Die anhaltende Trockenheit in Deutschland verschärft die Lage für die Landwirtschaft. Der Deutsche Bauernverband rechnet in diesem Jahr mit deutlichen Ernteeinbußen. Besonders Getreide, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben leiden unter den fehlenden Niederschlägen. In einzelnen Regionen drohen nach Einschätzung des Verbandes sogar vollständige Ernteausfälle. Die Folgen der wochenlangen Trockenheit werden für viele landwirtschaftliche Betriebe zunehmend existenzbedrohend. Bauernpräsident Joachim Rukwied beschreibt die wirtschaftliche Situation als äußerst angespannt. Vor allem bei Getreide zeichnet sich demnach eine unterdurchschnittliche Ernte ab.
Besonders betroffen sind Weizen und Raps. Auch bei den sogenannten Herbstkulturen erwartet der Bauernverband erhebliche Ertragseinbußen. Entscheidend wird dabei sein, ob in den kommenden Wochen ausreichend Regen fällt.
Kartoffeln und Zuckerrüben ebenfalls unter Druck
Nicht nur die Getreideproduktion leidet unter der Trockenheit. Auch Kartoffeln und Zuckerrüben benötigen ausreichend Wasser, um ihre Erträge zu sichern. In trockenen Regionen können die Pflanzen ihre Entwicklung nicht ausreichend fortsetzen. Bereits Anfang August wurden aus verschiedenen Regionen Deutschlands erhebliche Schäden gemeldet. Gemüse auf den Feldern verkümmert, Zwiebeln bleiben deutlich kleiner und auch Kartoffeln erreichen teilweise nicht die erwartete Größe. Gleichzeitig schränken Kommunen vielerorts die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen ein, um die ohnehin niedrigen Wasserstände und empfindlichen Ökosysteme zu schützen.
Auch Tierhalter geraten zunehmend unter Druck
Die Trockenheit trifft nicht ausschließlich Ackerbaubetriebe. Besonders schwierig ist die Situation für Landwirte mit Viehhaltung. Auf vielen Wiesen wächst wegen der Hitze kaum noch Futter nach. In Baden-Württemberg stehen den Betrieben nach Angaben des dortigen Landesbauernverbandes derzeit 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Einige Landwirte müssen deshalb bereits auf Winterreserven zurückgreifen oder ihre Tierbestände reduzieren. In einzelnen Regionen wurden Tiere vorzeitig zur Schlachtung gegeben.
Auch Heu und Stroh sind knapp. Gleichzeitig steigen die Preise für verfügbare Futtermittel. Damit wächst der wirtschaftliche Druck auf Betriebe, die neben sinkenden Erträgen zusätzliche Kosten für die Versorgung ihrer Tiere tragen müssen.
Mais und Grünland besonders stark betroffen
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen der Trockenheit auf dem Grünland. In manchen Regionen sind weitere Grasschnitte nahezu vollständig ausgefallen. Dadurch fehlt nicht nur Futter für die aktuelle Saison, sondern auch die Grundlage für die Winterversorgung. Auch der Mais leidet unter den hohen Temperaturen und dem Wassermangel. Aus Baden-Württemberg wurden teilweise Ertragseinbußen von 30 bis 50 Prozent gemeldet. In einigen Gebieten müssen Maisbestände sogar vorzeitig geerntet werden, obwohl Menge und Qualität des Futters nicht den normalen Erwartungen entsprechen.
Hitze verändert die Landwirtschaft
Die aktuelle Entwicklung reiht sich in eine zunehmende Belastung der Landwirtschaft durch Hitze und Trockenheit ein. In Baden-Württemberg wurden bereits Mitte Juli 19 Hitzetage registriert. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums nehmen Ertragseinbußen und Totalausfälle bei Ackerbaukulturen zu. Auch die Qualität der Erzeugnisse kann unter den extremen Wetterbedingungen leiden. Gleichzeitig steigt der Bewässerungsbedarf. Die bewässerte Fläche in Baden-Württemberg nahm zwischen 2019 und 2022 um 3.500 Hektar auf 22.800 Hektar zu. Die Landwirtschaft benötigt damit zunehmend Wasser, während die verfügbaren Ressourcen in Trockenperioden gleichzeitig knapper werden.
Trockenheit erhöht auch Schädlingsdruck
Neben dem unmittelbaren Wassermangel entstehen weitere Probleme. Höhere Temperaturen und mildere Winter begünstigen die Ausbreitung bestimmter Schädlinge und Pflanzenkrankheiten. Nach Angaben des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums treten einige Schädlinge inzwischen in Regionen oder an Pflanzen auf, in denen sie früher weniger verbreitet waren. Für die Landwirte bedeutet das zusätzlichen Aufwand und weitere Risiken für die Erträge.
Bauernverband fordert Unterstützung der Politik
Der Deutsche Bauernverband sieht angesichts der Entwicklung auch die Politik in der Pflicht. Die Forderungen reichen von finanzieller Unterstützung bis hin zu erleichterten Möglichkeiten, vorhandene Flächen für die Futternutzung einzusetzen. Auch die Landesverbände verlangen schnelle und möglichst unbürokratische Hilfen. In Baden-Württemberg wird unter anderem gefordert, stillgelegte Flächen zeitweise für die Futtergewinnung freizugeben. Damit könnten Betriebe zumindest einen Teil der fehlenden Futtervorräte ausgleichen.
Ernteausfälle könnten Folgen für Verbraucher haben
Wie stark sich die aktuelle Dürre letztlich auf Lebensmittelpreise auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Klar ist jedoch: Wenn wichtige Kulturen deutlich weniger Ertrag liefern, verringert sich das Angebot. Für die Landwirtschaft bedeutet eine schlechte Ernte zunächst sinkende Einnahmen. Gleichzeitig können zusätzliche Kosten für Bewässerung, Futtermittel, Energie und Betriebsmittel entstehen. Besonders problematisch wird die Situation dort, wo mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten.
Regen wird zum entscheidenden Faktor
Noch ist die endgültige Bilanz der Erntesaison nicht gezogen. Für zahlreiche Kulturen bleibt die weitere Wetterentwicklung entscheidend. Regen könnte die Situation zumindest teilweise entspannen – bei bereits eingetretenen Schäden lässt sich der Ertragsverlust allerdings nicht mehr rückgängig machen. Der Bauernverband erwartet deshalb für 2026 eine unterdurchschnittliche Ernte. In besonders stark von der Trockenheit betroffenen Regionen kann die Situation nach Einschätzung des Verbandes sogar bis zum Totalausfall reichen.
Die Landwirtschaft steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Kurzfristig müssen die Folgen der aktuellen Dürre bewältigt werden. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, wie Ackerbau und Tierhaltung langfristig an häufiger auftretende Hitze- und Trockenperioden angepasst werden können.


