Streiks bei der Lufthansa ab Donnerstag

Reisende müssen sich am Donnerstag auf massive Einschränkungen im Luftverkehr einstellen: Bei der Lufthansa kommt es zu einem ganztägigen Doppelstreik. Sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch die Kabinengewerkschaft UFO haben zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Bestreikt werden sämtliche Abflüge der Lufthansa aus Deutschland – mit spürbaren Folgen für Zehntausende Passagiere.

Der Streik beginnt um 0.01 Uhr und endet um 23.59 Uhr. Betroffen sind nicht nur die Kernmarke Lufthansa, sondern auch die Frachttochter Lufthansa Cargo. Wie viele Flüge tatsächlich ausfallen oder verspätet sind, war zunächst offen. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man warte noch auf detaillierte Angaben der Gewerkschaften, gehe jedoch von erheblichen Beeinträchtigungen aus.

Gewerkschaften machen Lufthansa verantwortlich

Die Pilotengewerkschaft VC sieht die Verantwortung für die Eskalation klar beim Konzern. VC-Präsident Andreas Pinheiro erklärte, man habe eine Zuspitzung des Konflikts vermeiden wollen. Die Gewerkschaft sei jederzeit zu Gesprächen bereit gewesen und habe mehrfach versucht, Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen. Ohne Erfolg.

Konkret fordert die VC für rund 4.800 Pilotinnen und Piloten verbesserte Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Eine entsprechende Urabstimmung läuft bereits seit dem Herbst, die Mehrheit der Mitglieder sprach sich für Arbeitskampfmaßnahmen aus. Das Lufthansa-Management lehnt die Forderungen bislang ab und verweist auf hohe Kosten sowie die aus seiner Sicht geringe Profitabilität der Premium-Airline.

Pinheiro betonte, man habe dem Unternehmen nach der Urabstimmung bewusst mehrere Monate Zeit gegeben, um doch noch eine verhandlungsfähige Lösung zu finden. Dieses Zeitfenster sei ungenutzt verstrichen. Die Leidtragenden seien nun erneut die Passagiere – für deren Verständnis die VC ausdrücklich um Entschuldigung bat.

Kabinengewerkschaft UFO erhöht ebenfalls den Druck

Parallel dazu ruft auch die Kabinengewerkschaft UFO zum Warnstreik auf – ohne vorherige Urabstimmung. Ziel ist es, festgefahrene Tarifverhandlungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der Regionaltochter Cityline wieder in Gang zu bringen. Nach Angaben von UFO sind dort rund 800 Arbeitsplätze durch die aktuelle Konzernstrategie gefährdet. Die Gewerkschaft fordert einen tariflich abgesicherten Sozialplan.

UFO wirft dem Lufthansa-Management vor, Gespräche systematisch zu verweigern. Insbesondere beim Manteltarifvertrag für das Kabinenpersonal warte man seit geraumer Zeit vergeblich auf ernsthafte Verhandlungen. Unter dem Deckmantel von „Produktivität“ und „Flexibilität“ verlange der Konzern weitere tarifliche Verschlechterungen, kritisiert UFO-Tarifexperte Harry Jaeger. Diese führten zu höherer Arbeitsbelastung und einer noch schlechteren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Gleichzeitig, so der Vorwurf, blockiere der Arbeitgeber jede Diskussion über Schutzmechanismen für die Beschäftigten, die die Folgen des aktuellen Sparkurses abfedern könnten.

Kritik an Konzernstrategie mit Billig-Töchtern

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht auch die strategische Neuausrichtung der Lufthansa. Mit der Gründung neuer Flugbetriebe wie Lufthansa City Airlines und Discover verfolgt der Konzern das Ziel, zu deutlich günstigeren Tarifbedingungen zu fliegen. Dort verdienen die Crews weniger als bei der Kernmarke – was nach Ansicht der Gewerkschaften gezielt Druck auf die bestehenden Belegschaften ausübt.

Der gleichzeitige Streik von Cockpit und Kabine markiert damit eine neue Eskalationsstufe im Tarifkonflikt. Für Donnerstag bedeutet das für viele Reisende: Umbuchungen, lange Wartezeiten und gestrichene Flüge. Ob und wann sich die Fronten wieder annähern, ist derzeit offen.

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