Wo wäre die Welt im Katastrophenfall noch sicher?

Ein globaler Atomkrieg, eine verheerende Pandemie oder ein lang anhaltender Blackout: Die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien mag gering sein – ausgeschlossen sind sie nicht. Eine neue internationale Studie hat deshalb untersucht, welche Regionen der Erde besonders widerstandsfähig gegenüber globalen Katastrophen wären. Ein eindeutiger „sicherer Ort“ existiert demnach nicht. Einige Länder bringen jedoch deutlich bessere Voraussetzungen mit als andere. Deutschland gehört eher nicht dazu.

Drei Szenarien könnten die Zivilisation besonders hart treffen

Die Untersuchung „No place to hide? Regional resilience and vulnerability to global catastrophic risk“ beschäftigt sich mit Katastrophen, die innerhalb kurzer Zeit mindestens zehn Prozent der Weltbevölkerung töten könnten. Im Mittelpunkt stehen drei große Risikogruppen: globale biologische Gefahren wie Pandemien, der Zusammenbruch kritischer Infrastruktur sowie Ereignisse, die das Sonnenlicht weltweit reduzieren. Zu letzterer Kategorie zählen etwa ein nuklearer Winter, massive Vulkanausbrüche oder der Einschlag eines großen Asteroiden. Gemeinsam ist diesen Szenarien, dass ihre Folgen nicht auf einzelne Staaten oder Regionen begrenzt bleiben müssten.

Kein Land wäre vollständig geschützt

Die zentrale Erkenntnis der Forscher ist ernüchternd: Einen Ort, der gegen sämtliche globalen Katastrophen immun wäre, gibt es nicht. Allerdings unterscheiden sich die Länder erheblich darin, wie gut sie mit einem massiven Schock umgehen könnten. Entscheidend sind dabei nicht allein geografische Faktoren. Auch die Fähigkeit, Lebensmittel und Energie selbst bereitzustellen, eine funktionierende Industrie aufrechtzuerhalten und wichtige Lieferketten zu ersetzen, spielt eine zentrale Rolle. Hinzu kommen politische Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Möglichkeit, sich im Krisenfall zumindest teilweise von den Auswirkungen internationaler Zusammenbrüche abzuschirmen.

Australien mit besonders guten Voraussetzungen

Besonders gut schneidet in der Analyse Australien ab. Der Kontinent verfügt über mehrere Eigenschaften, die im Fall einer globalen Katastrophe von Vorteil sein könnten. Australien ist geografisch isoliert, verfügt über umfangreiche landwirtschaftliche Ressourcen und produziert große Mengen an Nahrungsmitteln. Hinzu kommen eigene Rohstoffvorkommen, eine leistungsfähige Industrie und eine vergleichsweise stabile politische und wirtschaftliche Ordnung. Auch die große Entfernung zu anderen Kontinenten könnte in bestimmten Krisensituationen zum Vorteil werden. Grenzen lassen sich leichter kontrollieren, und die Versorgung kann stärker auf heimische Ressourcen gestützt werden.

Auch Neuseeland gilt als relativ resilient

Ein ähnliches Bild ergibt sich für Neuseeland. Auch der Inselstaat besitzt landwirtschaftliche Ressourcen und ist aufgrund seiner geografischen Lage vergleichsweise abgeschirmt. Allerdings ist Neuseeland deutlich kleiner und weniger industriell aufgestellt als Australien. Damit ist auch seine Fähigkeit zur vollständigen Selbstversorgung begrenzter. Trotzdem gehört das Land nach den untersuchten Kriterien zu den Regionen mit vergleichsweise guten Voraussetzungen.

Warum Deutschland schlechter abschneidet

Deutschland verfügt zwar über eine hochentwickelte Wirtschaft, moderne Infrastruktur und eine leistungsfähige Landwirtschaft. Gleichzeitig ist die Bundesrepublik in erheblichem Maße in internationale Lieferketten eingebunden. Gerade diese Vernetzung kann in einer globalen Krise zum Problem werden. Fällt beispielsweise die internationale Energie- oder Treibstoffversorgung aus, können die Folgen schnell zahlreiche weitere Bereiche erfassen. Ohne ausreichend Elektrizität funktionieren nicht nur Haushalte und Unternehmen schlechter. Auch Tankstellen, Pumpwerke, Logistiksysteme, Kommunikationsnetze und Teile der Landwirtschaft sind von einer stabilen Energieversorgung abhängig. Damit können sich zunächst getrennte Störungen zu einer umfassenden Versorgungskrise entwickeln.

