Der großflächige Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar hat eine Schwachstelle des Katastrophenschutzes offengelegt: Fällt der Strom aus, kann auch die digitale Kommunikation innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. Der Berliner Senat hat deshalb gemeinsam mit den Mobilfunkunternehmen ein Maßnahmenpaket vereinbart. Künftig sollen Funkmasten besser mit Notstrom versorgt, Reparaturen schneller ermöglicht und sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme als Anlaufstellen für die Bevölkerung ausgebaut werden.
Der Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar 2026 war weit mehr als eine Unterbrechung der Energieversorgung. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren rund 100.000 Menschen in etwa 45.000 Haushalten sowie mehr als 2.000 Gewerbebetriebe teilweise über mehrere Tage ohne Strom. In der Anfangsphase waren auch Mobilfunk, Internet und Festnetz erheblich beeinträchtigt. Selbst Notrufe waren zeitweise nicht möglich.
Damit wurde deutlich, wie eng die verschiedenen Bereiche kritischer Infrastruktur inzwischen miteinander verbunden sind. Ohne Strom funktionieren nicht nur Wohnungen, Geschäfte und Verkehrssysteme schlechter – auch die Kommunikationswege, über die Behörden die Bevölkerung warnen und Rettungskräfte Hilfe koordinieren, können ausfallen.
Berlin will Mobilfunkmasten besser absichern
Der Berliner Senat will nun gemeinsam mit den Mobilfunknetzbetreibern gegensteuern. Im Mittelpunkt steht eine zuverlässigere Notstromversorgung der rund 3.300 Funkmasten in der Hauptstadt. Geprüft werden unter anderem zusätzliche Notstromlösungen. Auch ein Pilotversuch mit Solaranlagen und Batteriespeichern auf einer geeigneten landeseigenen Immobilie ist vorgesehen. Solche Systeme könnten zumindest einen Teil der Energieversorgung übernehmen, wenn das öffentliche Stromnetz ausfällt. Die vollständige Umsetzung der Maßnahmen wird allerdings Zeit benötigen. Nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey könnten einzelne Vorhaben bis 2027 dauern.
Reparaturtrupps sollen schneller an die Funkmasten gelangen
Nicht nur die Stromversorgung soll verbessert werden. Auch die organisatorischen Abläufe nach einem Ausfall werden überarbeitet. Ein wichtiger Punkt sind die Meldeketten sowie die Zugänge zu den Funkstandorten. Bei einer größeren Katastrophe müssen Reparaturteams möglichst schnell feststellen können, welche Anlagen betroffen sind und wie sie die Standorte erreichen können. Gerade bei großflächigen Stromausfällen kann das entscheidend sein. Denn selbst wenn einzelne Funkmasten über Batterien oder Generatoren weiterbetrieben werden können, ist die Kommunikationsversorgung irgendwann gefährdet, wenn die Energieversorgung nicht wiederhergestellt wird.
Katastrophenschutz-Leuchttürme sollen analoge Lücke schließen
Ein weiterer Bestandteil der neuen Strategie sind sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme. Dabei handelt es sich um öffentliche Anlaufstellen, an denen sich Bürger im Krisenfall informieren und Hilfe erhalten können. Diese Einrichtungen sollen künftig auch bei einem Ausfall des Stromnetzes über Kommunikationsmöglichkeiten und Lademöglichkeiten für Mobilgeräte verfügen. Damit sollen sie eine wichtige Funktion übernehmen, wenn das heimische Internet, der Mobilfunk oder andere digitale Informationswege nicht mehr zuverlässig funktionieren. Das Konzept folgt damit einem Grundprinzip moderner Krisenvorsorge: Digitale Kommunikation soll möglichst lange aufrechterhalten werden – gleichzeitig braucht es physische Anlaufstellen für den Fall, dass die digitale Infrastruktur vollständig versagt.
Mobilfunkbetreiber sollen stärker in Krisenübungen einbezogen werden
Berlin will die Mobilfunkunternehmen zudem stärker in die Katastrophenschutzplanung einbinden. Künftig sollen die Netzbetreiber an Krisenübungen des Landes teilnehmen. Damit sollen mögliche Schwachstellen bereits vor einem tatsächlichen Notfall erkannt werden. Gleichzeitig soll getestet werden, wie die Betreiber, Behörden, Feuerwehr, Polizei und weitere Organisationen im Ernstfall miteinander kommunizieren und welche Maßnahmen bei einem länger andauernden Stromausfall notwendig sind.
