Ein schweres Orkantief hat den Süden Frankreichs in der Nacht massiv getroffen und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders dramatisch ist die Lage im Südwesten des Landes: Dort wurden verbreitet Windgeschwindigkeiten von über 120 Stundenkilometern gemessen. An der Atlantikküste nahe Bordeaux erreichten die Böen sogar bis zu 160 Kilometer pro Stunde.
Hunderttausende Haushalte ohne Strom
Die Auswirkungen des Sturms sind erheblich. Rund 850.000 Haushalte waren am frühen Morgen von der Stromversorgung abgeschnitten. Der Energieversorger Enedis arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Wiederherstellung des Netzes. Zahlreiche Bäume stürzten um, Dächer wurden abgedeckt, Straßen blockiert. Der Bahn- und Straßenverkehr ist regional stark eingeschränkt, teils mussten Zugverbindungen vollständig eingestellt werden.
Ein Todesopfer im Südwesten
Ein Mensch kam infolge des Sturms ums Leben. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurde in der Nacht im Südwesten Frankreichs ein Lastwagenfahrer tödlich verletzt. Medienberichten zufolge durchschlug eine herabstürzende Baumkrone die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs – der Mann starb noch am Unfallort.
Extreme Böen bis 170 km/h
Auch tagsüber blieb die Lage angespannt. Im Zentralmassiv sowie rund um Perpignan an der Mittelmeerküste registrierten Messstationen Spitzenböen zwischen 150 und 170 Kilometern pro Stunde. Der französische Wetterdienst Météo-France sprach von einem Sturm „seltener Intensität“. Das Orkantief mit dem Namen „Nils“ habe in der Nacht mit außergewöhnlicher Wucht über das Land hinweggefegt.
Für fünf Départements gilt weiterhin die höchste Unwetterwarnstufe Rot. Behörden rufen die Bevölkerung eindringlich auf, Aufenthalte im Freien zu vermeiden und Wälder sowie Küstenbereiche zu meiden.
Überschwemmungen und Lawinengefahr
Neben den Orkanböen sorgen anhaltende Starkregenfälle für zusätzliche Probleme. Im Westen Frankreichs treten Flüsse über die Ufer, erste Ortschaften melden überflutete Straßen und Keller. In den Alpen verschärft sich derweil die Lage durch massive Schneefälle und starken Wind: In Savoyen wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen.
Auch außerhalb Frankreichs zeigt sich die Kraft des Sturms: Auf der spanischen Insel Mallorca wurden ebenfalls Orkanböen gemessen.
Lage bleibt kritisch
Die Einsatzkräfte sind landesweit im Dauereinsatz. Feuerwehr, Polizei und technische Dienste arbeiten daran, Straßen freizuräumen, beschädigte Infrastruktur zu sichern und die Stromversorgung wiederherzustellen. Angesichts weiterer angekündigter Niederschläge und anhaltend starker Winde bleibt die Situation angespannt.
Frankreich erlebt eines der heftigsten Sturmereignisse der vergangenen Jahre – mit tödlichen Folgen, massiven Schäden und hunderttausenden Betroffenen.


