Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew und umliegende Regionen erneut massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes wurden mindestens 16 Menschen getötet, mehr als 30 weitere verletzt. Die Angriffe dauerten rund neun Stunden und trafen mehrere Stadtbezirke. Die ukrainische Luftwaffe meldete den Einsatz von Dutzenden ballistischen Raketen sowie fast 170 Drohnen. Getroffen wurden unter anderem Wohngebäude, eine medizinische Einrichtung und eine Bildungseinrichtung. In einem neunstöckigen Wohnhaus im Stadtbezirk Solomjanskyj wurden die beiden obersten Stockwerke zerstört, anschließend brachen weitere Brände aus.
Menschen unter Trümmern eingeschlossen
Besonders dramatisch war die Situation in mehreren Gebäuden. Menschen waren nach den Angriffen in zwei Wohnhäusern sowie in einem Schutzraum einer Schule eingeschlossen. Auch außerhalb der Hauptstadt kam es zu Opfern und Schäden. Im Bezirk Browary wurde nach Behördenangaben ein Mensch getötet und ein weiterer verletzt. In Boryspil wurden zudem Warenhäuser beschädigt. Insgesamt waren zwölf Orte innerhalb Kiews von den Angriffen betroffen.
Selenskyj fordert mehr Luftabwehr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte erneut die aus seiner Sicht unzureichende Ausstattung der ukrainischen Luftverteidigung. Russland habe bei dem kombinierten Angriff verschiedene Raketentypen, Marschflugkörper und Drohnen eingesetzt. Selenskyj forderte insbesondere weitere Abfangraketen für die westlichen Luftverteidigungssysteme vom Typ Patriot. Nach seiner Einschätzung könne Russland nur dann zu ernsthaften Friedensverhandlungen bewegt werden, wenn die Ukraine besser in der Lage sei, sich gegen russische Luftangriffe zu schützen.
Polen aktiviert militärische Luftoperation
Die Angriffe hatten auch Auswirkungen auf die NATO-Staaten in der Region. Polen leitete vorsorglich eine militärische Luftoperation zum Schutz des eigenen Luftraums ein. Auch Rumänien reagierte auf die nächtlichen Angriffe. Radarsysteme erfassten Luftziele nahe der ukrainischen Grenze. Zwei spanische Kampfjets, die im Rahmen eines NATO-Einsatzes in Rumänien stationiert sind, sowie ein rumänischer Militärhubschrauber wurden daraufhin eingesetzt. Eine Drohne stürzte nach Behördenangaben in einem unbewohnten Gebiet ab.
Russland meldet massive ukrainische Drohnenangriffe
Parallel zu den russischen Angriffen auf die Ukraine meldeten russische Behörden erneut eine große Zahl ukrainischer Drohnen. Allein über der Region Moskau sollen nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin mindestens 250 Drohnen registriert worden sein. Das russische Verteidigungsministerium sprach sogar von landesweit mehr als 720 abgeschossenen ukrainischen Drohnen. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.
Die wechselseitigen Angriffe verdeutlichen damit die anhaltende Eskalation des Luftkriegs. Während Russland ukrainische Städte und Infrastruktur mit großen Drohnen- und Raketenwellen angreift, versucht die Ukraine zunehmend, Ziele auf russischem Gebiet mit Drohnen zu treffen.
Kiew ruft Trauertag aus
Angesichts der hohen Opferzahl kündigte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko für den folgenden Tag einen offiziellen Trauertag an. An öffentlichen Gebäuden sollen die Flaggen auf halbmast gesetzt werden. Auch private Einrichtungen wurden zur Trauerbeflaggung aufgerufen. Der jüngste Großangriff zeigt erneut, wie verwundbar die ukrainische Hauptstadt trotz umfangreicher Luftabwehr bleibt. Besonders die Kombination aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und einer großen Zahl von Drohnen stellt die ukrainischen Abwehrsysteme vor enorme Herausforderungen.


