Washington. Ungewöhnlich heftige Regenfälle haben im US-Bundesstaat Washington zu einer der schwersten Hochwasserlagen der vergangenen Jahre geführt. Gouverneur Bob Ferguson warnte angesichts der rasant steigenden Pegelstände vor einer „historischen Notlage“ und ordnete weitreichende Evakuierungen an. Schätzungen zufolge könnten bis zu 100.000 Menschen betroffen sein. Der Gouverneur rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, Anweisungen der Einsatzkräfte strikt zu befolgen.
In weiten Teilen des Bundesstaates sind zentrale Verkehrsadern unterbrochen. Mehr als 30 große Highways mussten geschlossen werden, nachdem Wassermassen Straßen, Brücken und umliegende Ortschaften überflutet hatten. Die Ausrufung des Notstands soll die Mobilisierung zusätzlicher Gelder und Einsatzkräfte beschleunigen.
Regionen großflächig überflutet
Luftaufnahmen zeigen ein weitreichendes Katastrophenszenario: Felder stehen unter Wasser, Flüsse sind über die Ufer getreten, Wohngebiete und Geschäftsviertel wurden überschwemmt. Besonders betroffen ist die Kleinstadt Orting, deren Bewohner angewiesen wurden, ihre Häuser unverzüglich zu verlassen. Behörden warnten vor akuter Gefahr für Leib und Leben.
Die Nationalgarde unterstützt die lokalen Rettungsteams mit Hubschraubern, Booten und schwerem Gerät. Zahlreiche Menschen mussten aus überschwemmten Häusern und Fahrzeugen geborgen werden. Weitere Truppen befinden sich auf dem Weg, um Sandsäcke zu befüllen und zusätzliche Schutzmaßnahmen zu errichten.
Ursache: „Atmosphärischer Fluss“
Der außergewöhnliche Starkregen ist auf ein meteorologisches Phänomen zurückzuführen, das als „atmosphärischer Fluss“ bekannt ist. Diese extrem feuchten Luftströme können tagelang anhaltende Regenfälle verursachen und führen im Nordwesten der USA regelmäßig zu gefährlichen Hochwasserlagen.
Auch angrenzende Gebiete sind massiv betroffen. In Snohomish nördlich von Seattle stehen ganze Straßenzüge unter Wasser, ebenso im Grenzort Sumas. Jenseits der kanadischen Grenze kämpft die Stadt Abbotsford mit denselben Wassermassen. Verbindungstraßen nach Vancouver mussten teilweise gesperrt werden.
Kritische Phase steht noch bevor
Trotz einer angekündigten Wetterberuhigung rechnet der US-Wetterdienst mit anhaltenden Überschwemmungen in Teilen Washingtons und Oregons. Gouverneur Ferguson spricht von „entscheidenden 48 Stunden“, die darüber bestimmen könnten, wie stark sich die Lage weiter zuspitzt.
Die Einsatzkräfte bereiten sich auf weitere Evakuierungen vor, während die Regionen im Nordwesten Nordamerikas auf eine Entspannung hoffen, die bislang jedoch nicht absehbar ist.


