Die Gewalt gegen Beschäftigte der Deutschen Bahn erreicht ein neues Ausmaß. Nach aktuellen Zahlen werden Bahnmitarbeiter mittlerweile nahezu täglich Opfer von Bedrohungen, Beleidigungen und körperlichen Angriffen. Die Zahl der registrierten Übergriffe bewegt sich auf einem neuen Höchststand und sorgt bei Unternehmen, Gewerkschaften und Sicherheitsbehörden für wachsende Besorgnis. Besonders alarmierend: Bereits in den ersten Monaten des laufenden Jahres wurden mehrere hundert Fälle von Körperverletzungen gegen Beschäftigte der Bahn erfasst. Hinzu kommen zahlreiche Bedrohungen sowie Fälle gefährlicher Körperverletzung. Statistisch gesehen werden Bahnmitarbeiter inzwischen durchschnittlich rund achtmal pro Tag Opfer eines Angriffs oder einer Bedrohung im Dienst.
Betroffen sind vor allem Zugbegleiter und Kontrolleure im Regionalverkehr, die bei Fahrkartenkontrollen oder der Durchsetzung des Hausrechts immer häufiger mit aggressiven Fahrgästen konfrontiert werden. Auch Sicherheitsmitarbeiter, Reinigungskräfte und Servicepersonal geraten zunehmend ins Visier gewaltbereiter Täter.
Konflikte bei Ticketkontrollen werden immer häufiger zur Gefahr
Viele Übergriffe entstehen im Zusammenhang mit fehlenden Fahrscheinen, Alkoholkonsum oder aggressivem Verhalten nach Großveranstaltungen und Fußballspielen. Bahnmitarbeiter berichten von Beschimpfungen, Drohungen, Spuckattacken und körperlicher Gewalt. Besonders in den Abend- und Nachtstunden verschärft sich die Situation auf zahlreichen Strecken und Bahnhöfen.
Die Debatte über die Sicherheit von Zugpersonal erhielt zuletzt zusätzliche Brisanz durch einen tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz. Der Mitarbeiter erlag später seinen schweren Verletzungen. Nach Angaben der Deutschen Bahn handelte es sich nach bisherigem Kenntnisstand um den ersten tödlichen Gewaltfall gegen einen Bahnmitarbeiter während des Dienstes.
Als Reaktion auf die zunehmende Gewalt stattet die Deutsche Bahn immer mehr Beschäftigte mit Bodycams aus. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Kameras Konflikte entschärfen und potenzielle Täter abschrecken. Darüber hinaus wurden Deeskalationstrainings ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei intensiviert. Die Bahn verfolgt nach eigenen Angaben eine konsequente Null-Toleranz-Strategie und fordert alle Beschäftigten dazu auf, jeden Vorfall zu melden, um das tatsächliche Ausmaß der Gewalt sichtbar zu machen.
Politik fordert härtere Maßnahmen zum Schutz des Personals
Angesichts der steigenden Zahlen werden die Forderungen nach mehr Sicherheit in Zügen und auf Bahnhöfen lauter. Diskutiert werden eine stärkere Präsenz der Bundespolizei, zusätzliche Sicherheitskräfte sowie die Besetzung besonders gefährdeter Strecken mit mehreren Mitarbeitern gleichzeitig. Experten und Gewerkschaften warnen bereits vor den Folgen für die Personalgewinnung. Immer mehr Beschäftigte berichten von Angst im Arbeitsalltag, während einige sogar einen Berufswechsel in Betracht ziehen.


