Spanien: 39 Tote bei schwerem Zugunglück

Eine der schwersten Eisenbahnkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte hat Spanien erschüttert. Im Süden des Landes sind bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der Provinz Córdoba mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium korrigierte die Opferzahl am Montagmorgen nach oben. Dutzende weitere Passagiere wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Nach Angaben von Verkehrsminister Óscar Puente mussten mindestens 30 Menschen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Alle Verletzten, die medizinisch versorgt werden mussten, seien inzwischen in Kliniken gebracht worden. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und weiten Teilen Andalusiens wurde mindestens für den gesamten Montag eingestellt.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend nahe der Stadt Adamuz. Ein Zug des privaten Betreibers Iryo, unterwegs von Málaga nach Madrid, entgleiste aus bislang ungeklärter Ursache auf einem geraden Streckenabschnitt und geriet auf das Nachbargleis. Dort kollidierte er frontal mit einem Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe, der in Richtung Huelva unterwegs war. Beide Züge entgleisten. Medienberichten zufolge befanden sich insgesamt rund 400 Passagiere an Bord.

Warum es zu der Entgleisung kam, ist weiterhin unklar. Verkehrsminister Puente sprach von einem „extrem seltsamen“ Unfall. Die betroffene Strecke sei erst kürzlich renoviert worden, zudem handle es sich bei dem Iryo-Zug um ein nahezu neues Fahrzeug. Ermittler prüfen nun technische Defekte, mögliche Signalfehler und weitere Ursachen.

Die Bilder von der Unglücksstelle zeugen vom Ausmaß der Zerstörung. Mehrere Waggons stürzten bis zu vier Meter tief einen Bahndamm hinab. Rettungskräfte arbeiteten stundenlang unter schwierigsten Bedingungen. „Alles ist vollkommen zerstört“, sagte Córdobas Feuerwehrchef Francisco Carmona dem staatlichen Sender TVE. Teilweise hätten Tote geborgen werden müssen, um eingeschlossene Überlebende zu erreichen.

Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen. Eine Passagierin des Renfe-Zuges schilderte, der Zug sei „mit einem Ruck zum Stillstand gekommen“, anschließend sei alles dunkel geworden. Ein Überlebender aus dem Iryo-Zug sprach von Bildern „wie in einem Horrorfilm“ und einem Aufprall, bei dem der Zug kurz vor dem Auseinanderbrechen gestanden habe.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich tief betroffen. Er sprach von einer „Nacht des tiefen Schmerzes für unser Land“ und sicherte den Angehörigen der Opfer staatliche Unterstützung zu. An den Bahnhöfen in Madrid, Córdoba, Sevilla, Málaga und Huelva wurden Anlaufstellen für Familien und Freunde der Betroffenen eingerichtet.

Spanien verfügt über das größte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas mit mehr als 3000 Kilometern spezieller Trassen. Umso größer ist der Schock über das Unglück, das Erinnerungen an die Katastrophe von Santiago de Compostela im Jahr 2013 weckt, bei der 80 Menschen ums Leben kamen. Die Aufklärung des aktuellen Unfalls dürfte nun höchste politische und gesellschaftliche Priorität haben.

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