Silvester: Festnahmen und tödliche Pyro-Unfälle

Berlin/Bielefeld/Hamburg/Leipzig. Der Jahreswechsel ist in Deutschland erneut von Gewalt, schweren Unfällen und Angriffen auf Einsatzkräfte überschattet worden. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren bundesweit im Großeinsatz. Besonders in den Großstädten kam es zu zahlreichen Zwischenfällen. In Berlin nahm die Polizei bis zum frühen Donnerstagmorgen rund 400 Menschen kurzzeitig fest. Mindestens 24 Einsatzkräfte wurden dort verletzt.

Nach einer ersten Bilanz sei die Silvesternacht in der Hauptstadt zwar etwas weniger eskaliert als in den Vorjahren, dennoch seien Polizistinnen und Polizisten wiederholt mit Böllern und Raketen attackiert worden, erklärte ein Polizeisprecher. Noch während der Nacht beschlagnahmten Einsatzkräfte kiloweise illegale Pyrotechnik, darunter auch besonders gefährliche Kugelbomben. Insgesamt waren allein in Berlin rund 4.300 Polizisten im Einsatz. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) mahnte: „Der Spaß endet, wenn Menschen angegriffen werden.“

Auch in anderen Städten kam es zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. In Hamburg wurden zehn Polizisten verletzt, in Leipzig wurden Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen. Besonders im Stadtteil Connewitz errichtete die Polizei Absperrungen, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Dort sowie in der Eisenbahnstraße und am Augustusplatz wurden Mülltonnen angezündet und Haltestellen beschädigt. Beim Räumen des Connewitzer Kreuzes flogen vereinzelt Glasflaschen, ein Räumpanzer kam zum Einsatz. Trotz der Vorfälle sprach die Polizei von einem insgesamt erwartbaren und vergleichsweise ruhigen Einsatz.

Tragisch verlief die Silvesternacht in Ostwestfalen: In Bielefeld starben zwei 18-Jährige bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik. In Baumheide wurde ein junger Mann tödlich verletzt, eine weitere Person erlitt schwere Verletzungen. Auch im Stadtteil Brake kam ein 18-Jähriger durch selbstgebastelte Sprengkörper ums Leben. Weitere schwere Verletzungen wurden aus anderen Regionen gemeldet: In der Nähe von Rostock verlor ein 23-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. In Leipzig wurde ein 16-jähriges Mädchen beim Zünden eines in Deutschland nicht zugelassenen Feuerwerkskörpers schwer an der Hand verletzt.

Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn meldete 25 Patientinnen und Patienten mit teils schwersten Handverletzungen, darunter Teil- oder vollständige Amputationen von Fingern oder ganzen Handteilen. Besonders alarmierend: Unter den Verletzten befanden sich erneut Kinder.

Gleichzeitig verliefen große, offiziell organisierte Feiern weitgehend friedlich. In Berlin feierten Tausende Menschen nahe dem Brandenburger Tor bei der Silvesterparty auf der Straße des 17. Juni, für die 25.000 Tickets vergeben worden waren. Auch in München meldeten die Veranstalter der Silvesterfeier auf der Ludwigstraße mit rund 10.000 Teilnehmenden keinerlei Zwischenfälle. Ähnlich ruhig blieb es bei der großen Silvestershow im Hamburger Hafen.

Über die Landesgrenzen hinaus eskalierte die Lage hingegen in den Niederlanden. Dort waren Böller und Raketen zu diesem Jahreswechsel letztmals erlaubt. In mehreren Städten kam es zu schweren Ausschreitungen. In Breda wurden Polizisten mit Molotowcocktails und Gehwegplatten attackiert, in Amsterdam geriet eine Kirche in Brand. Die Vorfälle verstärkten die Debatte über ein mögliches generelles Feuerwerksverbot.

Zusätzlich erschwerten winterliche Wetterbedingungen den Jahreswechsel. Der Deutsche Wetterdienst warnte in Teilen Deutschlands vor Glätte und Schnee, im Norden sorgte stürmisches Wetter für zusätzliche Gefahren.

Die Silvesternacht 2025/2026 zeigt erneut die Schattenseiten des Jahreswechsels: Trotz friedlicher Feiern vielerorts geraten Einsatzkräfte unter Beschuss, während illegale und selbstgebaute Pyrotechnik Menschenleben kostet. Die Forderungen nach strengeren Regeln und konsequenterem Vorgehen dürften nach dieser Nacht lauter werden.

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