Berlin. Berlins Krankenhäuser geraten zunehmend ins Visier gezielter Angriffe. Unerklärliche Drohnenüberflüge, aufgebrochene Türen, unbefugte Personen in sensiblen Klinikbereichen und schwere Cyberattacken haben die Sicherheitsbehörden alarmiert. Der Verfassungsschutz wertet die Vorfälle als Teil hybrider Kriegsführung. Die Kliniken der Hauptstadt gelten damit nicht mehr nur als Orte der Versorgung, sondern als strategische Ziele.
„Die Sicherheitslage spitzt sich für Krankenhäuser merkbar zu“, warnt Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft. Als Teil der kritischen Infrastruktur stünden Kliniken unter besonderer Beobachtung. Tatsächlich nehmen Angriffe auf IT-Systeme, Datendiebstähle und Sabotagehandlungen seit Monaten zu. 2024 legte ein Cyberangriff auf die Johannesstift Diakonie zeitweise vier Krankenhäuser lahm – ein Vorgang, der die Verwundbarkeit des Systems schonungslos offenlegte.
Doch es bleibt nicht bei digitalen Attacken. Anfang November 2025 explodierten zeitgleich Brandsätze an der Charité in Berlin-Mitte und am Vivantes-Klinikum Neukölln. Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft häufen sich zudem Sachbeschädigungen in Bereichen, die für die Öffentlichkeit eigentlich unzugänglich sind. Betroffen sind Kliniken aller Träger, unabhängig von Größe oder Lage. Auch Berichte über Brand- und Kugelbomben zählen inzwischen zum bekannten Muster der Angriffe.
Angesichts der eskalierenden Lage kamen Klinikleitungen und Vertreter der Krankenhausgesellschaft zu einem Krisentreffen zusammen. Gemeinsam mit dem Verfassungsschutz, dem Landeskriminalamt und Experten für Cybersicherheit wurden Schutzmaßnahmen beraten. Ziel ist es, Krankenhäuser widerstandsfähiger gegen Spionage und Sabotage zu machen. Schreiner betont, dass nur so die Leistungsfähigkeit der Kliniken im Rahmen des Zivil- und Katastrophenschutzes gewährleistet werden könne. Hybride Angriffe zielten bewusst auf Destabilisierung, diesem Kalkül dürfe man nicht nachgeben.
Ein zentrales Ergebnis des Treffens ist die Forderung nach umfassenden Schutzkonzepten in den Kliniken. Personal soll typische Spionagemuster erkennen, Sicherheitslücken auf den eigenen Geländen systematisch identifizieren und generell zu erhöhter Wachsamkeit angehalten werden. Notfall- und Abwehrpläne müssen praxistauglich sein und eng mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt werden. Der Zeitdruck ist hoch, betont die Krankenhausgesellschaft.
Klar ist bereits jetzt, dass ohne gezielte Investitionen kaum Fortschritte möglich sein werden. Benötigt werden unter anderem verbesserte Netzwerksicherheit, strengere Zutrittskontrollen zu sensiblen Bereichen und bauliche Schutzmaßnahmen. Die jüngsten Vorfälle machen deutlich: Die Bedrohung für Berlins Krankenhäuser ist real – und sie reicht weit über klassische Kriminalität hinaus.


