Die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Nach aktuellen Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) gelten derzeit 410 Menschen als sogenannte Gefährder im Bereich des islamistischen Terrorismus und Extremismus. Die Zahlen beziehen sich auf den Stand vom 1. Juli 2026 und wurden vom BKA gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland bestätigt. Als Gefährder werden Personen eingestuft, bei denen die Sicherheitsbehörden davon ausgehen, dass sie künftig schwere politisch motivierte Straftaten bis hin zu terroristischen Anschlägen begehen könnten. Damit stellt der islamistische Extremismus weiterhin die mit Abstand größte Gruppe unter den Gefährdern dar. Zum Vergleich: Im Bereich des Rechtsextremismus werden 65 Personen als Gefährder geführt, im Linksextremismus sind es 17.
Islamismus deutlich vor Rechts- und Linksextremismus
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das unterschiedliche Gefährdungspotenzial, das die Sicherheitsbehörden den verschiedenen extremistischen Phänomenbereichen zuschreiben. Mit 410 islamistischen Gefährdern liegt die Zahl mehr als sechsmal so hoch wie im Bereich des Rechtsextremismus. Gegenüber dem Linksextremismus ist der Abstand noch größer. Insgesamt führt das BKA damit 492 Gefährder in den drei genannten Phänomenbereichen. Die Zahlen bilden allerdings nicht das gesamte Spektrum politisch motivierter Gewalt ab. Sie beziehen sich ausschließlich auf Personen, die von den zuständigen Behörden als Gefährder eingestuft wurden.
Gefährder-Einstufung ist eine Einzelfallentscheidung
Die Einstufung als Gefährder erfolgt nicht unmittelbar durch das BKA. Zuständig sind nach Angaben der Behörde die jeweiligen Bundesländer nach dem sogenannten Wohnortprinzip. Ob eine Person als Gefährder eingestuft oder wieder aus dieser Kategorie herausgenommen wird, hängt von verschiedenen Faktoren und einer individuellen Bewertung des jeweiligen Falls ab. Deshalb kann sich die Zahl im Laufe der Zeit verändern. Das BKA weist ausdrücklich darauf hin, dass die reine Anzahl der Gefährder kein alleiniger Maßstab für die tatsächliche Gefährdungslage in einem Phänomenbereich ist. Auch aus einem Anstieg oder Rückgang der Zahl lässt sich daher nicht automatisch ableiten, dass die konkrete Terrorgefahr im gleichen Umfang gestiegen oder gesunken ist.
Sicherheitsbehörden stehen vor schwieriger Aufgabe
Für Polizei und Nachrichtendienste stellt der Umgang mit potenziellen Gefährdern eine besondere Herausforderung dar. Die Behörden müssen einschätzen, von welchen Personen tatsächlich eine konkrete Gefahr ausgehen könnte und welche Maßnahmen im Einzelfall erforderlich sind. Dabei spielen unter anderem Erkenntnisse über extremistische Aktivitäten, Kontakte in entsprechende Netzwerke und Hinweise auf eine mögliche Gewaltbereitschaft eine Rolle. Gleichzeitig müssen Sicherheitsmaßnahmen rechtsstaatlichen Vorgaben entsprechen. Nicht jede Person, die als Gefährder eingestuft wird, befindet sich zudem automatisch in Haft. Je nach Einzelfall kommen unterschiedliche Instrumente der Gefahrenabwehr und Überwachung infrage.
Islamistische Bedrohung bleibt im Fokus
Die aktuellen Zahlen unterstreichen, dass der islamistische Terrorismus für die deutschen Sicherheitsbehörden weiterhin ein zentrales Gefahrenfeld darstellt. Deutschland bleibt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden im Zielspektrum verschiedener terroristischer Organisationen und extremistischer Akteure. Dabei hat sich die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren verändert. Neben etablierten terroristischen Netzwerken beobachten die Behörden insbesondere die Radikalisierung einzelner Personen und sogenannte Einzeltäter. Die Verbreitung extremistischer Propaganda über das Internet und soziale Netzwerke kann dabei eine wichtige Rolle spielen.
Die Sicherheitsbehörden müssen deshalb nicht nur bekannte Personen und Strukturen im Blick behalten, sondern auch neue Radikalisierungsprozesse möglichst früh erkennen.
Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte
Die 410 islamistischen Gefährder sind eine wichtige statistische Größe, dürfen jedoch nicht mit der Gesamtzahl islamistischer Extremisten in Deutschland gleichgesetzt werden. Die Kategorie „Gefährder“ beschreibt lediglich jene Personen, denen die Behörden die Begehung schwerer politisch motivierter Straftaten zutrauen. Darüber hinaus gibt es sogenannte „Relevante Personen“. Dabei handelt es sich unter anderem um Personen, denen eine unterstützende Rolle im Umfeld von Gefährdern zugeschrieben wird. Auch diese Gruppe wird von den Sicherheitsbehörden beobachtet und bewertet.
Die tatsächliche Sicherheitslage ist daher komplexer als die bloße Zahl der Gefährder. Entscheidend sind auch die Aktivitäten extremistischer Netzwerke, aktuelle Gefährdungshinweise sowie die Entwicklung der internationalen Terrorismuslage.
Rechtsextremismus bleibt ebenfalls ein Sicherheitsproblem
Trotz der deutlich höheren Zahl islamistischer Gefährder bleibt auch der Rechtsextremismus ein bedeutendes Arbeitsfeld der Sicherheitsbehörden. Aktuell werden 65 Personen aus diesem Bereich als Gefährder eingestuft. Auch hier gilt: Die Zahl der Gefährder bildet nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Bedrohung ab. Politisch motivierte Straftaten können von Personen begangen werden, die zuvor nicht als Gefährder bekannt waren oder die nicht in diese Kategorie fallen. Der Linksextremismus spielt bei der aktuellen Gefährderzahl mit 17 Personen zahlenmäßig eine geringere Rolle. Dennoch beobachten die Behörden auch in diesem Bereich gewaltorientierte Strukturen und Entwicklungen.
Deutschland bleibt vor terroristischen Gefahren gewarnt
Die aktuelle Statistik des BKA zeigt vor allem eines: Die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus ist in Deutschland weiterhin präsent. 410 als Gefährder eingestufte Personen bedeuten für die Sicherheitsbehörden einen erheblichen Überwachungs- und Bewertungsaufwand. Gleichzeitig warnt das BKA davor, die Gefährderzahl isoliert zu betrachten. Entscheidend für die Bewertung der Sicherheitslage sind zahlreiche weitere Faktoren. Dazu gehören konkrete Hinweise auf Anschlagsplanungen ebenso wie die Entwicklung extremistischer Szenen und die internationale Lage.
Für Politik und Sicherheitsbehörden bleibt damit die zentrale Aufgabe, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen und Anschläge zu verhindern. Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass der islamistische Extremismus dabei weiterhin einen Schwerpunkt der deutschen Terrorismusbekämpfung bildet.


