleistungen und geringere Hirnaktivität als jene, die zuvor ohne KI gearbeitet hatten. Auch ihre Fähigkeit, sich an Inhalte ihrer eigenen Texte zu erinnern oder diese zu zitieren, war eingeschränkt.

Weniger Identifikation mit eigenen Texten

Ein weiterer Effekt: Wer mit KI arbeitete, fühlte sich seinen Aufsätzen weniger verbunden – sowohl inhaltlich als auch emotional. Die Forscher warnen daher vor einem schleichenden Effekt: Je häufiger KI beim Lernen und Schreiben eingesetzt wird, desto stärker könnte das eigenständige Denken verkümmern.

Fazit der Studie: Nutzen mit Nebenwirkungen

Zwar könne der Einsatz großer Sprachmodelle anfangs Zeit sparen und den Einstieg erleichtern, so die Studienautoren. Doch auf lange Sicht drohe ein Verlust an kritischem Denken, kognitiver Tiefe und Selbstständigkeit. Die Nutzung von KI sei deshalb mit Vorsicht und bewusstem Einsatz zu betrachten – besonders in Bildungskontexten.

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