Die anhaltende Hitzewelle und extreme Trockenheit setzen Deutschlands Wäldern massiv zu. In mehreren Bundesländern kämpfen Feuerwehren gegen teils großflächige Brände, die sich durch Wind und ausgetrocknete Vegetation rasch ausbreiten. Besonders gefährlich wird die Situation dort, wo sich noch Kampfmittel aus vergangenen Kriegen im Boden befinden. Immer wieder kommt es zu Explosionen, die die Löscharbeiten erheblich erschweren und Einsatzkräfte in Lebensgefahr bringen.
Rheinland-Pfalz: Traisen vollständig geräumt
Besonders dramatisch ist die Lage im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Dort brach an einem Steilhang nahe der Gemeinde Traisen ein Waldbrand aus, der sich auf ein ehemaliges Munitionsgelände ausbreitete. Durch die im Boden liegenden Kampfmittel kommt es regelmäßig zu Detonationen, weshalb sich Feuerwehrleute nur eingeschränkt im Gefahrenbereich bewegen können. Aus Sicherheitsgründen wurde der gesamte Ort Traisen vorsorglich evakuiert. Die Behörden richteten Notunterkünfte ein und vermittelten besonders schutzbedürftigen Menschen Hotelzimmer. Rund 300 Einsatzkräfte versuchen weiterhin, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Zum Schutz der Feuerwehr kommen ferngesteuerte Wasserwerfer zum Einsatz, die ohne Personal direkt im Gefahrenbereich arbeiten können. Das betroffene Waldgebiet gilt zugleich als besonders wertvolles Naturschutzgebiet, dessen ökologische Bedeutung weit über die Region hinausreicht.
Gohrischheide: Erneut Feuer im munitionsbelasteten Wald
Auch an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg ist erneut ein Großbrand ausgebrochen. In der Gohrischheide standen innerhalb kurzer Zeit rund 16 Hektar Wald in Flammen. Das Gebiet war bereits im vergangenen Jahr Schauplatz eines der größten Waldbrände Sachsens seit Jahrzehnten. Die Brandbekämpfung wird durch alte Munition im Boden zusätzlich erschwert. Unterstützung erhalten die Feuerwehren inzwischen aus der Luft: Zwei Löschhubschrauber bekämpfen Glutnester, während am Boden gepanzerte Spezialfahrzeuge und Tanklöschfahrzeuge den Einsatz absichern. Trotz befürchteter Windböen konnte bislang verhindert werden, dass sich das Feuer weiter ausbreitet.
Mecklenburg-Vorpommern: Brand unter Kontrolle, Gefahr bleibt
Nach vier Tagen intensivem Einsatz konnten die Feuerwehren einen Großbrand bei Neustrelitz unter Kontrolle bringen. Zeitweise waren mehr als 400 Einsatzkräfte vor Ort. Entwarnung gibt es dennoch nicht. Der Waldboden ist weiterhin extrem heiß, während sich unter der Oberfläche zahlreiche Munitionsreste befinden. Feuerwehr und Forstbehörden konzentrieren sich deshalb darauf, gefährdete Randbereiche dauerhaft zu kühlen, um ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem ein Solarpark, der besonders geschützt werden muss.
Waldbrand im Harz fordert Feuerwehren und Löschflugzeuge
Auch im Harz kämpfen Einsatzkräfte gegen einen Waldbrand zwischen Wienrode und Treseburg. Das Feuer breitete sich in einem schwer zugänglichen Kiefernwald aus. Die steilen Hänge erschweren die Löscharbeiten erheblich. Mehrere Feuerwehren aus der Region sowie die Löschflugzeuge „Hexe 1“ und „Hexe 2“ sind im Einsatz. Zusätzlich wird Unterstützung aus Niedersachsen sowie ein weiteres Löschflugzeug aus Polen erwartet. Eine weitere Herausforderung stellt die Munitionsbelastung einzelner Waldabschnitte dar. Immer wieder sind Explosionen zu hören, weshalb Einsatzkräfte besondere Vorsicht walten lassen müssen. Aufgrund des laufenden Großeinsatzes konnten Feuerwehren aus dem Harz keine Unterstützung für einen weiteren Waldbrand bei Meuselwitz in Thüringen leisten.
Weitere Brände in Sachsen-Anhalt und Thüringen
Auch in Sachsen-Anhalt mussten Feuerwehren mehrfach ausrücken. Im Landkreis Stendal zerstörte ein vermutlich durch Blitzschlag ausgelöster Brand mehrere Hundert Quadratmeter Kiefernwald. Im Landkreis Harz konnte ein weiterer Waldbrand nach stundenlangen Löscharbeiten unter Kontrolle gebracht werden. Löschflugzeuge unterstützten die Einsatzkräfte aus der Luft. Zeitgleich kämpfen Feuerwehren bei Meuselwitz in Thüringen gegen einen weiteren großflächigen Vegetationsbrand auf einem ehemaligen Bergbaugelände. Die starke Rauchentwicklung ist teilweise noch in der Region Leipzig sichtbar.
Experten warnen vor weiter steigender Waldbrandgefahr
Angesichts der anhaltenden Hitze und ausbleibender Niederschläge rechnen Experten in den kommenden Tagen mit einer weiterhin hohen bis sehr hohen Waldbrandgefahr. Besonders betroffen bleiben Regionen mit ausgedehnten Kiefernwäldern sowie ehemalige Truppenübungsplätze und Munitionsflächen, auf denen Löscharbeiten nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen möglich sind. Die aktuellen Brände zeigen erneut, wie stark extreme Wetterlagen die Feuerwehren belasten und welche zusätzlichen Risiken von jahrzehntealten Kampfmitteln ausgehen. Solange Trockenheit und hohe Temperaturen anhalten, dürfte sich die Lage in vielen Teilen Deutschlands nur langsam entspannen.


