Zyklon „Jolinda“ verwüstet Süditalien

Cosenza. Was als ausgelassenes Frühlingsfest begann, endete in einem Szenario der Zerstörung: In Cosenza hat der Zyklon „Jolinda“ am Sonntagabend mit voller Wucht zugeschlagen und die traditionsreiche Fiera di San Giuseppe innerhalb weniger Stunden in ein Trümmerfeld verwandelt.

Noch am Nachmittag strömten Hunderte Besucher über den Viale Mancini, wo mehr als 450 Händler ihre Waren präsentierten – von Keramik über Textilien bis hin zu Pflanzen. Doch am Abend kippte die Stimmung abrupt: Orkanartige Böen, Starkregen und offenbar sogar ein Tornado rissen Stände auseinander, schleuderten Planen durch die Luft und zerstörten große Teile der Auslagen. Augenzeugen berichteten von panikartigen Szenen, als Besucher und Händler vor den Wassermassen flohen. Die Straßen verwandelten sich binnen Minuten in reißende Ströme.

Stadtteile überflutet – Infrastruktur teilweise lahmgelegt

Die Verwüstungen beschränkten sich nicht auf das Festgelände. Besonders betroffen waren die Viertel Vaglio Lise und die Via Popilia, wo umstürzende Bäume Autos unter sich begruben. Mehrere Stadtteile meldeten schwere Überschwemmungen, der Verkehr kam nahezu vollständig zum Erliegen. Trotz der dramatischen Lage gab es nach bisherigen Berichten keine Verletzten – ein Umstand, den viele als glücklichen Zufall bezeichnen.

Vorwürfe gegen die Stadtführung werden lauter

Während Bürgermeister Franz Caruso betonte, alles Nötige zur Bewältigung der Krise zu unternehmen, wächst der öffentliche Druck. Scharfe Kritik kommt insbesondere vom Journalisten Gabriele Carchidi, der den Behörden schweres Versagen vorwirft.

In einer vielbeachteten Stellungnahme erklärte er, das Unwetter sei seit Tagen vorhergesagt worden – dennoch habe die Stadt keinerlei präventive Maßnahmen ergriffen. Stattdessen habe sich die Stadtspitze auf die feierliche Eröffnung des Jahrmarkts konzentriert. Seine Forderung: Entschädigungen für die betroffenen Händler – inklusive Zinsen.

Ausnahmezustand: Schulen geschlossen, Schäden werden geprüft

Die Behörden reagierten am Folgetag mit drastischen Maßnahmen. In ganz Cosenza blieben Schulen geschlossen, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten und mögliche Gebäudeschäden zu überprüfen. Einsatzkräfte und Techniker sind weiterhin im Dauereinsatz, um das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen und die Infrastruktur zu sichern. Für die gesamte Region Kalabrien wurde die Warnstufe Orange ausgerufen.

Auch Norditalien betroffen: Schneechaos in den Alpen

Während der Süden mit Sturm und Überschwemmungen kämpft, versinkt der Norden im Schnee. In Macugnaga, einem Ort am Fuße des Monte-Rosa-Massivs, türmten sich die Schneemassen innerhalb weniger Stunden auf bis zu 1,5 Meter Höhe – deutlich mehr als die prognostizierten 30 bis 70 Zentimeter.

Straßen wurden unpassierbar, Autos vollständig eingeschneit und zahlreiche Gebäude gelten als gefährdet. Der Bahnverkehr der Vigezzina-Linie musste eingestellt werden. Auch hier blieben Schulen und Kindergärten vorsorglich geschlossen, während Anwohner mit Schneeschaufeln gegen die Naturgewalten ankämpfen.

Extreme Wetterlage verschärft sich

Die Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Intensität extremer Wetterphänomene in Italien. Innerhalb weniger Stunden trafen zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen zerstörerische Wetterlagen das Land – mit erheblichen Folgen für Infrastruktur, Wirtschaft und Bevölkerung.

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