Mitten in der Nacht werden Tausende Menschen im Südwesten aus dem Schlaf gerissen: Möbel zittern, Wände knacken, ein dumpfes Grollen liegt in der Luft. Ein Erdbeben hat am späten Sonntagabend den Ortenaukreis in Baden-Württemberg erschüttert – spürbar bis in den Schwarzwald.
Epizentrum in Kippenheim
Nach Angaben des Landeserdbebendienstes lag das Epizentrum in Kippenheim. Automatische Messungen ergaben eine Magnitude von 2,4. Das Beben ereignete sich gegen 23 Uhr und dauerte nach Schilderungen von Betroffenen mehrere Sekunden.
Zahlreiche Menschen meldeten sich auf der Plattform Erdbebennews zu Wort. Sie berichteten von einem „lauten Grollen wie eine Welle“, gefolgt von spürbaren Erschütterungen. Häuser hätten fünf bis zehn Sekunden lang gewackelt, bevor wieder Ruhe eingekehrt sei.
Nach einem Modell des Erdbebenexperten Jens Skapski könnte das Beben für rund 18.000 Menschen wahrnehmbar gewesen sein. Hinweise auf Verletzte oder Gebäudeschäden liegen bislang nicht vor.
Südwesten besonders betroffen
Dass es ausgerechnet Baden-Württemberg traf, überrascht Fachleute nicht. Das Bundesland gilt als seismisch aktivste Region Deutschlands. Im internationalen Vergleich sprechen Experten zwar von einer moderaten Gefährdung – dennoch sind spürbare Erdbeben hier keine Seltenheit.
Bereits 2025 wurden im Land 14 spürbare Beben registriert. Wie der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg (LED) beim Regierungspräsidium Freiburg mitteilte, lagen 13 Epizentren innerhalb des Bundeslandes, ein weiteres im benachbarten Schweizer Grenzgebiet.
Spürbar sind Erdbeben nach Angaben des Dienstes in der Regel ab einer Magnitude von etwa 2,0 – also genau in dem Bereich, in dem auch das aktuelle Beben lag.
Engmaschige Überwachung rund um die Uhr
Der LED betreibt ein landesweites Messnetz mit rund 50 Stationen. Die Sensoren erfassen kontinuierlich seismische Aktivitäten, die Daten werden in Echtzeit in der Zentrale in Freiburg ausgewertet. Bei stärkeren Ereignissen erfolgt eine rasche Information der Behörden und der Öffentlichkeit.
Eine präzise Vorhersage von Erdbeben ist nach wie vor unmöglich. Allerdings ermöglichen geologische Analysen und historische Daten eine Einschätzung regionaler Risiken. Diese Erkenntnisse fließen in Bauvorschriften, Infrastrukturplanung und Katastrophenschutzkonzepte ein.
Das nächtliche Beben im Ortenaukreis zeigt erneut: Auch wenn die Erschütterungen vergleichsweise schwach waren, reichen wenige Sekunden aus, um die Menschen im Südwesten in Alarmbereitschaft zu versetzen.


