Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran weitet sich immer stärker auf die gesamte Region aus – und zieht nun auch deutsche Soldaten sowie tausende Zivilisten in unmittelbare Gefahrenzonen.
Bundeswehr-Stützpunkte unter Beschuss
Nach den anhaltenden Luftangriffen auf iranische Ziele und der Tötung von Irans oberstem Führer Ali Chamenei haben pro-iranische Milizen ihre Vergeltung intensiviert. Ziel der Angriffe: US-Einrichtungen im Irak und in Jordanien – darunter auch Standorte mit deutscher Beteiligung.
Betroffen war unter anderem der US-Stützpunkt nahe dem Flughafen von Erbil im Nordirak. Dort sind neben amerikanischen Soldaten auch Kräfte der Bundeswehr stationiert. Zudem wurde das Feldlager im jordanischen al-Azraq beschossen.
Das deutsche Operative Führungskommando bestätigte, dass beide Standorte am Sonntag Ziel von Raketen- und Drohnenangriffen wurden. An beiden Orten seien Luftverteidigungsmaßnahmen eingeleitet worden. Die deutschen Soldaten hätten sich rechtzeitig in Schutzbauten begeben und seien unverletzt. Auch einsatzwichtiges Material sei nicht beschädigt worden.
Nach Informationen des Der Spiegel konnten sämtliche Geschosse und Drohnen abgefangen werden. Ein US-Soldat wurde demnach durch herabfallende Trümmer leicht verletzt. Videos aus Erbil zeigen Explosionen und Feuer innerhalb des Militärgeländes.
Miliz reklamiert Angriff für sich
Die pro-iranische Miliz Saraya Awliya al-Dam bekannte sich zu dem Drohnenangriff auf „amerikanische Stützpunkte in Erbil“. In einer Erklärung bezeichnete sie die Attacke als direkte Vergeltung für die Tötung Chameneis. Man habe einen „Schwarm von Drohnen“ eingesetzt.
Die Bundeswehr hatte sich bereits vor Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf mögliche Gegenreaktionen vorbereitet. Vor allem im kurdischen Norden des Irak wurde das deutsche Kontingent auf ein Minimum reduziert. In Erbil sind nach Informationen aus Sicherheitskreisen noch zehn deutsche Soldaten stationiert. In Jordanien befindet sich eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Kräfte im Einsatz. Weitere Reduzierungen sind derzeit nicht beschlossen, werden jedoch geprüft.
Berlin, Paris und London drohen Teheran
Die Eskalation ruft nun auch Europas große Militärmächte auf den Plan. Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich veröffentlichten am Abend eine gemeinsame Erklärung. Darin verurteilen sie die „wahllosen und unverhältnismäßigen Raketenangriffe“ des Iran scharf.
Die drei Staaten kündigten an, ihre Interessen und die ihrer Verbündeten notfalls mit „verhältnismäßigen militärischen Defensivmaßnahmen“ zu schützen. Ziel könne es sein, die Fähigkeit Irans zum Abschuss von Raketen und Drohnen „an der Quelle“ zu zerstören. Man habe sich auf eine enge Abstimmung mit den USA und regionalen Partnern verständigt. Die Wortwahl markiert eine deutliche Verschärfung des Tons – und erhöht den Druck auf Teheran erheblich.
Explosion nahe deutschem Kreuzfahrtschiff
Während Militärbasen unter Beschuss stehen, geraten auch Zivilisten zunehmend in Gefahr. Im Hafen Port Zayed in Abu Dhabi schlugen zwei iranische Drohnen in ein Lagerhaus auf dem nahegelegenen Marinestützpunkt Al Salam ein. Schwarze Rauchwolken waren kilometerweit sichtbar.
Nur wenige Hundert Meter entfernt liegt das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 4 der Reederei TUI Cruises. Tausende Passagiere – darunter viele Deutsche – befinden sich an Bord. Augenzeugen berichten von Explosionen, Panik und wachsender Angst unter den Reisenden. Familien mit Kindern hätten teils in Tränen ausgebrochen, heißt es.
Die Stimmung sei angespannt, viele Passagiere wüssten nicht, wann und wie das Schiff den Hafen sicher verlassen könne. Innerhalb weniger Stunden sei aus einer Urlaubsreise eine Bedrohungssituation geworden.
Region am Rand des Flächenbrands
Mit Angriffen auf Militärstützpunkte in mehreren Ländern, Drohneneinschlägen nahe ziviler Infrastruktur und offenen militärischen Drohungen europäischer Staaten droht der Konflikt außer Kontrolle zu geraten. Der Tod Chameneis hat die Machtbalance in Teheran erschüttert – und gleichzeitig eine Welle der Vergeltung ausgelöst, die nun internationale Truppen und Zivilisten gleichermaßen erfasst.
Die Region steht vor einer weiteren Eskalationsstufe. Und ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.


