Die Eskalation im Nahen Osten treibt die internationalen Energiemärkte erneut unter Druck. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl ist erstmals seit Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar gestiegen. Am Mittwoch erreichte der Preis zeitweise mehr als 101 Dollar. Auslöser sind zunehmende Angriffe und die wachsende Sorge vor weiteren Störungen der Ölversorgung. Damit kehrt eine Preismarke zurück, die für Verbraucher und Unternehmen eine erhebliche Signalwirkung hat. Steigt Rohöl dauerhaft, können mit Verzögerung auch die Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und zahlreiche Transportleistungen zulegen.
Straße von Hormus wird zum Krisenherd
Besonders kritisch ist die Situation rund um die Straße von Hormus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den wichtigsten Transportwegen der weltweiten Energieversorgung. Der Konflikt hat den Schiffsverkehr in der Region bereits massiv beeinträchtigt. Neue Angriffe auf Schiffe sowie militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran verstärken die Angst vor weiteren Lieferausfällen. Gleichzeitig sorgen Angriffe der Huthi auf Energieanlagen in Saudi-Arabien für zusätzliche Unsicherheit.
Märkte fürchten eine neue Ölkrise
Die Sorge der Händler geht inzwischen über kurzfristige Preisschwankungen hinaus. Durch die anhaltenden Störungen sind bereits erhebliche Mengen Öl vom Weltmarkt verschwunden. Gleichzeitig sinken die verfügbaren Lagerbestände und die freien Förderkapazitäten werden knapper. Analysten warnen deshalb vor einem besonders empfindlichen Markt. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnte der Ölpreis deutlich über die Marke von 100 Dollar steigen. Im Extremfall werden sogar Preise von 120 bis 150 Dollar je Barrel für möglich gehalten.
Steigende Energiepreise drohen Inflation anzuheizen
Ein dauerhaft hoher Ölpreis wäre nicht nur ein Problem für Autofahrer. Teureres Rohöl verteuert Transporte, Produktion und Logistik. Unternehmen geben höhere Energiekosten häufig zumindest teilweise an ihre Kunden weiter. Damit könnte die ohnehin angespannte Inflationslage erneut verschärft werden. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Notenbanken, bei ihrer Zinspolitik vorsichtiger vorzugehen. Höhere Energiepreise könnten damit indirekt auch Kredite, Investitionen und die gesamte Konjunktur belasten.
Für Verbraucher könnte es an der Tankstelle teurer werden
Bis die Entwicklung des Rohölpreises vollständig an den Tankstellen ankommt, vergeht normalerweise etwas Zeit. Sollte Brent jedoch dauerhaft über 100 Dollar bleiben, dürfte sich der Preisdruck auch beim Kraftstoff bemerkbar machen. Besonders kritisch wäre eine Kombination aus dauerhaft hohen Ölpreisen und einem schwachen Euro. Dann würde der Einkauf des in US-Dollar gehandelten Rohöls für europäische Abnehmer zusätzlich teurer.
Ende der Eskalation nicht in Sicht
Die entscheidende Frage für die Energiemärkte ist deshalb nicht allein, ob Brent kurzfristig wieder unter 100 Dollar fällt. Entscheidend ist, wie lange die Unsicherheit rund um die wichtigsten Transportwege im Nahen Osten anhält. Solange die Straße von Hormus und andere wichtige Energiewege als gefährdet gelten, bleibt ein erheblicher geopolitischer Risikoaufschlag im Ölpreis bestehen.