Der Blackout wäre mehr als nur ein Stromausfall

Ein großflächiger und länger andauernder Stromausfall könnte deshalb besonders weitreichende Folgen haben. Bereits nach kurzer Zeit wären Kommunikations- und Verkehrssysteme betroffen. Mit zunehmender Dauer könnten weitere kritische Infrastrukturen ausfallen. Wasserwerke benötigen Strom für Pumpen und Aufbereitung. Die Versorgung mit Kraftstoffen hängt von funktionierenden Lieferketten und elektrischer Infrastruktur ab. Auch Lebensmittelhandel und medizinische Einrichtungen sind auf Energie und funktionierende Logistik angewiesen. Die Stadt Stuttgart weist deshalb in ihrer aktuellen Krisenvorsorge ausdrücklich darauf hin, dass Haushalte sich auf länger andauernde Ausfälle vorbereiten sollten. Empfohlen werden unter anderem Vorräte und ein Notfallradio.

Global vernetzte Gesellschaft als Schwachstelle

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die zunehmende gegenseitige Abhängigkeit moderner Gesellschaften. Ein Ausfall an einer Stelle kann sich über internationale Lieferketten auf andere Regionen übertragen. Der Mathematiker Jobst Heitzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt dabei vor möglichen Dominoeffekten. Einen globalen Zivilisationskollaps könne die Wissenschaft nicht seriös vorhersagen. Modellieren lasse sich jedoch, wie sich komplexe Systeme gegenseitig beeinflussen und welche Schwachstellen daraus entstehen können. Die entscheidende Frage lautet damit weniger, ob ein bestimmtes Katastrophenszenario eintreten wird, sondern wie widerstandsfähig eine Gesellschaft gegenüber unerwarteten Schocks ist.

Kollapsforschung stößt an Grenzen

Parallel zu den wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich eine Szene entwickelt, die sich intensiv mit möglichen Zusammenbruchsszenarien beschäftigt. Vertreter dieser sogenannten Kollapsologie gehen teilweise davon aus, dass moderne Gesellschaften bereits auf einen umfassenden Zusammenbruch zusteuern. Wissenschaftler sehen solche Prognosen deutlich kritischer. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Umwelt, Politik, Technologie und Gesellschaft lassen keine seriöse Vorhersage eines konkreten Kollapszeitpunkts zu. Gleichzeitig bedeutet die fehlende Vorhersagbarkeit nicht, dass die Risiken ignoriert werden sollten. Im Gegenteil: Gerade weil nicht bekannt ist, wann und in welcher Form eine schwere Krise auftreten könnte, rückt die Vorsorge in den Mittelpunkt.

Die Polykrise erhöht den Druck

Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Krisen gleichzeitig auftreten. Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von einer „Polykrise“. Klimawandel, Pandemien, wirtschaftliche Instabilität, Konflikte und Probleme bei der Lebensmittelversorgung können sich gegenseitig verstärken.

Auch eine 2024 veröffentlichte Untersuchung zu sogenannten evolutionären Fallen beschäftigt sich mit solchen langfristigen Risiken. Merkmale, die der Menschheit während ihrer Entwicklung Vorteile verschafften, können sich unter veränderten Umweltbedingungen gegen sie richten. Dazu zählen unter anderem Umweltzerstörung, Klimaveränderungen und die zunehmende Geschwindigkeit von Infektionskrankheiten.

Vorsorge statt Weltuntergang

Die Forscher warnen jedoch davor, aus diesen Szenarien eine zwangsläufige Apokalypse abzuleiten. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Aussage, dass ein globaler Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht. Stattdessen geht es um Resilienz: Staaten sollen ihre Versorgungssysteme robuster machen, Abhängigkeiten reduzieren und auch für außergewöhnliche Krisen Szenarien entwickeln. Dazu gehören unter anderem stabile Lebensmittelversorgung, Energieversorgung, internationale Handelsbeziehungen und funktionierende staatliche Strukturen.

Auch für Privatpersonen bedeutet das nicht, sich auf ein vermeintlich bevorstehendes Weltende vorzubereiten. Sinnvoller ist eine grundlegende Notfallvorsorge. Ein Vorrat an Wasser und haltbaren Lebensmitteln, alternative Informationsmöglichkeiten und ein Plan für länger andauernde Stromausfälle können bereits bei vergleichsweise alltäglichen Katastrophen hilfreich sein. Die Stadt Stuttgart empfiehlt Haushalten derzeit, für mindestens zehn Tage Vorräte vorzuhalten.

Einen perfekten Zufluchtsort gibt es nicht

Die Studie liefert letztlich keine Landkarte mit einem einzigen sicheren Ziel. Selbst Australien oder Neuseeland wären bei einer globalen Katastrophe mit erheblichen Problemen konfrontiert. Die entscheidende Ressource ist deshalb nicht allein die Entfernung zu möglichen Krisenherden. Viel wichtiger ist die Fähigkeit einer Gesellschaft, nach einem schweren Schock weiter zu funktionieren. Eigene Nahrungsmittelproduktion, Energie, Rohstoffe, Industrie, politische Stabilität und belastbare Versorgungssysteme können darüber entscheiden, wie schwer die Folgen ausfallen. Deutschland besitzt viele dieser Voraussetzungen – ist gleichzeitig aber besonders stark in internationale Systeme eingebunden. Die Studie macht damit vor allem eines deutlich: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Resilienz lässt sich dagegen schaffen.

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