Leipzig. Leipzig wird derzeit von einer Serie teils brutaler Straftaten erschüttert, hinter denen nach Recherchen der Leipziger Volkszeitung eine kriminelle Kinderbande stehen soll. Die mutmaßlichen Täter sind allesamt strafunmündig – und dennoch offenbar für eine enorme Zahl an Delikten verantwortlich. Ermittler sprechen von rund 150 registrierten Straftaten, darunter Raubüberfälle, Diebstähle und Körperverletzungen.
Nach Angaben der Polizei agiert die Gruppe nicht nur in einzelnen Stadtteilen, sondern im gesamten Leipziger Stadtgebiet. Besonders häufig tauchten die Kinder bislang in der Großwohnsiedlung Grünau auf. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass derzeit mehrere strafunmündige Kinder als Tatverdächtige geführt werden, vor allem bei Gewaltdelikten.
Im Fokus der Ermittlungen stehen zwei elfjährige Brüder, die nach Einschätzung der Polizei eine führende Rolle innerhalb der Gruppe einnehmen sollen. Bei den Kindern handelt es sich laut LVZ um Zwillinge, die in Leipzig geboren wurden und über die deutsche sowie eine weitere Staatsangehörigkeit verfügen. Zu den familiären Hintergründen gibt es Hinweise auf schwierige Verhältnisse und behördliche Betreuung, diese Angaben sind jedoch nicht offiziell bestätigt.
Der harte Kern der Bande soll aus neun Jungen bestehen, insgesamt werden bis zu 14 Kinder und Jugendliche als beteiligt angesehen. Darunter befinden sich auch deutsche Staatsangehörige. Die Gewaltbereitschaft der Gruppe bereitet den Sicherheitsbehörden große Sorgen. Ein Ermittler schilderte gegenüber der Zeitung, man habe es mit einem außergewöhnlich hohen Gewaltlevel zu tun. Neben Schlägen und Tritten sollen auch Messer, Pfefferspray und Schreckschusswaffen eingesetzt worden sein.
Angesichts der Eskalation hat die Polizei eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich ausschließlich mit den Fällen rund um die mutmaßliche Kinderbande befasst. Erste Ermittlungserfolge gibt es offenbar bereits: Im Zusammenhang mit einem Angriff auf ein koscheres Café in Leipzig-Plagwitz Anfang Januar wurden zwei tatverdächtige Kinder im Alter von zehn und elf Jahren identifiziert.
Der Fall wirft nicht nur Fragen nach Sicherheit und Prävention auf, sondern auch nach dem Umgang mit hochgewalttätigen Kindern, die noch nicht strafmündig sind. Politik, Jugendhilfe und Polizei stehen zunehmend unter Druck, tragfähige Lösungen zu finden.


