Anstieg bei Waffenscheinen in Niedersachsen

In Niedersachsen greifen immer mehr Menschen zu rechtlichen Möglichkeiten, sich zu bewaffnen. Wie das Innenministerium mitteilte, ist die Zahl der ausgestellten Waffenscheine im Jahr 2025 erneut gestiegen – insbesondere beim sogenannten kleinen Waffenschein. Die Entwicklung sorgt bei Sicherheitsbehörden und Polizei für wachsende Besorgnis.

Rekordzahlen beim kleinen Waffenschein

Ende Dezember 2025 waren landesweit 90.775 kleine Waffenscheine registriert. Das entspricht einem Anstieg von rund 2.800 gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig: Seit 2018 ist die Zahl um etwa 30.000 gestiegen. Der kleine Waffenschein erlaubt das Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit – Waffen, die zwar nicht tödlich sind, aber dennoch erhebliches Gefahrenpotenzial bergen.

Leichter Anstieg auch bei großen Waffenscheinen

Auch bei den sogenannten großen Waffenscheinen, die das Tragen scharfer Schusswaffen in der Öffentlichkeit erlauben, wurde ein leichter Zuwachs verzeichnet. Ende 2025 waren 642 dieser Genehmigungen registriert – etwa 20 mehr als im Jahr zuvor. Diese Art von Erlaubnis wird in der Regel nur in Ausnahmefällen erteilt, etwa für Personenschützer oder bei nachgewiesener erheblicher Gefährdung.

Waffenbesitzkarten leicht rückläufig

Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Waffenbesitzkarten (WBK) leicht gesunken. Ende 2025 lag sie bei 251.962 und damit rund 800 unter dem Vorjahreswert. Diese Karten berechtigen zum Erwerb und Besitz scharfer Schusswaffen und werden vor allem an Jäger und Sportschützen ausgegeben.

Polizei warnt vor wachsender Eskalationsgefahr

Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Aus ihrer Sicht deutet der Anstieg darauf hin, dass sich immer mehr Menschen unsicher fühlen und zur Selbstbewaffnung greifen. Gleichzeitig warnen Experten vor einer gefährlichen Dynamik: Wer eine Waffe mit sich führt, sei eher bereit, diese im Ernstfall auch einzusetzen.

Kritik an wachsendem Sicherheitsbedürfnis

Der Landesvorsitzende der GdP, Kevin Komolka, hält die Entwicklung für problematisch. Er betont, dass es objektiv keinen Anlass gebe, sich stärker zu bewaffnen – zumal die Kriminalitätszahlen in Niedersachsen weiterhin rückläufig seien. Umso bedenklicher sei es, dass viele Bürger offenbar dennoch ein wachsendes Bedürfnis nach Selbstschutz verspüren.

Zwischen Sicherheitsgefühl und realer Gefahr

Die steigenden Zahlen werfen eine grundlegende Frage auf: Spiegelt sich hier ein reales Sicherheitsproblem wider – oder vielmehr eine subjektiv empfundene Unsicherheit? Für die Polizei steht fest, dass eine zunehmende Bewaffnung der Bevölkerung eher Risiken erhöht als Sicherheit schafft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert