Polen wollen deutschen Tankansturm unterbinden

Der starke Anstieg der Kraftstoffpreise in Deutschland treibt immer mehr Autofahrer über die Grenze nach Polen. Besonders in der Grenzstadt Świnoujście auf der Insel Usedom kommt es derzeit zu einem regelrechten Ansturm deutscher Tanktouristen. Die Folge: lange Schlangen an Tankstellen – und zunehmend auch Versorgungsprobleme für die lokale Bevölkerung.

Während Autofahrer im nahegelegenen Heringsdorf in Deutschland für einen Liter Diesel zuletzt bis zu 2,07 Euro bezahlen mussten, liegt der Preis im polnischen Świnoujście bei rund 1,38 Euro. Auch Benzin ist deutlich günstiger: Super E10 kostet dort etwa 1,33 Euro pro Liter, während in Deutschland rund 2,10 Euro fällig werden.

Große Ersparnis lockt Tanktouristen

Für viele Autofahrer lohnt sich die Fahrt über die Grenze. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern können mehr als 30 Euro eingespart werden. Deshalb nehmen zahlreiche Deutsche auch längere Wartezeiten in Kauf. Viele Fahrer beschränken sich allerdings nicht mehr auf das Befüllen ihres Fahrzeugtanks. Beobachtern zufolge bringen immer mehr Tankkunden zusätzliche Kanister mit, um größere Mengen Kraftstoff mitzunehmen.

Tankstellen melden Engpässe

Der starke Andrang sorgt inzwischen für spürbare Probleme. Laut lokalen Behörden waren mehrere Tankstellen zeitweise ausverkauft und mussten den Betrieb vorübergehend einstellen. Die Bürgermeisterin von Świnoujście, Joanna Agatowska, warnte vor Versorgungsengpässen für die Bevölkerung. Es gehe inzwischen nicht mehr nur um hohe Preise, sondern um die Sicherstellung der Kraftstoffversorgung für Einwohner und kommunale Einrichtungen.

Forderung nach Verkaufsbeschränkungen

Als Reaktion auf die Situation fordert die Stadtverwaltung nun Maßnahmen gegen den massiven Tanktourismus. Agatowska appellierte an die Betreiber der Tankstellen, den Verkauf von Kraftstoff in Kanistern auf maximal 20 Liter zu begrenzen. Außerdem sollen die Behörden stärker darauf achten, dass bestehende Vorschriften beim Transport von Kraftstoff über die Grenze eingehalten werden.

Zollregeln sorgen für zusätzliche Kontrollen

Nach EU-Regeln dürfen Autofahrer zwar grundsätzlich Kraftstoff für den Eigenbedarf mitführen. Dennoch gelten Mengenbeschränkungen. In zusätzlichen Kanistern sind meist bis zu 20 Liter erlaubt – steuerfrei ausgeführt werden dürfen jedoch häufig nur geringere Mengen. Die Stadtverwaltung empfiehlt Autofahrern deshalb, sich strikt an diese Grenzen zu halten, um Probleme bei möglichen Kontrollen zu vermeiden.

Preisunterschied bleibt groß

Ein Grund für die niedrigeren Preise in Polen liegt in der unterschiedlichen Steuerpolitik. Kraftstoffe werden dort weniger stark belastet als in Deutschland. Zudem hat der staatliche Energiekonzern größeren Einfluss auf die Preisgestaltung. Solange dieser Preisunterschied besteht, rechnen Experten damit, dass der Tanktourismus an der deutsch-polnischen Grenze weiter anhalten wird – und die Diskussion über mögliche Einschränkungen weiter anheizt.

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