US-Präsident Donald Trump hat ein weitreichendes Öl-Abkommen mit Venezuela verkündet. Nach seinen Angaben erhalten die Vereinigten Staaten durch die Vereinbarung die Mehrheitskontrolle über 65 Milliarden Barrel venezolanischer Erdölvorkommen. Trump spricht bereits vom größten Öl-Deal der Weltgeschichte – doch zahlreiche Details der Vereinbarung sind bislang offen. Nach Angaben Trumps wurde das Abkommen mit der geschäftsführenden venezolanischen Präsidentin Delcy Rodríguez abgestimmt. Auch private Unternehmen sollen an der Vereinbarung beteiligt sein.
Trump erklärte, durch den Zugang zu den venezolanischen Vorkommen würden sich die Ölreserven der USA mehr als verdoppeln. Unklar bleibt bislang jedoch, wie die Kontrolle über die Reserven konkret organisiert werden soll und welche Unternehmen künftig in Venezuela tätig werden.
Venezuela besitzt die größten bekannten Ölreserven der Welt
Venezuela verfügt über mehr als 303 Milliarden Barrel und besitzt damit die größten bekannten Erdölreserven weltweit. Die tatsächliche Fördermenge liegt allerdings weit unter diesem Potenzial. Nach Jahren wirtschaftlicher Probleme, mangelhafter Infrastruktur und internationaler Sanktionen produziert das Land derzeit nur rund 1,25 Millionen Barrel Öl pro Tag. Gerade die schlechte Infrastruktur könnte zum entscheidenden Problem für die geplante Öffnung des venezolanischen Ölsektors werden. US-Energiekonzerne hatten sich zuvor zurückhaltend gezeigt. Neben den technischen Schwierigkeiten spielen auch frühere Enteignungen ausländischer Unternehmen eine Rolle.
Washington hatte Caracas massiv unter Druck gesetzt
Dem Abkommen war eine Phase erheblichen politischen Drucks vorausgegangen. Die US-Regierung hatte Venezuela gedrängt, amerikanischen Unternehmen Zugang zu den gewaltigen Erdölvorkommen des Landes zu ermöglichen. Die politische Lage hatte sich Anfang 2026 dramatisch verändert. Nach einem US-Militäreinsatz in Caracas wurde der damalige Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Maduro sitzt inzwischen in New York in Haft und muss sich dort wegen des Vorwurfs des „Drogenterrorismus“ verantworten.
Öl wird erneut zum geopolitischen Machtfaktor
Der nun verkündete Deal könnte weit über die Energiepolitik hinausreichen. Der Zugriff auf venezolanische Ölreserven würde den Vereinigten Staaten zusätzlichen Einfluss auf einem der strategisch wichtigsten Rohstoffmärkte der Welt verschaffen. Zugleich kommt die Vereinbarung zu einem Zeitpunkt, an dem die strategischen Ölreserven der USA laut Tagesschau auf dem niedrigsten Stand seit November 1982 liegen.
Ob aus Trumps Ankündigung tatsächlich ein langfristig tragfähiges Wirtschaftsabkommen entsteht, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die USA und beteiligte Unternehmen bereit sind, Milliarden in die marode venezolanische Ölindustrie zu investieren. Mit dem angekündigten Abkommen könnte Venezuela erneut zu einem zentralen Schauplatz amerikanischer Energie- und Machtpolitik werden.


