Zehn Ukrainer besiegen zwei Nato-Bataillone

Bei einem Nato-Manöver in Estland haben zehn ukrainische Soldaten offenbar eindrucksvoll vorgeführt, wie sehr sich moderne Gefechtsführung verändert hat – und wie verwundbar klassische Verbände sein können. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Teilnehmer und Militärvertreter.

Demnach gelang es der kleinen ukrainischen Einheit, innerhalb weniger Stunden zwei Nato-Bataillone kampfunfähig zu machen. Insgesamt sollen 17 gepanzerte Fahrzeuge „ausgeschaltet“ worden sein – rein im Übungsszenario. Entscheidend war dabei eine konsequent eingesetzte Drohnen-Taktik.

Drohnen gegen Konvoi-Taktik

Rund 30 Drohnen seien auf einem Areal von etwa zehn Quadratkilometern eingesetzt worden. Nach Angaben der Beteiligten identifizierten die Ukrainer mechanisierte Einheiten schnell aus der Luft und simulierten gezielte Schläge. Tarnung oder effektive Gegenmaßnahmen habe es auf Seiten der Nato-Truppen kaum gegeben.

Ein Übungsteilnehmer schilderte dem Blatt, die Soldaten hätten „einfach ihre Zelte und Fahrzeuge abgestellt“, ohne sich ausreichend zu verbergen. Ein Mitwirkender auf ukrainischer Seite erklärte, Fahrzeuge und Verbände seien „sehr einfach zu finden“ gewesen – es habe „keine Chance gegeben, sich zu verstecken“.

Deutliche Worte aus dem Nato-Lager

Die Auswertung soll intern für erhebliche Unruhe gesorgt haben. Ein Nato-Kommandeur fasste das Ergebnis laut Bericht drastisch zusammen: „Wir sind am Arsch.“ Auch der estnische Militärexperte Aivar Hanniotti sprach von „schrecklichen“ Resultaten. Seiner Einschätzung nach fehlt es vielen Nato-Staaten an einem „fundamentalen Verständnis des modernen Schlachtfelds“.

Die Übung macht deutlich, wie stark die Gefechtsrealität in der Ukraine den militärischen Alltag verändert hat. Während an der realen Front teils doppelt so viele Drohnen auf vergleichbarer Fläche im Einsatz sind, scheinen westliche Streitkräfte noch immer mit klassischen Mechanismen zu operieren – sichtbar, angreifbar, vorhersehbar.

Weckruf für das Bündnis?

Der Vorfall dürfte die Debatte über Drohnenabwehr, Tarnkonzepte und Gefechtsführung im Nato-Rahmen weiter anheizen. Die Übung in Estland zeigt: Technologische Anpassung ist keine Option, sondern Überlebensfrage.

Was als Trainingsszenario begann, könnte sich als strategischer Weckruf für das gesamte Bündnis erweisen.

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