Betrügerische Online-Werbung flutet Österreich

Wien. Mehr als die Hälfte der österreichischen Online-Shopper ist überzeugt: Betrügerische Werbung ist im Netz längst Alltag. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen unter 1.015 Konsumentinnen und Konsumenten. 54,7 Prozent der Befragten geben an, bereits unseriöse Online-Anzeigen gesehen zu haben. Weitere 20 Prozent sind unsicher, ob sie schon einmal mit betrügerischer Werbung konfrontiert waren – ein alarmierender Befund.

Soziale Netzwerke als Hauptschauplatz

Besonders häufig werden fragwürdige Anzeigen im Social Web wahrgenommen. Mehr als die Hälfte jener, die betrügerische Werbung gesehen haben, berichten von entsprechenden Inhalten auf Facebook, Instagram oder TikTok.

Doch nicht nur dort: Rund ein Drittel der Betroffenen nennt klassische Banner- oder Pop-up-Werbung auf Webseiten. Auch E-Mails bleiben ein Einfallstor für dubiose Angebote.

Zunehmend tauchen irreführende Anzeigen zudem in mobilen Spielen sowie in Werbeunterbrechungen von Online-Videos auf – etwa auf YouTube. Selbst Suchmaschinen sind betroffen: Mehr als ein Fünftel der Befragten will bereits über Suchanzeigen auf täuschende Offerten gestoßen sein.

Emotionalisierung als Masche

Laut dem Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der Plattform Watchlist Internet ist das Problem strukturell. In einer Analyse von Werbeanzeigen auf Facebook und Instagram identifizierten die Experten zahlreiche Online-Shops, die sich als heimische Familienbetriebe ausgeben. Mit emotional aufgeladenen Texten und angeblich stark reduzierten Preisen wird gezielt Vertrauen aufgebaut – und Kaufdruck erzeugt.

Hinter den Kulissen stecken jedoch häufig Anbieter mit undurchsichtigen Geschäftsmodellen. Eine weitere Untersuchung der Watchlist Internet, bei der 100 bereits gelistete Unternehmen analysiert wurden, brachte tausendfach problematische Anzeigen ans Licht.

Abofallen und irreführende Zahlungsangaben

Besonders perfide: Viele dieser Shops arbeiten mit missverständlichen oder verschleierten Zahlungsinformationen. Konsumenten werden so in Abofallen gelockt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Insgesamt zählte die Watchlist 27.775 problematische Werbeanzeigen. Über ein Drittel davon wurde über den Suchmaschinenanbieter Google ausgespielt. Damit rückt auch die Verantwortung großer Plattformbetreiber stärker in den Fokus.

Vertrauenskrise im Online-Handel

Die Zahlen verdeutlichen eine wachsende Vertrauenskrise im digitalen Handel. Wenn mehr als jeder zweite Online-Shopper in Österreich angibt, bereits mit betrügerischer Werbung konfrontiert gewesen zu sein, ist das kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturelles Problem.

Für Konsumenten bedeutet das: erhöhte Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen, kritische Prüfung von Zahlungsbedingungen und ein genauer Blick auf Impressum und Anbieterinformationen. Für Plattformbetreiber und Gesetzgeber stellt sich die Frage, wie effektiv bestehende Kontrollmechanismen tatsächlich sind – und ob sie der Masse an manipulativ gestalteten Anzeigen noch gewachsen sind.

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