Die extreme Trockenheit in Europa erreicht eine neue Dimension: Die Donau führt so wenig Wasser, dass Ungarn inzwischen Unterstützung bei den deutschen Oberliegern sucht. Das Land hat sich mit einer ungewöhnlichen Anfrage an das Regierungspräsidium Tübingen gewandt. Hintergrund sind die dramatisch niedrigen Wasserstände und die erheblichen Folgen für Energieversorgung, Schifffahrt und Umwelt.
Die anhaltende Hitze und der fehlende Niederschlag setzen der Donau auf ihrem gesamten Lauf zu. Auch in Baden-Württemberg sind die Wasserstände ungewöhnlich niedrig. Die Trockenheit betrifft dabei nicht nur einzelne Abschnitte, sondern zunehmend das gesamte Flusssystem. Besonders gravierend ist die Situation weiter flussabwärts in Ungarn. Dort hat das Niedrigwasser bereits direkte Auswirkungen auf die Energieversorgung.
Ungarn sucht nach Möglichkeiten für mehr Wasser
Vor diesem Hintergrund hat sich Ungarn an das Regierungspräsidium Tübingen gewandt. Die Anfrage zeigt, wie ernst die Situation inzwischen eingeschätzt wird. Dabei geht es um die Frage, ob und in welchem Umfang die Wasserführung der Donau beeinflusst werden kann. Eine einfache Lösung gibt es allerdings nicht. Wasser lässt sich nicht beliebig aus einem Flussabschnitt in einen anderen verlagern. Die Donau ist ein internationales Gewässer, ihre Wasserführung hängt von zahlreichen Zuflüssen, Niederschlägen und den Bedingungen entlang des gesamten Flusslaufs ab.
Energieversorgung gerät unter Druck
Besonders deutlich werden die Folgen in Ungarn. Das Atomkraftwerk Paks ist auf Donauwasser zur Kühlung angewiesen. Wegen der extrem niedrigen Wasserstände musste die Leistung des Kraftwerks bereits gedrosselt werden. Zuvor war das Kraftwerk sogar vollständig abgeschaltet worden. Paks produziert normalerweise einen erheblichen Anteil des ungarischen Stroms. Auch Wasserkraftwerke entlang der Donau arbeiten wegen der geringen Wassermengen mit deutlich reduzierter Leistung. Damit wird das Niedrigwasser zunehmend zu einem Problem für die Energieversorgung mehrerer Länder.
Schifffahrt nahezu zum Erliegen gekommen
Die niedrigen Pegelstände treffen auch die Binnenschifffahrt. In Österreich ist die Güterschifffahrt auf der Donau bereits massiv eingeschränkt, teilweise kommt sie nahezu vollständig zum Erliegen. Auch Kreuzfahrten mussten abgesagt werden. Für die Wirtschaft bedeutet das zusätzliche Belastungen. Waren können nicht mehr in den gewohnten Mengen transportiert werden, Ladungen müssen teilweise reduziert oder auf andere Verkehrsträger verlagert werden.
Trockenheit wird zum internationalen Problem
Die Entwicklung zeigt, dass Wassermangel längst nicht mehr nur ein regionales Umweltproblem ist. Die Folgen reichen von Landwirtschaft und Ökosystemen bis hin zu Energieversorgung und Logistik. Auch in Baden-Württemberg verschärft sich die Situation. Flüsse und Bäche führen vielerorts außergewöhnlich wenig Wasser, gleichzeitig sinken die Grundwasserstände. Für zahlreiche Gewässer gelten inzwischen Einschränkungen bei der Wasserentnahme.
Keine schnelle Entspannung in Sicht
Kurzfristig zeichnet sich keine grundlegende Entspannung ab. Zwar werden regional Gewitter und Niederschläge erwartet, doch einzelne Regenfälle reichen kaum aus, um die langfristig entstandenen Wasserdefizite auszugleichen. Experten warnen deshalb vor einer anhaltenden Belastung der Wasserressourcen. Die Anfrage aus Ungarn macht deutlich, wie weit die Auswirkungen inzwischen reichen: Ein historisches Niedrigwasser in Deutschland wird zum Problem für einen Staat hunderte Kilometer flussabwärts.