Problem: Berlin kann die Betreiber nicht allein verpflichten
Eine zentrale Schwierigkeit bleibt allerdings bestehen: Das Land Berlin kann den privaten Mobilfunkunternehmen nicht eigenständig verbindliche Vorgaben für zusätzliche Schutzmaßnahmen oder umfangreiche Notstromkapazitäten machen. Entsprechende regulatorische Vorgaben liegen beim Bund. Damit stößt die Berliner Initiative an die Grenzen der Landeskompetenzen. Der Senat kann Kooperationen vereinbaren, Krisenübungen organisieren und eigene Infrastruktur stärken. Für verbindliche bundesweite Anforderungen an die kommerziellen Mobilfunknetze ist dagegen der Bund zuständig.
Wie lange hält ein Funkmast ohne Strom durch?
Mobilfunknetze verfügen grundsätzlich über Mechanismen, die bei Stromausfällen die Versorgung möglichst lange aufrechterhalten sollen. Dazu gehören unter anderem Netzersatzanlagen sowie automatische Anpassungen des Netzbetriebs. Nach Angaben der Berliner Landesregierung können benachbarte, noch mit Strom versorgte Funkzellen teilweise die Abdeckung übernehmen. Außerdem können Netzbetreiber den Betrieb auf weniger energieintensive Dienste reduzieren. Eine Garantie für eine langfristige Versorgung bei einem großflächigen und langanhaltenden Blackout gibt es jedoch nicht. Genau hier setzt die neue Berliner Strategie an.
Notruf und Warnmeldungen sind entscheidend
Besonders problematisch ist der Ausfall des Mobilfunks deshalb, weil er unmittelbar die Gefahrenabwehr betrifft. Bürger müssen auch während einer Katastrophe einen Notruf absetzen können. Behörden wiederum müssen Warnungen an die Bevölkerung übermitteln können. Der Berliner Stromausfall hat gezeigt, wie schnell diese Kommunikationskette unterbrochen werden kann. Ein Stromausfall entwickelt sich damit unter Umständen von einem Energieproblem zu einem umfassenden Kommunikations- und Sicherheitsproblem. Auch auf Bundesebene wurde das Thema nach dem Berliner Ereignis aufgegriffen. Eine Anfrage im Bundestag beschäftigte sich mit der Kommunikation von Behörden und Bürgern im Krisenfall und verwies auf die Abhängigkeit von Mobilfunk und anderen digitalen Kommunikationssystemen.
Der Berliner Stromausfall war eine Warnung für ganz Deutschland
Der Vorfall im Januar hat damit eine grundsätzliche Frage aufgeworfen: Wie resilient ist Deutschland, wenn mehrere kritische Infrastrukturen gleichzeitig ausfallen? Strom, Mobilfunk, Internet, Verkehr, Wasserversorgung und Gesundheitswesen sind heute eng miteinander vernetzt. Fällt ein zentraler Bestandteil aus, können sich die Folgen auf andere Bereiche übertragen. Für den Bevölkerungsschutz bedeutet das, dass nicht mehr nur die Energieversorgung selbst abgesichert werden muss. Entscheidend ist auch, dass Behörden und Bürger während eines Ausfalls miteinander in Verbindung bleiben können.
Umsetzung soll bis 2027 vorankommen
Berlin reagiert nun mit einer Kombination aus technischer Vorsorge und organisatorischen Maßnahmen. Mehr Notstrom für Funkmasten, schnellere Reparatureinsätze, bessere Meldeketten, Krisenübungen und Katastrophenschutz-Leuchttürme sollen die Hauptstadt widerstandsfähiger machen. Ob die Maßnahmen bei einem tatsächlichen mehrtägigen Blackout ausreichen, wird sich allerdings erst im Ernstfall zeigen. Der Berliner Stromausfall hat jedenfalls deutlich gemacht, dass ein moderner Katastrophenschutz nicht bei Generatoren und Stromleitungen enden darf. Die wichtigste Lehre lautet deshalb: Wenn der Strom ausfällt, darf nicht gleichzeitig die Kommunikation verstummen.


