Berlin. In deutschen Privathaushalten lagern mehr als fünf Millionen registrierte Schusswaffen – und Zehntausende davon sind verschwunden. Neue Zahlen aus dem Bundesministerium des Innern (BMI), die auf Daten des Nationales Waffenregister (NWR) beruhen, zeichnen ein alarmierendes Bild: Trotz strenger Aufbewahrungsvorschriften steigt die Zahl gestohlener und verlorener Waffen deutlich an.
Über fünf Millionen Waffen in Privatbesitz
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren demnach 5.011.020 Schusswaffen sowie 526.387 wesentliche Waffenteile – etwa Austauschläufe – in privater Hand registriert. Insgesamt sind damit mehr als 5,5 Millionen relevante Waffenobjekte im Umlauf. Binnen zehn Jahren stieg die Zahl um 3,8 Prozent.
Deutschland zählt rund zwei Millionen Jäger, Sportschützen und Waffensammler. Für sie gelten strenge Sicherheitsauflagen: Waffen müssen in zertifizierten, gepanzerten Tresoren aufbewahrt werden, häufig fest im Mauerwerk oder Boden verankert. Elektronische Sicherheitsschlösser sind Standard. Doch selbst diese Hürden verhindern nicht, dass Waffen in erheblicher Zahl abhandenkommen.
Fast 50.000 Waffen verschwunden
Laut NWR sind derzeit 48.579 Waffen und Waffenteile als gestohlen oder verloren gemeldet. Konkret wurden 9.058 Waffen und 324 Waffenteile als gestohlen registriert. Weitere 38.277 Waffen sowie 920 Waffenteile gelten als verloren. Seit 2019 entspricht das einem Anstieg um 148 Prozent – eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden beunruhigt.
Polizeigewerkschaft warnt vor Schwarzmarkt
Manuel Ostermann, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), zeigt sich alarmiert. Mehr als 9000 als gestohlen gemeldete Waffen seien „erschreckend“. Wer gezielt Waffenschränke aufbreche, handle hochprofessionell und skrupellos.
Ostermann warnt vor einer Weitergabe auf dem Schwarzmarkt: Gestohlene Schusswaffen könnten in die Hände organisierter Kriminalität gelangen. Seine Forderung: mehr finanzielle Mittel, zusätzliche Befugnisse und spezialisierte Ermittler, um den illegalen Waffenhandel wirksam zu bekämpfen.
Sicherheitsdebatte dürfte sich verschärfen
Die stark gestiegene Zahl nicht mehr auffindbarer Waffen dürfte die Debatte über Kontrollen, Meldepflichten und mögliche Verschärfungen im Waffenrecht neu entfachen. Während legale Waffenbesitzer strenge Vorgaben erfüllen müssen, zeigt die Statistik: Ein Restrisiko bleibt – mit potenziell gravierenden Folgen für die innere Sicherheit.


