CO2-Austritt in Bad Meinberg

Bad Meinberg. Ein gefährlicher Gasaustritt hat in Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst. Im Bereich des Kurgastzentrums kam es am Mittwochmorgen zu einem massiven Austritt von Kohlendioxid (CO₂), der mehrere Menschen verletzte und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machte. Das Gebäude sowie der angrenzende historische Kurpark wurden vorübergehend komplett gesperrt. Geplante Veranstaltungen mussten kurzfristig abgesagt werden.

Zwei Personen bewusstlos – Rettung unter Atemschutz

Die Einsatzkräfte wurden gegen 07.50 Uhr mit der Meldung „Gasaustritt im Gebäude“ zum Kurgastzentrum alarmiert. Als Feuerwehrleute am Einsatzort eintrafen, bot sich ihnen eine dramatische Lage: Im Foyer des Gebäudes fanden sie zwei bewusstlose Personen, die unter schwerem Atemschutz aus dem Gefahrenbereich gerettet werden mussten.

Nach Angaben der Feuerwehr hatte zuvor eine CO₂-Warnanlage im Keller ausgelöst. Insgesamt fünf Menschen wurden verletzt, drei weitere Personen klagten im Außenbereich über gesundheitliche Beschwerden durch die erhöhte Gas-Konzentration. Alle Betroffenen wurden vom Rettungsdienst medizinisch versorgt und anschließend in Krankenhäuser gebracht.

Besonders kritisch war die Situation im Keller des Gebäudes. Dort verlor eine Mitarbeiterin während der Ereignisse das Bewusstsein. Ihr Mann konnte sie rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich bringen, zeigte anschließend jedoch ebenfalls Symptome einer Vergiftung.

Ursache: natürliche CO₂-Quelle im Kurpark

Im Laufe des Einsatzes konnten Experten die Ursache des Gasaustritts identifizieren. Das Kohlendioxid stammte aus einer nahegelegenen sogenannten Mofette, einer natürlichen vulkanischen Austrittsstelle, aus der CO₂ aus dem Erdinneren entweichen kann. Während Wartungsarbeiten an Schächten kam es offenbar zu einem unerwarteten unterirdischen Druckaufbau, wodurch große Mengen Gas in Richtung des Gebäudes gedrückt wurden.

Ein Feuerwehrsprecher erklärte, dass Bad Meinberg auf einem der größten natürlichen CO₂-Vorkommen Mitteleuropas liegt. Solche Austrittsstellen sind zwar bekannt, können jedoch unter bestimmten Bedingungen gefährlich werden.

Kurpark und Gebäude vollständig gesperrt

Aufgrund der Gefahrenlage sperrten die Einsatzkräfte den gesamten historischen Kurpark sowie das Kurgastzentrum großräumig ab. Auch angrenzende Praxen wurden vorsorglich geräumt. Messgeräte kontrollierten kontinuierlich die CO₂-Konzentration in der Umgebung, um Risiken für Anwohner, Pflegeeinrichtungen und Besucher auszuschließen.

Um die Situation zu stabilisieren, entschieden sich die Experten für eine ungewöhnliche Maßnahme: Das Gas wurde kontrolliert über ein Ventil abgelassen, anstatt die Austrittsstelle sofort zu verschließen. Die Einsatzleitung befürchtete, dass sich das Gas sonst unkontrolliert an anderer Stelle einen Weg an die Oberfläche suchen könnte.

Großeinsatz mit rund 120 Kräften

Der Einsatz entwickelte sich zu einer aufwendigen und technisch anspruchsvollen Operation. Rund 120 Einsatzkräfte waren beteiligt, darunter die Freiwillige Feuerwehr Horn-Bad Meinberg, der ABC-Zug des Kreises Lippe, Rettungsdienst, Polizei sowie weitere Fachkräfte.

Die Arbeiten dauerten insgesamt rund 15 Stunden. Erst am späten Abend gelang es den Einsatzkräften, den Gasaustritt vollständig unter Kontrolle zu bringen. Gegen 23 Uhr konnten die Maßnahmen beendet werden.

Bürgermeister: Keine Gefahr für Anwohner

Trotz der dramatischen Lage gab Bürgermeister Michael Ruttner Entwarnung für die Bevölkerung. Für Anwohner bestehe keine akute Gefahr, betonte er. Dennoch bleibt der Kurpark zunächst geschlossen, während Fachleute weiterhin Messungen durchführen und die Situation überwachen.

Der Vorfall zeigt erneut, welche Risiken natürliche CO₂-Quellen bergen können – insbesondere in Regionen, in denen das Gas aus dem Erdinneren austritt und sich unter ungünstigen Bedingungen in Gebäuden oder Senken ansammeln kann.

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