Die Debatte um steigende Gewaltkriminalität in Berlin gewinnt an Schärfe: Nach neuen Zahlen zu Messer- und Schusswaffendelikten erhöht die AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus den politischen Druck auf den Senat – und setzt dabei auf eine eigene, öffentlich zugängliche Datenauswertung.
Im Zentrum steht eine von der Fraktion veröffentlichte Online-Übersicht, die sie selbst als „Messer-App“ bezeichnet. Dort werden polizeilich gemeldete Vorfälle der vergangenen 30 Tage erfasst, ergänzt durch Angaben zu Verletzten sowie eine interaktive Karte mit Tatorten. Zusätzlich stellt die AfD diese Daten den Jahreszahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik gegenüber. Aus Sicht der Fraktion offenbart dieser Vergleich erhebliche Abweichungen zwischen laufend gemeldeten Einsätzen und den später statistisch erfassten Fällen.
Fraktionschefin Kristin Brinker spricht von einem deutlich gewachsenen Unsicherheitsgefühl in der Hauptstadt. Dieses stehe im klaren Gegensatz zu den Sicherheitsversprechen, die Kai Wegner im Wahlkampf abgegeben habe. Auch der innenpolitische Sprecher Thorsten Weiß kritisiert die Informationspolitik des Landes scharf. Berlin gehöre zu den wenigen Bundesländern, die keine detaillierten Täterangaben nach Nationalität veröffentlichen – ein Umstand, den die AfD als mangelnde Transparenz bewertet.
Tatsächlich zeigen die aktuellen Zahlen einen Anstieg: Laut Polizeistatistik wurden im Jahr 2025 insgesamt 3.599 Messerangriffe registriert – ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist dabei, dass rund die Hälfte dieser Fälle Drohdelikte waren. Insgesamt ermittelte die Polizei 1.906 Tatverdächtige, von denen die große Mehrheit männlich war; mehr als die Hälfte besaß keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Noch drastischer fällt die Entwicklung bei Schusswaffendelikten aus. Hier verzeichneten die Behörden 1.119 Fälle – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber 2024. In fast der Hälfte dieser Fälle wurde tatsächlich geschossen. Polizei und Staatsanwaltschaft reagierten bereits mit verstärktem Einsatz spezialisierter Einheiten.
Der Berliner Senat setzt bislang vor allem auf lokale Maßnahmen. In besonders belasteten Bereichen – darunter der Görlitzer Park, das Kottbusser Tor und der Leopoldplatz – wurden Waffen- und Messerverbotszonen eingerichtet. Nach Angaben des CDU-Innenpolitikers Burkhard Dregger habe dies dort zu einem Rückgang der Messerkriminalität um bis zu 45 Prozent geführt. Er fordert, solche Zonen künftig flexibler einzusetzen oder auszuweiten, um schneller auf neue Brennpunkte reagieren zu können.
Die Initiative der AfD stößt jedoch auf deutlichen Widerspruch. Vertreter der Linksfraktion werfen ihr vor, gezielt Ängste zu schüren und gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen. Insbesondere die Fokussierung auf Herkunftsdaten wird als politisch motiviert kritisiert.
Ungeachtet dessen plant die AfD, ihre Datensammlung weiter auszubauen. Künftig sollen auch Schusswaffendelikte und Sexualstraftaten in die Übersicht aufgenommen werden. Damit dürfte die Auseinandersetzung über Sicherheit, Transparenz und politische Deutungshoheit in Berlin weiter an Intensität gewinnen.


