China baut eigene Schattenflotte auf

Peking. China treibt nach Informationen von Bloomberg den Aufbau einer eigenen Schattenflotte für russisches LNG voran. Mit den Spezialtankern will die Volksrepublik riskante Lieferketten absichern, die wegen der US-Sanktionen gegen russische Energieexporte zunehmend unter Druck geraten. Experten sehen darin eine klare strategische Weichenstellung: Peking will sowohl seine Importwege diversifizieren als auch seine energiepolitische Bindung an Moskau ausbauen.

Das Vorgehen erinnert stark an die bereits existierende Schattenflotte für russisches Erdöl, bei der Schiffe unter verschleierten Eigentümerstrukturen und mit manipulierten Positionsdaten operieren, um Sanktionen zu umgehen.

Verschleierte Schiffsbewegungen und Briefkastenfirmen

Eines der auffälligen Schiffe ist der LNG-Tanker „CCH Gas“, der auf dem Weg nach China mehrfach seine Positionssignale deaktiviert hat – ein klassisches Merkmal sanktionierter Transporte. Die betreibende Reederei CCH-1 Shipping Co. ist in Hongkong unter derselben Adresse registriert wie das bekannte Briefkastenunternehmen Samxin Secretarial Services Ltd..

Ein weiteres Beispiel ist die „Kunpeng“, ein umbenannter LNG-Tanker, der vor Singapur liegt. Nach Daten der Plattform Equasis wurde das Schiff in diesem Jahr an weitgehend unbekannte Firmen in China und auf den Marshallinseln übertragen – ungewöhnlich für den technisch hochsensiblen LNG-Sektor, der traditionell von großen, etablierten Reedereien dominiert wird.

Auch Russland baut eigene Flotte auf

Parallel arbeitet auch Russland selbst daran, eine verdeckte LNG-Flotte zu etablieren. Inzwischen sollen mehr als ein Dutzend Schiffe in Ländern wie Indien und Russland registriert worden sein. Hintergrund ist der weitgehende Wegfall europäischer Käufer seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.

Während westliche Staaten den wirtschaftlichen Druck verstärken, versuchen Russland und China offenbar, inoffizielle Transportnetze zu entwickeln, um den Energiehandel aufrechtzuerhalten.

Technisch anspruchsvoller Schmuggel

Der Aufbau einer Schattenflotte für LNG gilt jedoch als besonders schwierig. Die Tanker müssen das tiefgekühlte Gas bei minus 162 Grad Celsius transportieren und benötigen dafür hochkomplexe Kühlsysteme. Zudem ist der weltweite Bestand an LNG-Schiffen mit etwa 800 Einheiten sehr klein – im Vergleich zu rund 8.000 Öltankern. Das macht Verschleierung und Ersatzbeschaffungen deutlich komplizierter.

Dass China dennoch mit dem Aufbau einer eigenen Flotte beginnt, ist ein deutliches Zeichen: Der Energiepakt zwischen Peking und Moskau wird weiter vertieft – selbst wenn dafür ein riskantes Schattennetz nötig ist.

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